Nostalgie Check: Bei RollerCoaster Tycoon Deluxe ist weniger einfach mehr

Lisa Fleischer

Achterbahnen bauen, die Preise im Blick behalten und auf Beschwerden von Gästen reagieren – oder alles bewusst den Bach heruntergehen lassen: RollerCoaster Tycoon lässt dich seit 1999 deinen eigenen Freizeitpark aufbauen. Macht das Spiel heute noch immer so viel Spaß wie damals?

Erinnerst du dich noch an das gute alte Intro von RollerCoaster Tycoon?

RollerCoaster Tycoon Intro.

2003 – RollerCoaster Tycoon entert meinen PC

Ich weiß gar nicht mehr ganz genau, wie RollerCoaster Tycoon zu uns ins Haus kam – wahrscheinlich bekam mein Halbbruder die Deluxe-Version der Simulation schlicht geschenkt. Da das Spiel für den PC war, zeigte er daran nicht allzu viel Interesse, spielte er doch lieber an der Konsole. Der PC blieb frei – und ich entdeckte RollerCoaster Tycoon für mich.

2017 – Ein Wiedersehen nach langer Zeit

Irgendwie hatte ich RollerCoaster Tycoon nach 2005 aus den Augen verloren. Bis 2016, denn dann erschien RollerCoaster Tycoon World. Meine Hoffnungen wurden geweckt, endlich wieder denselben Spaß mit Simulationen zu haben wie damals mit dem ersten Teil. Gespielt habe ich World dann doch nie, konnte ich mir die Simulation damals schlicht nicht leisten. Vor kurzem entdeckte ich dafür, dass das originale RollerCoaster Tycoon in genau der Deluxe-Edition, die ich als Kind besaß, für ein paar Euro auf Steam angeboten wird.

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Prompt habe ich zugeschlagen. Früher war RollerCoaster Tycoon dafür verantwortlich, dass ich alle anderen Spiele deinstallieren musste, benötigte das Spiel für damalige Verhältnisse doch wahnsinnig viel Speicherplatz. Heute beanspruchte das Herunterladen und Installieren nur wenige Minuten! Und obwohl mein Laptop schon einige Jahre auf dem Rücken hat, läuft das Spiel flüssiger denn je. Lediglich einige kleine Bugs birgt RollerCoaster Tycoon heute. Beispielsweise brauche ich mehrere Anläufe, um zu speichern, weil sich das Speichern-Fenster nicht sofort öffnen lässt. Darüber kann ich dank des Gameplays aber getrost hinwegsehen.

2003 – Kleine Lisa mit großer Verantwortung

Scheiterte ich schon an Die Sims aufgrund meiner mangelnden Kreativität, nahm mich RollerCoaster Tycoon von Anfang an an die Hand und zeigte mir Schritt für Schritt, was ich beachten musste: Klein anfangen, die ein oder andere „Attraktion“ in Form von Karussell oder Pizza-Stand an den Wegesrand bauen, um etwas Geld mit dem Park zu verdienen. Im Verlauf des Spiels kamen dank Forschung Stück für Stück neue Stände, Details für die Umgebungen und kleine oder große Attraktionen hinzu, die ich in den Park integrieren konnte.

Neben dem Gestalten macht RollerCoaster Tycoon aber vor allem das Managen aus. Viel wichtiger als immer neue Attraktionen zu bauen war es nämlich, die Finanzen und das Befinden der Besucher im Blick zu halten. Wie viel der Eintritt in den Park und die einzelnen Attraktionen kosten, bestimmst du; mit dem Geld, das du einnimmst, baust du neue Attraktionen. Aber Vorsicht: Vergiss nicht die Kosten für dein Personal und für die Forschung! Sonst landen deine Zahlen schon bald im roten Bereich. Als Kind habe ich mich besonders in diesen Bereich des Spiels so vertieft, das ich nach einigen Stunden schon gar keine Geldprobleme mehr hatte.

