Bilderberger-Verschwörung 2016: Das steckt dahinter

Selim Baykara 20

Mit den Bilderbergern treffen sich jedes Jahr einflussreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Die Treffen finden hinter verschlossenen Türen statt, Informationen dringen nur spärlich an die Öffentlichkeit. Manche in der Netzkultur wittern deshalb gar eine Bilderberger-Verschwörung. Was hat es damit wirklich auf sich? In diesem Ratgeber klären wir auf und liefern die wichtigsten Fakten.

Wenn sich wichtige und einflussreiche Personen hinter geschlossenen Türen treffen, muss man nicht lange warten, bis das böse Wort „Verschwörung“ fällt.  Das gilt für historisch gewachsene Männerbünde wie die Freimaurer und natürlich auch für die Bilderberger, die immer dann für Aufsehen sorgen, wenn wieder einmal die jährliche Groß-Konferenz ansteht. 2016 findet die Bilderberger-Konferenz in Dresden statt - und wie zu erwarten war, werden erneut Rufe laut, die der Vereinigung undemokratisches Machtstreben vorwerfen. Zu Recht?

Bilderberger Artikelbild

Zum Thema - Bilderberger-Treffen heute in Dresden: Teilnehmer, Themen, Kritik

Ab heute treffen sich die Bilderberger zu ihrer jährlichen Konferenz - das Treffen findet dieses Jahr im renommierten Dresdner Hotel Taschenbergpalais nahe der Semperoper statt. Erwartet werden 130 Teilnehmer aus 20 Ländern. Hier die wichtigtsten Informationen auf einen Blick.

  • Die Bilderberger-Konferenz wird vier Tage lang dauern - und zwar vom 09. bis zum 12. Juni 2016.
  • Die Konferenzteilnehmer werden bis Kurz vor Beginn geheimgehalten - dennoch sind bereits einige Namen an die Öffentlichkeit gelangt.
  • Aus der deutschen Politik werden Wolfgang Schäuble, Innenminister Thomas de Maizière sowie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (alle CDU) am Bilderberger-Treffen teilnehmen.
  • Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) und Bundespräsident Gauck sollen ebenfalls Einladungen erhalten, diese aber abgelehnt haben.
  • Aus der Wirtschaft werden Paul Achleitner, der Aufsichtsrat der Deutschen Bank sowie Airbus-Vorstand Thomas Enders anreisen - beide zählen dieses Jahr zum Führungs-Komitee der Konferenz.
  • Die Polizei sichert das Gelände großflächig ab - dabei sind täglich rund 400 Beamte im Einsatz.
  • Bislang sind  etwa 19 Kundgebungen und Demonstrationen gegen die Bilderberger-Konferenz 2016 angemeldet, unter andrem von der NPD, der AfD sowie linken Gruppen.
  • Auch aus der Politik kommt Kritik: Bei der Bilderberger-Konferenz trifft sich ein informelles Netzwerk der Elite, bei dem ohnehin Privilegierte ihren Einfluss noch weiter vergrößern“ so der Politiker Axel Troost von der Partei Die Linke.
  • Der diesjährige Vorsitzende Henri de Castries hat die Kritik an  Gesprächsrunde diese Woche zurückgewiesen. „Warum konzentriert man sich so auf die Geheimhaltung von Bilderberg, wenn es jeden Tag zehntausende Treffen gibt, deren Inhalt nicht öffentlich ist?“ sagte der AXA-Chef vor einigen Tagen in einem Interview mit der DPA .

Außerdem interessant: Auch wenn die Gesprächsthemen normalerweise streng geheimgehalten werden, wurden die Themen dieses Jahr bereits im Vorfeld bekanntgegeben. Auf der offiziellen Homepage der Bilderberger findet ihr einen Überblick. Zu den Themen, die 2016 diskutiert werden, zählen unter anderem:

  • China
  • Zukunft der EU
  • Politische Situation in den USA
  • Situation im nahen Osten
  • Cyber-Security
  • Zukunftstechnologien

Auf der Webseite der Gruppe findet ihr ebenfalls eine Übersicht über alle Teilnehmer der Bildberger-Konferenz 2016.

