Kehrwoche beim schwäbischen Autohersteller Porsche. Nach Volvo denkt nun auch der erste deutsche Autobauer über den Ausstieg vom Dieselmotor nach. Wie sieht die Zukunft aus?

Porsche Mission E – Teaser
Update vom 27.07.2017, 18:19 Uhr:
Nun wurde der nächste Hersteller erwischt: Porsche hat in seinem SUV-Modell Cayenne eine Betrugssoftware verwendet. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat ein Zulassungsverbot verfügt. Jetzt müssen europaweit 22.000 Fahrzeuge vom Typ „Cayenne“ mit 3 Liter TDI zurückgerufen werden. Bitter für Porsche: Der Motor kommt von der VW-Tochter Audi. Auch sie mussten bereits Modelle zurückrufen. Wie Dobrindt sagte, sei eine Technik festgestellt worden, die erkenne, dass ein Fahrzeug auf einem Abgas-Prüfstand stehe.

Originalartikel vom 20.07.2017:
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erklärt Porsche-Chef Oliver Blume zum Dieselaustritt: „Wir beschäftigen uns natürlich mit diesem Thema. Für die Neuauflage des Porsche Cayenne wird es einen Diesel geben. Für die Generationen, die danach kommen, gibt es verschiedene Szenarien.“ Beschlossen ist also noch nichts, aber es besteht zumindest eine Option.

Porsche in komfortabler Position

Anders als bei den direkten Konkurrenten spielt der Diesel bei Porsche keine große Rolle: Der Anteil der verkauften Autos mit Dieselmotor beträgt nur 15 Prozent. Außerdem bauen die Schwaben gar keine Selbstzünder, sondern beziehen die Motoren von der Konzernschwester Audi. Daher wären im eigenen Hause keine Arbeitsplätze von einer Abkehr vom Diesel betroffen.

Was sind die Alternativen?

Sound und Emotionen spielen bei Sportwagen eine wichtige Rolle, davon lebt auch Porsche. Der Boxermotor und das typische Röhren der Auspuffanlage lassen die Herzen der Fans höher schlagen. Doch Tesla zeigt mit dem Model S P100D als schnellstes Serienfahrzeug der Welt, dass auch lautlose Motoren Emotionen erzeugen können. Die Videos von überraschten Beifahrern, die von der Beschleunigung eines Tesla die Luft wegbleibt, machten die Marken hierzulande erst richtig bekannt. Porsche bringt sich ebenfalls in Stellung und arbeitet bereits an einem reinen Strom-Sportwagen.

Mission E: 500 km Reichweite

600 PS, Allradantrieb, von 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden und in 15 Minuten wieder aufgeladen. Wenn es nach Porsche geht, hört sich die Zukunft des Elektroautos alles andere als langweilig an. Der Porsche Mission E wurde bereits 2015 vorgestellt, soll aber erst ab 2020 auf den Markt kommen. „Es ist wichtig, das Fahrerlebnis von Porsche auf ein Elektroauto zu übertragen. Wir können kein E-Auto bauen, das nicht die Erwartungen der Kunden an ein Porsche-Modell erfüllt“, sagte Oliver Blume bei der Präsentation.

Vorerst braucht Porsche den Diesel noch, um die CO2-Grenzwerte der EU einzuhalten. Doch ob der Diesel jetzt oder erst später verbannt wird, spielt für sie keine große Rolle. Viel interessanter wird die Frage, wie die Kundschaft mit Benzin im Blut auf die Elektropläne reagiert. Schließlich entscheidet am Ende der Kunde, wann die Zeit für Elektroautos reif ist.

Quelle: Porsche, via: Golem

Johann Philipp
Johann Philipp, GIGA-Experte.

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