Der Online-Shop Turbado wirbt auf seiner Webseite damit, dass „jeder Artikel ein echtes Schnäppchen“ sei. Die Preise sind teilweise tatsächlich recht niedrig, allerdings finden sich im Netz sehr viele negative Nutzer-Bewertungen. Was hat es damit auf sich? Wir haben uns Turbado einmal genau angeschaut.

 

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Woran erkennt man eigentlich Fake-Shops? Schaut euch dazu unser Video an:

So erkennst du Fake Shops

Inzwischen gibt es im Internet zahlreiche Anlaufstellen, um günstige Technik-Schnäppchen zu finden. Ein noch vergleichsweise neuer Online-Händler ist das Berliner Unternehmen Turbado, das Smartphones und andere Gadgets zu Spitzenpreisen verspricht. Der Knackpunkt: Eigentlich verkauft Turbado die Geräte gar nicht, sondern bietet sie nur zur Miete an. Um das zu erkennen, muss man allerdings sehr genau hinschauen.

Turbado-Erfahrungen: Wie seriös ist der Online-Shop?

Wer die Webseite von Turbado besucht, glaubt zunächst, dass man die angebotenen Produkte dort – wie in anderen Shops – kaufen kann. Von einer Miete ist nicht die Rede, stattdessen liest man von einer „unkomplizierten Bestellung“ und „Smartphone-Schnäppchen, wohin man schaut“. Auch wenn man ein Produkt anklickt und in den Warenkorb legt, ist nicht ersichtlich, dass man es in Wahrheit nur mietet.

Bild: Turbado.de.

Hellhörig könnte man werden, weil es auf der Shopseite statt „kaufen“ heißt, dass man die Produkte „kostenpflichtig bestellen“ kann. Der durchschnittliche Nutzer wird das allerdings kaum bemerken, zumal es ja vorher keinen Hinweis auf eine Miete gegeben hat. Etwas genauer wird Turbado dann in dem Bereich „Wir bieten mehr“. Dort steht dann:

Im Gegensatz zu einem normalen Produktkauf bekommen Sie als Kunde bei Turbado eine Dienstleistung mit echtem Mehrwert.

Konkret heißt das: Ihr besitzt die Produkte nicht, sondern seid nur vorübergehender Eigentümer. Anstelle eines Kaufpreises zahlt der Kunde bei Turbado eine Mietsicherheit. Dieser Betrag dient als Sicherheit für die Rückgabe des Produkts und kann von Turbado einbehalten werden, falls das Produkt beschädigt wird oder verloren geht. Dazu kommen hohe Mietzinsen, die sich nach der Höhe des Werts des jeweiligen Gerätes bemessen. Auf der Webseite des Shops heißt es dazu:

Der Mietzins wird grundsätzlich halbjährlich gestaffelt berechnet und beträgt in den ersten sechs Monaten des Mietvertrages 60% des Wertes des gemieteten Produkts, in den zweiten sechs Monaten weitere 20% und in den folgenden 6-Monats-Zeitabschnitten jeweils zusätzlich die Hälfte des vorangegangenen 6-Monats-Zeitabschnitts. Bei einem beispielhaften Wert eines Geräts von 1.000 Euro werden somit für die ersten sechs Monate 600 Euro berechnet, für die darauffolgenden sechs Monate weitere 200 Euro, für die darauffolgenden sechs Monate weitere 100 Euro etc.

Achtung: Turbado bei Amazon

Besondere Vorsicht ist geboten, da Turbado auch als Verkäufer bei Amazon auftritt. So beispielsweise bei iPhones oder anderen Artikeln aus dem Technik-Segment. Verkauf und Versand erfolgen in diesem Fall nicht durch Amazon, sondern durch Turbado.

Turbado als Verkäufer bei Amazon.

Hier sollte man sehr gut aufpassen, da man teilweise schon sehr genau hinschauen muss, um überhaupt zu erkennen, dass Turbado und nicht Amazon sich um den Versand kümmert. Fraglich bleibt zudem, ob es überhaupt rechtlich erlaubt ist, Artikel „zum Verkauf“ einzustellen, die dann aber nur vermietet werden.