Bilderberger-Konferenz 2016 - Die wichtigsten Fakten im Überblick

Bei der jährlich stattfindenden Bilderberger-Konferenz treffen sich international renommierte Politiker, Wirtschaftsführer, Akademiker und Medienleute, um diskret und hinter verschlossenen Türen über aktuelle Themen zu diskutieren. Die Konferenz dauert drei Tage - in der Regel wird dabei vor allem die Weltwirtschaft sowie der gegenwärtige Stand der internationalen Beziehungen erörtert.  Sofern es eine Einigung zu bestimmten Fragen gibt, wird diese nach dem Ende der Konferenz nicht veröffentlicht - überhaupt sind die Informationen recht spärlich gesät: Bei der Berichterstattung über die Treffen gilt die sogenannte Chatham-House-Rule. Das heißt: Es darf zwar allgemein berichtet, aber keine Namen genannt werden.

  • Die erste Bilderberger-Konferenz fand 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande statt - von dem Hotel de Bilderberg in Oosterbeek, das als Tagungsort diente, stammt dann auch die allgemeine Bezeichnung Bilderberger.
  • Die Leitung erfolgt durch einen Vorsitzenden, der jeweils von seinem Vorgänger bestimmt wird und von zwei General-Sekretären unterstützt wird. Üblicherweise finden die Treffen in Luxus-Hotels statt.
  • Der Vorsitzende lädt die Teilnehmer der Konferenz ein: In der Regel nehmen etwa 130 Personen teil, wobei rund zwei Drittel aus Amerika und ein Drittel aus Europa stammen. In den letzen Jahren werden aber zunehmend auch Persönlichkeiten aus anderen Weltregionen (z.B. Asien) eingeladen.
  • Bei den Bilderbergern handelt es sich nicht um ein formelle Organisation: Es gibt keinen Gründungsvertrag oder einen offiziellen Status, der eine Person als Mitglied der Bilderberger ausweist.
  • Die Teilnehmer an der Konferenz nehmen ausdrücklich als Privat-Personen und nicht in ihrer offiziellen Funktion (z.B. als Minister) an den Treffen teil.
  • Als aktive Mitglieder bei den Bilderbergern gelten der 2003 verstorbene Fiat-Chef Giovanni Agnelli, US-Banker David Rockefeller sowie der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger.
  • Zu den deutschsprachigen Teilnehmern der Bilderberger-Treffen zählten in der Vergangenheit u.a. Jürgen Schremmp, Joseph Ackermann sowie der ehemalige Bundeskanzler und Zeit-Verleger Helmut Schmidt.
  • Auch Gerhard Schröder sowie die jetzige Bundeskanzlerin Angela Merkel nahmen schon an der Bilderberger-Konferenz teil. Die Bilderberger werden in manchen Kreisen daher auch als „Kanzlermacher“ bezeichnet.

Gibt es eine Bilderberger-Verschörung?

Im Netz, in sogenannten „alternativen Medien“ (häufig mit ausgeprägt rechtem oder linkem Background) und natürlich auch offline ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien über die Bilderberger. Einerseits ist das verständlich, da die Gesprächsthemen streng geheim gehalten werden, was von Gegnern der Bilderberger als undemokratisches Machtstreben ausgelegt wird. Andererseits fehlt diesen Verschwörungstheorien - wie etwa auch im Fall der Freimaurer - in vielen Fällen eine solide Basis, die eine sinnvolle Diskussion ermöglicht. Hier einige gängige populäre Vorstellungen über die Bilderberger:

  • Die Bilderberger streben eine Weltdiktatur an und wollen eine neue Weltordnung errichten, in der sie die Fäden in der Hand halten.
  • Die Bilderberger verursachten die Ölkrise von 1973, um die Wirtschaft der USA zu stärken.
  • Der Geheimbund soll für den Irak-Krieg von 2003 verantwortlich sein, indem er nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die amerikanische Außenpolitik gezielt auf den eigentlich unbeteiligten Diktator Saddam Hussein lenkte.
  • Andere Verschwörungstheoretiker machen die Bilderberger gleich auch persönlich für 9/11 verantwortlich.

