Nostalgie-Check: So cool waren die Avengers schon zu SNES-Zeiten

Victor Redman

Captain America und die Avengers kannte ich schon lange, bevor es „Hype“ war. Zu verdanken habe ich das dem gleichnamigen Arcade-Hit. Und den gab es auch für die Heimkonsolen. Macht das Prügelspiel heute noch was her?

 

Inzwischen versammeln sich die Superhelden aus dem Hause Marvel schon zum dritten Mal auf der Kino-Leinwand. Und das lohnt sich: „Avengers: Infinity War“ hat in nur wenigen Tagen eine Milliarde eingespielt. Jeder Zweite rennt heute im Marvel-T-Shirt rum, aber ich kannte Captain America und seine Rächer schon lange, bevor es hip war. Zu verdanken habe ich das Data East – deren Arcade-Klopper Captain America and the Avengers stand in den Neunzigern nämlich in jeder amerikanischen Spielhalle.

Die Avengers – nicht immer hip, aber immer cool

Klar, dass ein Nerd wie ich da nicht widerstehen konnte. Statt mit meinen Eltern am Strand zu braten, verbrachte ich so manchen Urlaubstag in der Arcade, wo ich die Welt gegen Schurken wie Red Skull, Ultron oder den Reaper verteidigte. Von den Vierteldollar-Münzen, die ich im Laufe der Zeit in die Maschine versenkte, könnte ich mir heute wahrscheinlich einen eigenen Arcade-Automaten kaufen – aber das hätte nicht halb so viel Spaß gemacht.

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Captain America and the Avengers ist ein klassischer Sidescroller im Stil von Streets of Rage, Final Fight oder Double Dragon – nur, dass sich hier eben diverse Marvel-Helden durch verschiedenste Stages prügeln.

Zur Auswahl stehen neben Titelheld Captain America auch die Rächer Iron Man, Hawekeye und Vision. Landen die Helden einen Treffer, wird der nicht nur von krachenden Sound-Effekten begleitet, sondern – wie im Comic – auch in bonbonfarbenener Schrift dargestellt. So KRAKen, TWAKen und WAMen die Avengers sich ihren Weg durch Häuserschluchten, Raumstationen und Unterwasserwelten. Selten war ein Brawler befriedigender.

Dabei will ich nicht verschweigen, dass ich mich auch bei diesem Spiel nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe. Im Gegenteil: Ich war sogar ziemlich grottig. Über das zweite Level – eine Flug-Stage, an deren Ende ein haushoher Roboter wartet – kam ich als Kind selten hinaus. Spätestens beim folgenden Unterwasser-Level war Schluss. Den mechanischen Kraken, der das Tor zum nächsten Level versperrt, konnte ich allein nie bezwingen. Zum Glück gab es in der Arcade ältere, erfahrenere Zocker mit mehr Taschengeld. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich auch die späteren Stages des Spiels wenigstens mal zu sehen bekam.

Aus der Spielhalle ins Wohnzimmer

Wie viele Arcade-Hits der Neunziger bekam auch das Avengers-Abenteuer schließlich eine Konsolen-Version spendiert. Die ging dann allerdings an mir vorbei – wohl auch, weil sich hierzulande mit Marvels Rächern weiterhin kein Blumentopf gewinnen ließ und das Spiel dementsprechend wenig Aufmerksamkeit bekam.

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20 Jahre später stehe ich nun vor der Qual der Wahl: Will ich das Spiel auf dem Super Nintendo oder auf Segas Mega Drive neu erleben? Meine Retro-Konsole kann beides und äußerlich scheinen die beiden Ports identisch.

Als lebenslanger Nintendo-Fanboy gebe ich der SNES-Version den Vorzug – und bereue es, noch ehe ich das erste Level durchgespielt habe. Das Spiel kommt zwar optisch nah an die Arcade-Ausgabe heran, aber es spielt sich nicht annähernd so flüssig.

Der Grund ist schnell gefunden: Nach jedem Treffer werden die Gegner für einen kurzen Augenblick unverwundbar. Erkennen lässt sich das, wie in vielen anderen Spielen, an einem schnellen Flackern des jeweiligen Gegners. Das Problem: Hier hält dieses Flackern mehrere Sekunden an – die verwundeten Gegner können sich also ausgiebigst revanchieren, während die Avengers ihnen hilflos ausgeliefert sind. So macht das Heldendasein keinen Spaß.

Avengers! Assemble! Again.

Also muss doch die Mega-Drive-Version her. Und, siehe da: Hier hält die Unverwundbarkeit getroffener Gegner sich in fairen Grenzen. Auch dafür ist der Grund schnell gefunden: Während der hakelige SNES-Port von einem Lizenznehmer entwickelt wurde, war bei der Mega-Drive-Version Data East selbst am Werk. Der Unterschied ist vom ersten Moment an spürbar. Innerhalb weniger Minuten hat das Prügelspiel mich wieder in seinen Bann gezogen. Ich WAMe und CRASHe, als hätte ich nie was anderes gemacht.

Der ein oder andere mag Brawler wie diesen altmodisch finden. Ich liebe sie immer noch – und diesen ganz besonders. Besonders gut bin ich ehrlich gesagt immer noch nicht. Aber: Ich mache Fortschritte. Den blöden Robokraken hab‘ ich schon mal zu Stahl-Sushi verarbeitet. Vielleicht wird ja doch noch ein Avenger aus mir.

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