NFC im Alltag – Was ist heute schon möglich?

Johannes Kneussel

Schon im Jahr 2010 bot Google mit dem Nexus S die Möglichkeit, Near Field Communication (NFC) im Alltag zu verwenden. Aber selbst knapp drei Jahre später scheint sich die Technik (zumindest in Deutschland) noch nicht wirklich durchgesetzt zu haben. Allerdings bieten die neueren Smartphones fast alle durchgängig NFC. Für uns Grund genug, die Technik und Möglichkeiten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Geschrieben von Johannes Kneussel

NFC im Alltag – Was ist heute schon möglich?

Wie funktioniert NFC?

NFC steht für den Austausch von Daten (Texten, Bildern, Videos, Kontaktinformationen usw.) über sehr geringe Entfernungen (wenige Zentimeter). Sender und Empfänger müssen dabei nicht extra aufwändig gekoppelt werden (wie zum Beispiel bei Bluetooth), sondern der Datenaustausch funktioniert schnell und (meist) ohne weitere Eingaben. Es gibt immer einen aktiven Teilnehmer (das wäre in Eurem Fall meistens das Smartphone) und oftmals einen passiven Teilnehmer (dies wird als verbindungslose Kommunikation bezeichnet), häufig sogenannte NFC-Tags oder auch NFC-Sticker.

Zum Thema: NFC Tags selbst erstellen – Anleitung und Anwendungsbeispiele

Diese verfügen über keine eigene Energieversorgung, werden vom aktiven Teilnehmer aktiviert und mit Energie versorgt. Auf ihnen kann man allerlei Informationen speichern: zum Beispiel die Zugangsinformationen für das Wlan in der Wohnung oder die Aktivierung eines bestimmten Handyprofils. Diese Tags haben die Einschränkung, dass der Speicherplatz aufgrund ihrer geringen Größe sehr beschränkt ist (man muss sich schon mit 1024 Byte oder weniger begnügen). Für einfache Befehle reicht dieser Speicher aber vollkommen aus.

Natürlich ist auch die kurzzeitige Kopplung zweier aktiver Geräte möglich (verbindungsbehaftet). So kann man zum Beispiel eine MP3- oder Bilddatei vom eigenen Smartphone auf das Gerät der Partnerin/des Partners übertragen. Dieser unkomplizierte Datenaustausch funktioniert aber nicht ganz automatisch. Zur Sicherheit muss der Bildschirm des Handys an- und die Bildschirmsperre ausgeschaltet sein. Die Übertragungsreichweite ist allerdings so gering, dass ein Missbrauch deutlich erschwert ist. Selbst in der Hosentasche funktioniert ein NFC-Sticker oder eine NFC-Karte meist nicht mehr. Da ein Missbrauch aber trotzdem nicht komplett auszuschließen ist, kommen bei verbindungsbehaftetem Datenaustausch zusätzliche Sicherungsfunktionen zum Einsatz, die das Smartphone auch für den Transfer von Geldbeträgen fit machen sollen (zum Beispiel das Abhören durch Dritte deutlich schwieriger machen).

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NFC-Funktion: Was kann man damit machen?

Wo wird NFC heute schon eingesetzt?

Es ist eine sehr verlockende Idee, mit dem Handy sicher und bargeldlos bezahlen zu können. Leider hat sich dieses Verfahren immer noch nicht wirklich durchgesetzt. Dabei gibt es schon mindestens vier größere Anbieter, die ein solches System bieten. Dazu gehören Wallet von Google, Girogo(mit dem Geldkarten-Chip), Paypass (von Mastercard) und payWave (von Visa). Die drei Letztgenannten haben zwar den Vorteil, dass sie schon etwas verbreiteter sind (Google Wallet, welches ja erst kürzlich Google Checkout ersetzt hat, findet man außerhalb des Play Stores nur in Amerika), dafür braucht man aber eine zusätzliche Karte (Girokarte oder Kreditkarte), auf die man eigentlich ja verzichten möchte und darüber hinaus ist das NFC-Verfahren mit passiven Karten, wie oben beschrieben, nicht so sicher wie jenes mit zwei aktiven Teilnehmern. Weiter verbreitet heißt in diesem Fall aber nicht flächendeckend, in meinem aktuellen Wohnort Marburg gibt es beispielsweise gerade einmal sieben Einrichtungen, in denen man mit PayPass bezahlen kann (hauptsächlich Tankstellen), in Berlin sind es immerhin über 180.

