Blaue Plakette in Umweltzone: Was heißt das? Leicht erklärt

Selim Baykara 5

Die sogenannte „Blaue Plakette“ soll nach dem Willen der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks noch 2016 eingeführt werden und den Stickoxid-Ausstoß von Kraftfahrzeugen in deutschen Innenstädten reduzieren. Was heißt das konkret für Autofahrer? Und welche Fahrzeuge sind von der blauen Plakette betroffen. In diesem Ratgeber beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Die blaue Plakette soll zusätzlich zur grünen Plakette für saubere Luft in deutschen Städten sorgen.

In vielen deutschen Innenstädten herrscht trotz der Umweltzonen immer noch dicke Luft: 2008 wurde die „grüne Plakette“ in zahlreichen Gemeinden und Städten in Deutschland eingeführt um die Schadstoff-Belastung zu senken: Der Stickstoff-Ausstoß von Kraftfahrzeugen ist Experten zufolge aber weiterhin zu hoch und überschreitet zudem die von der europäischen Union (EU) geforderten Grenzwerte teilweise deutlich. Um die Luftqualität zu verbessern,  ist daher jetzt eine weitere Umwelt-Plakette im Gespräch - die blaue Plakette.

Zum Thema: Blaue Plakette - die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Die blaue Plakette ist eine geplante zusätzliche Kennzeichnung von Autos mit geringem Stickstoffoxid-Ausstoß.
  • Autos ohne blaue Plakette soll die Einfahrt in besonders gekennzeichnete Umweltzonen untersagt werden.
  • Mit der blauen Plakette soll die Schadstoffbelastung in deutschen Innenstädten reduziert werden.
  • Ein weiterer Effekt, den sich Politiker und Umweltschützer erhoffen: Mit der blauen Plakette soll der Verkauf von umweltfreundlichen Elektro-Autos angekurbelt und gefördert werden.
  • Die blaue Plakette soll noch 2016 kommen - derzeit formiert sich in Deutschland aber breiter Widerstand gegen die geplante Maßnahme: Sowohl von Politikern, der Autoindustrie und dem autofahrenden Teil der Bevölkerung.
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Blaue Plakette in Deutschland: Das soll sich ändern

Experten streiten seit langem, ob die Einführung der Umweltzonen wirklich den gewünschten Effekt gehabt haben und ob die grüne Plakette dazu beigetragen hat, die Feinstaub-Belastung in deutschen Innenstädten zu senken. Fakt ist aber: Der Stickstoffoxidgehalt in der der Luft ist nach wie vor zu hoch. Um die Luftqualität zu verbessern und mögliche Bußgelder der EU zu vermeiden, planen Politiker daher jetzt eine weitere Umwelt-Plakette: Die blaue Umweltplakette soll in Zukunft Autos kennzeichnen, die einen geringen Stickstoffoxidausstoß haben - allen anderen Fahrzeugen (ohne die Plakette) soll die Einfahrt in die Umweltzonen untersagt werden.

Blaue Plakette: Kosten bei Missachtung der Vorgaben

Fahrt ihr ohne blaue Plakette (oder eine spezielle Ausnahmegenehmigung) in einen als Umweltzone markierten Bereich, müsst ihr ein Bußgeld in Höhe von 80 Euro als Strafe zahlen. Einziger Lichtblick: Obwohl es sich hierbei um eine Ordnungswidrigkeit handelt, soll bei einem Verstoß keinen Punkte in der Flensburger Kartei geben.

Diese Fahrzeuge sind von der blauen Plakette betroffen

Das Fahrverbot aufgrund der blauen Plakette betrifft vor allem Dieselfahrzeuge, was wohl auch im Sinne der Erfinder ist: Diesel-Autos werden schon seit langem für eine erhöhte Luftverschmutzung verantwortlich gemacht. Die blaue Plakette (und damit die Genehmigung zum Fahren in den Umweltzonen) sollen folgende Fahrzeuge erhalten:

  • Dieselfahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6
  • Elektro-Autos mit der Abgasnorm Euro 3
  • Benzinfahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 3

Ergebnis: Wenn die blaue Plakette eingeführt wird, dürfen Dieselfahrzeuge mit der Euro 4 oder der Euro 5-Norm nicht mehr in den Umweltzonen, d.h. auf bestimmten Straßen oder durch bestimmte Innenstädte fahren. Außerhalb von Umweltzonen dürfen Autofahrer aber weiterhin mit den abgasfördernden Autos fahren.

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Wann kommt die blaue Plakette?

Die blaue Plakette wurde bereits 2015 diskutiert - geht es nach dem Willen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) soll die neue Plakette noch dieses Jahr kommen. Wann genau, ist im Moment allerdings noch unklar: Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe fordern schon seit Jahren eine zusätzliche blaue Plakette - die Kommunen und Städte sollen aber freiwillig entscheiden können, ob sie diese neue Verordnung einführen. Einige Bundesländer haben bereits signalisiert, dass die blaue Plakette in ihren Großstädten gelten wird. So hat sich etwa Baden-Württemberg das Ziel gesetzt, dass bis 2019 80 Prozent aller Autos den Anforderungen der blauen Plakette genügen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendrick verteidigt trotz heftiger Kritik die blaue Plakette.

Nicht nur in der Politik wird das Thema derzeit heiß diskutiert. Widerstand kommt im Moment selbst aus den eigenen Reihen der Bundesumweltministerin , obwohl sie ihren Vorschlag unlängst vehement in der NRZ verteidigte. Im Gespräch mit der Bildzeitung sagte der SPD-Fraktionsvize und Verkehrsexperte Sören Bartol, der Vorschlag gehe „völlig an der Realität vorbei“. Anstatt um die Einführung einer weiteren Plakette, „sollte man sich um alte Busse und Taxen und rauchende Holzkamine in den Innenstädten kümmern“ so der Experte. Hier könnten Elektromobilität und der Einbau von Filtern mehr helfen als die blaue Plakette.

Auch in der Autoindustrie sieht man den Vorstoß von Hendricks äußerst kritisch. „Die Idee muss so rasch wie möglich vom Tisch“ forderte etwa Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie. Die blaue Plakette „würde für gut 13 Millionen Autofahrer in Deutschland faktisch ein Fahrverbot für Innenstädte bedeuten“. Seinen Angaben zufolge wären das etwa neun von zehn Diesel-Pkw. Dazu kämen wirtschaftliche Nachteile und eine Schädigung der deutschen Autoindustrie: Euro-5-Diesel, die bis August 2015 neu zugelassen wurden, würden laut Wissman „massiv an Wert verlieren“. Den Besitzern fehle dann das Geld für die Neuanschaffung von modernen Euro-6-Diesel-Pkw. „Das würde den Markt und die Konjunktur massiv beschädigen“.

Lest bei uns auch, welche Fahrzeuge vom VW-Abgas-Skandal betroffen sind.

 Bildquelle Artikelbild: Shutterstock

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