Im Prinzip lässt sich diese Liste beliebig fortsetzen. Der Aufstieg des IS, unbeliebte Politiker wie George W. Bush, raffgierige Großbanken: Für fast alles kann man die Bilderberger verantwortlich machen (und das werden sie auch regelmäßig). Ob das wirklich Hand und Fuß hat sei dahin gestellt. Für Anhänger von Verschwörungstheorien spielt das aber nur eine untergeordnete Rolle - im Vordergrund steht das Bedürfnis, die Welt in möglichst einfachen Begriffen zu verstehen: Komplexe (und bedrohliche) gesellschaftliche Ereignisse, die sich einer schnellen Erklärung entziehen, werden nachvollziehbar, indem man eine geheime Gruppe von Verschwörern als Urheber allen Übels identifiziert. Dass die Realität meist wesentlich komplizierter ist und bei großen Ereignissen in der Regel sehr viele Faktoren mitwirken, wird dabei gerne übersehen.

Sind die Mitglieder der Bilderberger eine Gefahr für den Weltfrieden?

Im Umkehrschluss heißt das natürlich nicht, dass man die Bilderberger einfach als harmlose Hinterzimmer-Treffen abtun kann, wie sie in der Politik eben üblich sind. Wenn sich die einflussreichsten Politiker der Welt mit mächtigen Wirtschaftsbossen treffen, ist eigentlich klar, dass dann nicht nur über das schöne Wetter geplaudert wird. Kritiker wie der belgische Soziologe Geoffrey Geuens beklagen denn auch seit langem die zwanghafte Geheimhaltung der Bilderberger. Der Bund sei demnach ein gutes Beispiel dafür, wie Macht im globalen Rahmen ausgeübt werde: Durch die enge Verflechtung von Wirtschaft, Politik und Medien bilde sich eine weltweit agierende Machtelite heraus, die auch zu undemokratischen Mitteln greife. Dabei würden zentrale politische Entscheidungen teilweise aus dem öffentlichen Raum und den Parlamenten ausgelagert und somit einer demokratischen Kontrolle entzogen.

Doku zum Thema: Bilderberger - Geheimtreffen der Mächtigsten der Welt

Eine geheime Weltverschwörung der Bilderberger schließen aber so gut wie alle seriösen Kritiker aus. Die gegenwärtige Weltordnung sei zu vielschichtig und zu komplex, als dass eine einzige Organisation wie eine „Steuerzentrale“ alle Geschehnisse kontrollieren könne, so der Historiker Bernd Greiner vom Hamburger Institut für Sozialforschung. Da die Teilnehmer der Konferenzen ständig wechselten und sich auch nur vergleichsweise selten träfen, könnten die Bilderberger zudem schon rein organisationstechnisch nicht als „geheime Weltregierung“ operieren.

Überzeugen euch diese Argumente? Oder glaubt ihr, dass doch mehr hinter den Bilderbergern steckt? Wir sind auf eure Meinung in den Kommentaren gespannt!

Bei uns findet ihr noch mehr zum Thema Verschwörungstheorien. Lest z.B. was es mit den sogenannten Chemtrails auf sich hat. Außerdem erfahrt ihr, ob die Hellseherin Baba Vanga für 2016 tatsächlich den Untergang Europas vorausgesagt hat, und was das Freihandelsabkommen TTIP konkret bedeutet.

Bildquellen: Men Fedora Hats silhouette. Security, Privacy und Luxury lobby Mobsters meeting around pool table via Shutterstock

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