Als wir Turbado um Stellungnahme baten, kam nur die schwammige Aussage zurück, dass man „über die eigene Webseite grundsätzlich mehr anbiete als über Drittseiten.“ Zudem gäbe es „eine Reihe von Services, die in der Vergangenheit angeboten wurden, und weitere sind in Planung.“ Eine eindeutige Antwort, ob die Artikel, die man bei Amazon bestellt, gekauft oder gemietet sind, wollte Turbado nicht geben. Man kann das wohl auch als eine Art Antwort sehen – und vor allem als Warnung. Ein seriöser Shop würde schließlich wohl kaum so herumdrucksen.

Was kostet das Mieten bei Turbado?

Als Mehrwert bietet Turbado die unkomplizierte Rücknahme eines Gerätes an, wenn ihr es nicht mehr braucht. Das klingt erstmal nicht schlecht, allerdings hat die Sache einen Haken. Laut Turbado könnt ihr zwar jederzeit kündigen, allerdings wird laut AGB „der vollständige Mietzins bis zum Ende des laufenden Zeitabschnitts berechnet“. Heißt: Wenn euch das Handy nach drei Wochen nicht mehr gefällt, müsst ihr trotzdem den vollen Mietzins für sechs Monate zahlen.

Mietet ihr beispielsweise ein Smartphone für 1000 Euro und schickt es nach ein paar Tagen zurück, weil ihr nicht damit zurecht kommt oder es euch nicht gefällt, bekommt ihr von diesem Betrag nur 400 Euro zurück. Ein Schnäppchen sieht definitiv anders aus.

Mit diesen Tricks könnt ihr auch bei Amazon echte Schnäppchen machen:

Der externe Inhalt kann nicht angezeigt werden.

Verbraucherzentrale prüft Klage gegen Turbado

Inzwischen warnt auch die Verbraucherzentrale vor Turbado. Nach Ansicht der Marktwächter klären die Betreiber der Webseite Verbraucher „nicht transparent genug über das Geschäftsmodell auf“. Zu den beanstandeten Punkten zählen:

  • Die Firma kann Nachzahlungen verlangen, wenn sie den Zustand bei Rückgabe des Geräts als unzureichend empfindet.
  • Der Kunde darf keine eigenen Reparaturen an dem Produkt vornehmen. Außerdem muss er einen Schaden unverzüglich anzeigen.
  • Tut er dies nicht, kann Turbado Schadensersatz verlangen.
  • Auch Verbesserungen oder Veränderungen am Smartphone sind dem Mieter nicht gestattet. Unter das Verbot könnten theoretisch auch Softwareupdates fallen.

Fazit der Verbraucherschützer: Eine bequeme und vor allem sichere Nutzung des Handys sei unter diesen Umständen „kaum mehr möglich“. Aufgrund des „irreführenden Angebots“ von Turbado hat die Verbraucherzentrale den Shop abgemahnt und prüft zudem eine Klage.

Ist der Shop bei dem ihr gerade bestellt seriös oder ein Fake-Shop? Diese 10 Anzeichen verraten es euch:

Turbado-Bewertung: Vorsicht vor diesem Shop!

Auf unsere Nachfrage, warum die Konditionen nicht klar kommuniziert werden, antwortete Turbado, dass immer nur über solche Kunden berichtet würde, die das Geschäftsmodell nicht verstanden hätten. Darüber hinaus gäbe es aber viele zufriedene Kunden. Selbst wenn das der Fall sein sollte, raten wir aber von einem Kauf bei Turbado ab. Mietangebote für Technik-Produkte müssen nicht generell schlecht sein, allerdings sehen wir das ähnlich wie die Verbraucherzentrale: Ein solches Angebot muss auch klar erkennbar sein.

Dass Turbado die Miete nicht deutlich kenntlich macht, hinterlässt einen schlechten Beigeschmack. Wenn das Angebot tatsächlich einen so großen Mehrwert für den Kunden bietet, wieso wird das dann nicht offen kommuniziert? Selbst wenn man über diese fragwürdigen Methoden hinwegsehen sollte, stellt man bei den Preisen aber fest: In vielen Fällen sind sie gar nicht niedriger als bei der Konkurrenz.

Wenn man dann noch bedenkt, dass man einen Mietzins zahlen muss, der recht hoch ausfallen kann, bleibt von dem ursprünglich versprochenen „Smartphone-Schnäppchen“ nicht mehr viel übrig. Sucht euch daher lieber einen anderen Shop aus, der transparenter auftritt und die Vertragsbedingungen nicht in den AGB versteckt.

Was haltet ihr von Online-Shopping?

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