Arbeitszeugnis: Codes entschlüsseln

Martin Maciej

Wird ein Arbeitsverhältnis beendet, erhält man in der Regel ein Arbeitszeugnis als Nachweis über die erbrachten Tätigkeiten. Nicht jede Formulierung muss dabei exakt das ausdrücken, was wortwörtlich auf dem Papier geschrieben steht. Seit jeher tummelt sich die Urban-Legend, nach welcher bestimmte Formulierungen in einem Arbeitszeugnis codiert verwendet werden. Der Code soll die eigentliche Bedeutung der Aussage verschlüsseln.

Arbeitszeugnis: Codes entschlüsseln

Laut Gewerbeordnung ist dabei vorgeschrieben, dass die Aussagen im Zeugnis der Wahrheit entsprechend und die Aussagen gleichzeitig wohlwollend formuliert sind. Offene Kritik ist nicht erlaubt, weshalb auf den Code im Arbeitszeugnis zurückgegriffen wird, nach welchem kritische Behauptungen in positive Formulierungen versteckt werden.

§109 Gewerbeordnung:

(1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

(2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

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Arbeitszeugnis: Codes in Formulierungen

In den vergangenen Jahren hat sich aus den Sätzen, die positiv formuliert sind und gleichzeitig eine negative Bedeutung tragen, ein Geheimcode heraus entwickelt. Unter bestimmten Gesichtspunkten können niedergeschriebene, positive Aussagen in Arbeitszeugnis nicht selten das genaue Gegenteil bedeuten. Will man die Formulierungen nach dem Arbeitszeugnis-Code verstehen, sollte man stets die Doppeldeutigkeit von Formulierungen im Hinterkopf behalten. In Arbeitszeugnissen steckt oft kein schlechtes Wort, obwohl über die entsprechende Person viel Negatives ausgedrückt wurde.

  • Klassisches Beispiel für den Arbeitszeugnis-Code ist eine Formulierung wie „Herr S. war stets bemüht, pünktlich zu sein.“ Aus dieser positiven Formulierung lässt sich lesen, dass zwar der Wille da war, pünktlich am Platz zu sein, dies jedoch regelmäßig gerade nicht der Fall war.

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Weitere Beispiele:

  • „Herr  S. zeigt ein gesundes Selbstvertrauen.“: Der Mitarbeiter hielt sich mit frechen Bemerkungen nicht zurück.
  • „Herr S. hat unserem Unternehmen großes Interesse entgegengebracht.“: Interesse spiegelt sich nicht in Leistung wieder.
  • „Herr S. hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.“: Ein hilfreicher Mitarbeiter war er derweil nicht.
  • „Herr S. trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Arbeitsklimas bei.“: Der Mitarbeiter fiel häufiger durch übermäßigen Alkoholgenuss auf.
  • „Herr S. war bei Kunden sehr beliebt.“: Der Mitarbeiter ließ sich bei Verhandlungen übers Ohr hauen oder handelte nicht im Interesse des Unternehmens.

Arbeitszeugnis: Codes und ihre Übersetzung

Natürlich lassen sich bestimmte Formulierungen nicht verallgemeinern. Häufig werden in typischen Arbeitszeugnissen auch Leistungen in Schulnoten codiert:

Nachfolgend findet ihr eine Übersetzung der codierten Benotung in Verbindung mit einer Handlung, die den Mitarbeiter betrifft:

  • Note 1: …stets zur vollsten Zufriedenheit.
  • Note 2: …zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit.
  • Note 3: …zur vollen Zufriedenheit.
  • Note 4: …zur Zufriedenheit.
  • Note 5: …im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.
  • Note 6: …Er/Sie hat sich bemüht.

Eine ausführliche Aufschlüsselung der Codes in Zeugnissen findet ihr bei Karriebibel.de. Arbeitszeugnis.de hat zudem eine Aufschlüsselung als PDF-Datei zum Download.

Bei uns erfahrt ihr auch, was man tun kann, wenn man seine Geburtsurkunde verloren hat.

Bildquellen: www.BillionPhotos.comGajus

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