„Vrooooom!“: Elektroautos sollen künstliche Geräusche machen

Stefan Bubeck

Zu leise Autos sind eine Gefahr für Fußgänger. Nun wurde in den USA eine Vorschrift erlassen, die Autobauer dazu verpflichtet, ihre Elektro-Flotten bis 2019 mit Geräuschgeneratoren auszustatten. Auch hierzulande werden entsprechende Pläne geschmiedet.

„Vrooooom!“: Elektroautos sollen künstliche Geräusche machen
Bildquelle: Nissan.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie leise Hybrid- und Elektroautos über die Straßen gleiten. Vorbei die Zeiten, in denen sich ein VW Käfer bereits lautstark ankündigte, bevor er überhaupt um die Ecke bog. Doch dieser Zugewinn an Ruhe ist zugleich ein Problem: Die meisten Fußgänger verlassen sich aus Gewohnheit auf ihr Gehör und registrieren die flüsterleisen Elektro-Mobile zu spät.

Die Behörden in den USA und auch in Europa arbeiten seit Jahren daran, den Herstellern Vorgaben zu machen, die die Fahrzeuge durch künstlich erzeugte Geräuschemissionen sicherer für Fußgänger und Radfahrer machen sollen. Einige Autobauer haben entsprechende Systeme längst verbaut, nun wird dies Pflicht für alle.

USA: 2400 Fußgängerunfälle pro Jahr sollen verhindert werden

Die US-Bundesbehörde „National Highway Traffic Safety Administration“ (NHTSA) hat diese Woche verkündet, dass alle Hersteller von Elektro- und Hybridfahrzeugen dazu verpflichtet sind, ihre Fahrzeugflotten bis zum 1. September 2019 mit Geräuschgeneratoren auszustatten.

Diese sollen automatisch anspringen, wenn die Fahrzeuge unter 18,6 Meilen pro Stunde (rund 30 km/h)  fahren. Ab 30 km/h würden Reifen und Fahrtwind ohnehin eigene Geräusche erzeugen und ein künstliches sei nicht mehr notwendig. So sollen Fußgänger vor herannahender Gefahr gewarnt werden, in einem bereits 2010 vorgelegten Papier werden zudem ausdrücklich blinde Menschen erwähnt. Für diese ist ein akustisches Signal von besonderer Wichtigkeit. „Wir alle sind darauf angewiesen, dass unsere Sinne uns auf Gefahren hinweisen, “ so US-Verkehrsminister Anthony R. Foxx.

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Elektroautos: Auch Europa arbeitet an einem akustischen Frühwarnsystem

Die EU fördert ein Projekt unter dem Namen eVader (Electric Vehicle Alert for Detection and Emergency Response), an dem Beteiligte aus verschiedenen Gruppen arbeiten. Unter anderem an Bord sind neben einigen Autoherstellern – federführend ist Nissan – auch Forschungseinrichtungen und der europäische Blindenverein. Die europäischen Pläne sehen Kunstgeräusche bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h vor.

„Das Schallzeichen sollte eindeutig auf das Fahrzeugverhalten hinweisen und mit dem Geräusch eines mit Verbrennungsmotor ausgestatteten Fahrzeugs der gleichen Klasse vergleichbar sein“ heißt es in der Verordnung des EU-Parlaments. Bis Juli 2019 sollen Elektroautos mit einem entsprechenden Akustischen Fahrzeugwarnsystem (Acoustic Vehicle Alerting System, AVAS) ausgestattet sein.

Das Weltforum zur Harmonisierung der Fahrzeugregulierung der UNECE hat ein Beispielgeräusch für Elektrofahrzeuge entwickeln lassen – wer neugierig ist, kann es sich auf der Webseite der UNECE anhören.


Quellen: Welt, NHTSA

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