YouTube: Game-Kritiker führt genial das absurde Urheberrechts-System vor

Sebastian Moitzheim

Jim Sterling ist ein  Videospiel-Kritiker, der mit YouTube sein Geld verdient. Er hat eine geniale Strategie entwickelt, gegen das unfaire Urheberrechts-System von YouTube vorzugehen: Er spielt die verschiedenen Rechteinhaber gegeneinander aus.

YouTube: Game-Kritiker führt genial das absurde Urheberrechts-System vor

Der Kritiker und YouTuber Jim Sterling scheute noch nie vor Konfrontation zurück. Mit einem seiner neusten Videos hat er einen großen Gegner ins Ziel genommen: YouTube. Und das tut er nicht nur mit gutem Grund, sondern auch noch auf ziemlich brillante Art und Weise.

YouTubes unfaires Copyright-System

YouTube hat ein sogenanntes „Content ID“-System. Jedes hochgeladene Video wird automatisch mit einer Datenbank verglichen. So wird überprüft, ob das Video oder Teile davon urheberrechtsgeschützte Inhalte - zum Beispiel Film- oder Videospiel-Ausschnitte - enthalten. Der Urheberrechtsinhaber kann dann entscheiden, was mit dem Video geschieht: Er kann es stummschalten lassen, sperren oder - eine sehr beliebte Vorgehensweise - die Monetarisierung des Videos für sich beanspruchen.

Das absurde an diesem System ist, dass nicht der Urheberrechtsinhaber, sondern der Macher des Videos in der Beweispflicht ist. Es gibt völlig legale Situationen, in denen Ausschnitte mit urheberrechtsgeschütztem Inhalt ohne explizite Erlaubnis benutzt werden dürfen, zum Beispiel als Zitate in Kritik oder Satire. Auf YouTube wird allerdings die Entscheidung des Urheberrechtsinhabers sofort umgesetzt, ohne vorige Prüfung, ob das beanstandete Video die Ausschnitte auf legale Weise einsetzt. Es kommt häufig vor, dass ein Konzern an Video-Kritiken oder -Parodien seines Werkes Geld verdient - und die Macher der Videos, für die YouTube teils ein Job ist, zumindest zeitweise leer ausgehen. Man kann dagegen Widerspruch einlegen, aber a) reagiert YouTube nicht immer zeitnah darauf und b) ist es schlicht unfair und in einigen Ländern auch illegal, den Macher des Videos in die Beweispflicht zu stellen. Wer eine etwas ausführlichere Erklärung eines Betroffenen sehen will, kann dieses Video des beliebten Film-Kritikers/Comedians Doug Walker alias Nostalgia Critic ansehen.

 

Bilderstrecke starten
17 Bilder
17 Lügner, die das Internet entlarvt hat.

Wie Sterling die Konzerne gegeneinander ausspielt

Wie man sieht, sind einige YouTuber - zurecht - unzufrieden mit diesem System. So auch Sterling, doch ihm genügt es nicht, nur auf diesen Missstand hinzuweisen. Er hat einen Weg gefunden, dass Content-ID-System gegen die Rechteinhaber einzusetzen. Er tut dies in seiner Kritik zu Star Fox Zero im Rahmen seiner Video-Reihe „The Jimquisition“.

Im Verlauf des Videos zeigt er immer wieder Ausschnitte aus anderen Spielen, die eigentlich wenig bis gar nichts mit dem Thema des Videos zu tun haben - aus GTA 5, Metal Gear Solid 5 oder Beyond: Two Souls. Am Ende des Videos erklärt er, warum: „Der Grund ist Nintendo. Da ich diese Woche über ein Nintendo-Spiel rede, habe ich Nintendo-Spielausschnitte benutzt. Und das bedeutet, dass Nintendo versuchen wird, dieses Video zu monetarisieren, obwohl die „Jimquisition“ werbefrei sein sollte, dank eurer netten Unterstützung über Patreon.“ (Patreon ist eine Crowdfunding-Seite, ähnlich wie Kickstarter, nur mit dem Unterschied, dass das Publikum regelmäßige statt einer einmaligen finanziellen Unterstützung beisteuert.)

Sterling ist also seine älteren Videos durchgegangen und hat die Ausschnitte rausgesucht, bei denen Rechteinhaber einen Content-ID-Anspruch geltend gemacht haben. Dieselben Ausschnitte hat er in sein neues Video übernommen: „Ich habe mir gedacht: Jedesmal wenn ich über Nintendo rede, werde ich andere Ausschnitte einbauen, die über Content-ID gemeldet werden, und werde einfach zusehen, wie die Konzerne miteinander streiten.“ Die Idee ist, dass keine Firma das Video monetarisieren kann, da nicht wirklich klar ist, wer den Anspruch auf die Monetarisierung hätte (oder die Firmen müssten den Gewinn untereinander aufteilen, was die Gewinne aller dezimieren würde).

Die Strategie funktioniert (noch?)

In einer Email an Kotaku bestätigt Sterling, dass die Strategie funktioniert: „Sie hat schon mehrere Male funktioniert. Warner Music versuchte, das Video für die Musik von Erasure zu monetarisieren, konnte es aber nicht, da Nintendo und Take-Two ihre Content-ID-Einstellung in diesem Fall auf „nicht monetarisieren“ gestellt hatten.“

sterling

„Ich habe das vor ein paar Monaten durch Zufall entdeckt, als widersprüchliche Urheberrechts-Ansprüche von Sony und Konami dazu führten, dass keine Werbung vor meinem Video lief. Eine ziemlich gute Hintertür für jemanden, der versucht, seine Videoreihe werbefrei zu halten, auch, wenn es bedeutet, dass man absichtlich versuchen muss, gegen das Urheberrecht zu „verstoßen“, führt  Sterling in seiner Email fort.

Auf Dauer dürfte die Strategie natürlich kaum eine Lösung sein, denn es besteht noch immer die Gefahr, dass Konzerne solche Videos ganz sperren lassen - vielleicht sogar im rechtlichen Sinne mit Recht, da Sterling so keine Aussage mehr über die Ausschnitte trifft (was eine Bedingung für Kritik oder Satire wäre). Dennoch ist es natürlich in erster Linie ein Signal, das die Probleme von YouTubes System aufzeigen soll - und als solches ist es ziemlich effektiv.

Quelle: Kotaku

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* Werbung