2017 – Gar nicht so leicht wie gedacht

Was ich dabei total vergessen hatte: RollerCoaster Tycoon bietet nicht etwa ein ausführliches Tutorial, vielmehr musst du dir die Simulation selbst beibringen. Wusste ich Anfangs noch nicht einmal, wie ich das Spiel startete, fällt mir nach und nach aber alles wieder ein. Sogar mein alter Spielstil geht mir inzwischen wieder locker von der Hand. Hatte ich als Kind noch geglaubt, die mir fehlende Kreativität würde schon irgendwann kommen, weiß ich jetzt: Nein, nichts zu machen! Weil RollerCoaster Tycoon aber nur beschränkte Möglichkeiten bietet, macht das ausnahmsweise überhaupt nichts. Zwar schaffe ich es nicht, eine durchdachte Achterbahn selbst zu bauen, die Vorgefertigten machen meinen Besuchern aber sowieso viel mehr Spaß.

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Was mir inzwischen allerdings Probleme bereitet, ist das Geld: Nach nur wenigen Stunden bin ich pleite, weil ich mich mit der Tretboot-Bahn und den damit verbundenen Anpassungen der Umgebung verschätzt habe. Zum Glück muss ich nur den Eintritt jeder Attraktion und des Parks erhöhen, schon bewegt sich der Budget-Zähler langsam aber sicher wieder in Richtung schwarzer Zahlen. Trotzdem kann ich längere Zeit nichts tun außer warten, denn ich finde die Vorspul-Funktion nicht. So sehr ich RollerCoaster Tycoons Einfachheit schätze, in diesen Momenten verfluche ich die wenigen Funktionen des Spiels.

2003 – Ein virtueller Ausflug in den Freizeitpark meiner Träume

Als Kind sind meine Eltern mit mir nur selten in Freizeitparks gefahren – obwohl ich dort so unglaublich gerne war und immer noch bin. Umso schöner, dass mir RollerCoaster Tycoon zumindest im virtuellen all das bieten konnte, was ich an echten so sehr geliebt habe: Liebevoll gestaltete, thematisch passende Umgebungen, schnelle Fahrten in Höhe und Tiefe und natürlich zahlreiche Stände mit leckerem Essen und Trinken. Wie gerne habe ich den Besuchern meines Parks beim Pizza essen oder Achterbahn fahren zugeguckt und mir vorgestellt, ich sei an ihrer Stelle.

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Spieler vs. Parkbesucher: So geht Trolling in RollerCoaster Tycoon!

2017 – Gar nicht mehr so hübsch

Von Realismus könnte RollerCoaster Tycoon zumindest aus heutiger Sicht nicht weiter entfernt sein. Die Grafik ist simpel, die Umgebung und Attraktionen bestehen aus körnigen Pixeln. Richtig scharf sind die Farben nicht, alles sieht aus, als hätte sich der graue Schleier des Staubs darübergelegt. Den Bearbeitungsboxen sieht man an, dass sie aus den 90er-Jahren stammen. Und die Funktion, die mir als Kind so gut im Gedächtnis geblieben ist, gibt es gar nicht oder zumindest kann ich sie auch nach langem Suchen einfach nicht finden: Du kannst gar nicht mit einem Besucher in die Achterbahn steigen und so die wilde Fahrt miterleben?

Trotz dieser herben Enttäuschung; sowohl, was die Grafik angeht als auch die falsch gemerkte Achterbahn-Fahrt, übt RollerCoaster Tycoon noch immer eine große Faszination auf mich aus. Nachdem ich mich eingespielt habe, will ich gar nicht mehr aufhören mit dem Achterbahnen bauen; außerdem vergeht die Zeit während des Spielens wie im Flug. Ich kann mir zwar vorstellen, dass RollerCoaster Tycoon durch die begrenzten Möglichkeiten nicht dauerhaft zu motivieren weiß. Für einige Stunden Spielspaß reicht es aber nach wie vor. Ich baue auf jeden Fall jetzt gleich weiter an meinem Park der Träume.

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