touch-travel

Eine weitere spannende Möglichkeit ist es, papierlose Eintrittskarten oder Bustickets zu erwerben. Man kauft über das Handy eine Eintrittskarte für ein Konzert und muss später nur noch das Handy an eine Eintrittsschranke halten, um Zutritt zu erhalten. Beim Nah- und Fernverkehr gibt es mit touch & travel bereits ein System der Deutschen Bahn, welches NFC nutzt. Hier wird das Handy vor und nach der Fahrt an eine entsprechende Station gehalten, die Fahrtstrecke und der Preis werden daraufhin berechnet und vom Konto des Nutzers abgezogen. Aber auch dieses System hat sich noch nicht wirklich durchgesetzt. Das liegt daran, dass Datenschützer davor warnen, dass die Deutsche Bahn sehr viele Daten (GPS usw.) des Nutzers über einen längeren Zeitraum speichert, der Vorgang noch nicht so komfortabel wie ein normaler Ticketkauf ist und darüber hinaus fehlerbehaftet sein kann.

Tatsache ist also leider immer noch, dass man in Deutschland praktisch nichts davon wirklich nutzen kann. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass es in naher Zukunft soweit sein wird und man irgendwann wohl ganz auf einen Geldbeutel (und in fernerer Zukunft wohl auch ganz auf den Schlüssel) verzichten können wird. Neben weiteren Ideen (zum Beispiel der Nutzung des Handys als Autoschlüssel), die auch noch keine Verwendung finden, interessiert uns aber vor allem die Steuerung und Automatisierung des Handys über NFC-Tags. Die Möglichkeiten, die sich hier bieten und die jetzt schon verwendbar sind, sollen im zweiten Teil dieses Artikels näher beleuchtet werden.

Noch ein paar Worte zur Sicherheit 

Ein kompletter Schutz vor Missbrauch bei NFC ist eigentlich nur möglich, wenn die Funktion komplett deaktiviert ist. Beim Handy geht das, bei passiven Chips natürlich nicht. Allerdings ist die Reichweite so gering, dass die Gefahr, wie oben schon erwähnt, als relativ gering eingeschätzt werden darf.

Ein Verlust einer NFC-Karte ist fast gleichbedeutend mit dem Verlust von Bargeld. Bei Girogo beispielsweise kann man ohne Pin in bestimmten Geschäften bezahlen. Allerdings ist der Betrag pro Einkauf auf 20 Euro beschränkt und man muss das Geld vorher extra auf die Karte geladen haben.

Bei Google Wallet ist der Schutz etwas besser. Zum einen kommen dank Smartphone zwei aktive NCF-Chips zum Einsatz, zum anderen braucht man für jede Transaktion seinen persönlichen Pin. Aber auch hier gilt: Ein Missbrauch ist immer noch möglich (wenn auch deutlich schwerer).

Man muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass sich die NFC-Technologie, wie auch schon die normale Magnetkartentechnologie, leicht missbrauchen lässt. Man sollte also sein Handy immer mit einer allgemeinen Pinsperre sichern und im Notfall die Möglichkeit haben, den Handyspeicher aus der Ferne zu löschen.

Wenn man ein wachsames Auge auf die Sicherheit hat, bieten sich aber, wie in diesem Artikel beschrieben, tolle Möglichkeiten, seinen Alltag leichter zu gestalten. Wollen wir hoffen, dass diese bald flächendeckend verfügbar sind. Wie man sein Smartphone mit NFC noch weiter automatisieren kann, schauen wir uns im zweiten Teil dieses Artikels an.

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