E-Bike-Boom: Führerschein muss sein!

Sven Kaulfuss 24

Petrus meint es gut mit uns und beschenkt die Erdenbewohner mit reichlich Sonne. Perfektes Wetter also, um den alten Drahtesel die Sporen zu geben. Beim täglichen Ausritt treffe ich dann neben den ehrlichen und verschwitzten Fahrradfahrern vermehrt auf ungeübte Elektro-Piloten – Gefahr für Leib und Leben ist in Verzug.

E-Bike-Boom: Führerschein muss sein!
Bildquelle: Pixabay.com.

Deutsche Haushalte sind mit Fahrrädern nahezu überversorgt (73 Millionen Einheiten). Nicht verwunderlich, dass die Absatzzahlen 2017 leicht sanken – 3,85 Millionen (2017) vs. 4,06 Millionen (2016) und 4,36 Millionen (2015) Einheiten. Davon ausgenommen sind jedoch die sogenannten E-Bikes. Die machten im letzten Jahr 720.000 Einheiten unter den Fahrrädern aus – ein erneuter zweistelliger Zuwachs von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt sind auf hiesigen Straßen beinahe 4 Millionen der „Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor“ unterwegs. Wer die neuesten Entwicklungen bei den elektrisch befeuerten Fahrrädern erleben möchte, der kann sich diese nicht nur beim Händler um die Ecke ansehen, sondern beispielsweise die „E BIKE DAYS“ diesen Monat (25. bis 27. Mai) in München besuchen – Zeichen für einen anhaltenden, zunehmenden Trend. Kurz eingeschoben: Sollten sich Klugscheißerle an meiner verallgemeinernden Definition von E-Bike in diesem Text stören, sollten sie die folgende Infobox beachten.

Was ist eigentlich ein E-Bike? Die verschiedenen Klassen erklärt:
Pedelec: Rechtlich ein Fahrrad, bietet eine Motorunterstützung nur beim Treten (maximal 250 Watt) und schaltet automatisch bei 25 km/h ab. Helm- und Führerscheinpflicht gelten nicht.
S- Pedelec: Rechtlich ein Kleinkraftrad, bietet eine Motorunterstützung nur beim Treten (maximal 500 Watt) und schaltet automatisch bei 45 km/h ab. Helm- und Führerscheinpflicht (Klasse AM) gelten.
E-Bike: Rechtlich ein Leichtmofa (bis 20 km/h), Mofa (bis 25 km/h) oder ein Kleinkraftrad (bis 45 km/h), bietet eine ständige Motorunterstützung (maximal 500 Watt) und schaltet automatisch nicht ab – die Pedale müssen nicht getreten werden. Helm- und Führerscheinpflicht je nach Klasse und Alter der Fahrer.

Gefahren des E-Bike

Dementsprechend düsen die E-Biker vermehrt auf Straße und Fahrradwegen. Nicht immer sind die Fahrer aber sonderlich geübt darin ein solches Gefährt mit der Extraportion Leistung gekonnt und sicher zu bewegen, denn nicht zuletzt wird die ältere Generation adressiert, die vor Jahrzehnten das letzte Mal ein Velo bewegte. Die sind dann oftmals zu schnell unterwegs, können die Geschwindigkeit nicht richtig einschätzen und riskieren im wahrsten Sinne des Wortes Kopf und Kragen. Apropos: Behelmt sind die wenigsten der E-Chauffeure – sehr unklug. Doch auch die junge Generation hat ihre Teilhabe an der Gefahrenzulage E-Bike. Diese lassen sich nämlich leicht illegal tunen, sind damit schneller als erlaubt, besitzen keinerlei Versicherungsschutz und stellen somit eine zusätzliche Gefahr dar.

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Auch ich war überrascht, als ich vor wenigen Tagen Bekanntschaft mit einer E-Pilotin machen durfte. Unsereiner fährt im normalen Tempo (circa 18 km/h) und mit ordentlich Gegenwind auf einem schmalen, beidseitig zu befahrenden Fahrradweg. Ich vernehme ein eigenartiges Geräusch, einem Krächzen gleich. Der Blick fällt auf die Straße – ein Defekt bei den vorbeifahrenden Fahrzeugen? Wie dem auch sei, ich setzt meine Fahrt fort. Erneut ertönt das Geräusch. Was erblicken da meine Augen links von mir? Ein E-Bike, was an mit vorbeiziehen möchte. Das Geräusch entpuppte sich als „Hupe“ des waghalsigen Gefährtes. WTF! Was ist eigentlich am simplen Prinzip und am leicht zu identifizierenden Klang einer Fahrradklingel auszusetzen? Ich mache Platz und lasse Luisa Hamilton nonchalant passieren.

Besser noch mal die Fahrschulbank drücken?

Mit der Zunahme dieser Rennfahrer werden sich – und die Statistik scheint es zu bestätigen – die Unfallzahlen zwangsläufig erhöhen. Schon heute sind bei 40 Prozent der Fahrradunfälle mit Personenschäden nicht Autos, sondern andere Fahrradfahrer, Fußgänger oder auch nur der Pilot selbst beteiligt. Die E-Bikes werden diesen Trend noch befördern.

Wird’s da nicht langsam Zeit einen E-Bike-Führerschein zu verlangen? Für die noch schnelleren S- Pedelecs (bis zu 45 km/h) gilt ja schon die Führerscheinpflicht, wenngleich kein spezielles Wissen erforderlich ist, der Autoführerschein deckt ja die notwendige Klasse AM ab. Nützlich wäre es in jedem Fall und für die Allgemeinheit auch sicherer. Zumindest einen Praxiskurs sollten E-Piloten schon vorher ablegen müssen – meine bescheiden Meinung nach. Bis dahin schwing ich mich wieder auf mein – allein mit Muskelantrieb – befeuertes Fahrrad, sprinte der Sonne entgegen und wünschen allen Beteiligten auf den Straßen zum heutigen Feiertag Hals und Beinbruch.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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