Kanzlei Schmidt Berlin: Vorsicht vor falscher Abmahnung!

Selim Baykara

Eine Kanzlei Schmidt aus Berlin verschickt derzeit massenhaft Abmahnungen per Fax - dem Empfänger wird darin vorgeworfen eine Urheberrechtsverletzung begangen zu haben. Um eine Gerichtsverhandlung abzuwenden, fordern die Anwälte daher zur Zahlung einer hohen Vergleichssumme auf. Das solltet ihr auf keinen Fall machen - bei dem Schreiben  handelt es sich um eine neue Phishing-Masche.

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Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet.

Phishing ist im Internet ein gängiges Thema - fast jede Woche tauchen neue Fälle auf, in denen Betrüger Mails verschicken und versuchen ahnungslose Opfer übers Ohr zu hauen. Im Unterschied zu den meist online durchgeführten Betrugsversuchen verschickt derzeit eine angebliche Kanzlei Schmidt aus Berlin massenhaft Abmahnungen per Fax. In den geschickt gemachten Schreiben geht es um die Erpressung von hohen Geldsummen.

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Phishing: Die fiesesten Tricks der Betrüger

Kanzlei Schmidt Berlin: Abmahnung per Fax wegen illegaler Filme

Das Schreiben der Kanzlei Schmidt wird derzeit bundesweit verschickt - der Inhalt ist im Grunde immer identisch, lediglich die Uhrzeit und das Datum des Absenders variiert von Fax zu Fax. In dem Schreiben wird der Empfänger dazu aufgefordert eine Vergleichssumme von 950 Euro im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung zu zahlen. Andernfalls drohe eine Verhandlung, wegen des unerlaubten Herunterladens von „erotischem“ Filmmaterial.

  • Konkret geht es um den Film Girl  and Girl Pee Marigold and Christiana, den man sich angeblich per Bittorrent besorgt und damit auch weiterverbreitet habe.
  • Aufgrund des unerlaubten File-Sharings müsse man nun besagte Summe bezahlen, andernfalls komme es zur Anklage.
  • Die Anwälte vertreten dabei angeblich eine Firma namens „Abbywinter“ aus Amsterdam.

So sieht das Schreiben aus, das die Kanzlei Schmidt derzeit verschickt:

Kanzlei Schmidt Berlin Schreiben

Abmahnungen wegen File-Sharing waren in den vergangenen Jahren tatsächlich immer wieder ein Thema - daher wirkt das Schreiben zunächst auch nicht völlig unglaubwürdig, zumal die Täuschung relativ geschickt aufgemacht ist: Die Kanzlei sitzt angeblich am Kurfürstendamm und hat sogar einen eigenen Internet-Auftritt als Fachkanzlei für Urheber- und Wettbewerbsrecht. Falls ihr das Schreiben bekommt, solltet ihr dennoch keinesfalls darauf eingehen. Wir zeigen euch, wie ihr euch am besten verhaltet.

Kanzlei Schmidt aus Berlin: Abmahung ignorieren

Tatsächlich gibt es keine Kanzlei Schmidt in Berlin -an der angegeben Adresse am Kurfürstendamm sitzt in Wirklichkeit eine Filiale der Geschäftsbank HSBC. Auch die Telefonnummern und die E-Mail-Adresse sind gefälscht - wer versucht anzurufen, landet direkt auf dem Anrufbeantworter. Witzigerweise ist sogar das Porträtfoto des angeblichen Jörg Schmidt geklaut: Es handelt sich hierbei um ein Standardfoto aus einer Bilddatenbank. Inzwischen warnt  auch die Rechtsanwaltskammer Berlin vor der Kanzlei Schmidt  - keine der im Briefkop erwähnten Personen ist demnach als Rechtsanwalt zugelassen.

Falls ihr ein Schreiben von der Kanzlei Schmidt erhalten habt, solltet ihr euch wie folgt verhalten:

  • Ignoriert die Abmahnung und kommt keinesfalls der Aufforderung zur Zahlung nach.
  • Wendet euch direkt an die Staatsanwaltschaft Berlin und meldet den Fall.
  • Warnt eure Bekannten und Freunde vor dem Betrug und teilt unseren Beitrag auf Facebook, Twitter und Co., damit möglichst alle Leute erfahren, dass es sich hierbei um einen Phishing-Versuch handelt.

Phishing Artikelbild

So schützt ihr euch vor Phishing und Betrug im Internet

Phishing ist ein häufiges Problem im Internet - seltener sind Fälle wie die Kanzlei Schmidt, die ihre Schreiben per Fax und nicht per E-Mail wie sonst üblich verschickt. Dennoch ähnelt das Schreiben in vielerlei Hinsicht typischen Phishing-Versuchen:

  • Der Empfänger wird wegen eines Vergehens oder eines Versäumnisses beschuldigt, das im ersten Moment schwer nachzuprüfen ist und zunächst plausibel wirkt.
  • Um die Strafe abzuwenden, müsse man eine bestimmte Geldsumme zahlen.
  • Mit einer knappen Frist wird zusätzlicher Druck aufgebaut.
  • Phishing erkennt ihr in vielen Fällen daran, dass ihr nicht mit eurem richtigen Namen angesprochen werdet, sondern einer Standard-Anrede.
  • Das Gegenteil beweist allerdings nicht, dass es sich hierbei nicht um Phishing handelt.
  • Generell solltet ihr niemals ungeprüft irgendwelchen Forderungen nachkommen.
  • Auf GIGA informieren wir euch ebenfalls regelmäßig über aktuelle Hoaxes und Betrugsversuche.

Lest bei uns auch, was sich hinter dem Begriff Scamming verbirgt.

 Bildquelle: Freewave/Facebook, GlebStock

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