Boxschaden: Erfahrungen und Bewertung – Ist der Shop seriös?

Selim Baykara 2

Wer in der Vorweihnachtszeit auf Schnäppchenjagd im Netz geht, findet in den Suchergebnissen seit einiger Zeit einen Online-Shop namens „Boxschaden“. Hauptmerkmal sind die günstigen Preise, die teils deutlich unter denen der Konkurrenz liegen. Genau das ist natürlich verdächtig. Viele Verbraucher fragen sich daher: Geht es bei Boxschaden mit rechten Dingen zu? Und ist der Shop wirklich seriös? Wir haben uns die Webseite einmal genau angeschaut.

Im Video erklären wir, woran ihr Fake-Shops erkennt:

So erkennst du Fake Shops.

Fake-Shops, also Läden, die gezielt Verbraucher abzocken, sind im Netz leider zunehmend ein Problem. Eine professionell aussehende Webseite zu erstellen ist heutzutage nicht schwer und mit ein wenig Marketing-Budget kann man sich einfach in die Suchergebnisse von Google einkaufen. Zuletzt gingen zahlreiche Nutzer auf diese Weise dem betrügerischen Online-Shop KKG Technik auf den Leim – das war aber nur das jüngste Beispiel aus einer langen Reihe von ähnlichen Fällen. Wenn ein neuer Shop wie jetzt Boxschaden.de aus dem Nichts auftaucht, sind wir daher inzwischen sehr vorsichtig.

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Boxschaden.de – Erfahrungen: Ist der Shop seriös?

Boxschaden ist ein vergleichsweise neuer Shop, der erst seit Kurzem in den Suchergebnissen von Google angezeigt wird. Auffällig ist zunächst, dass die Shop-Seiten von Boxschaden ausschließlich als Anzeige in Google landen. Ein Indiz dafür, dass man sich gezielt in die Suchergebnisse eingekauft hat und dort nicht auf natürliche Weise gelistet wird, wie etwa Amazon oder andere bekannte Händler. Allein ist das natürlich kein Ausschluss-Kriterium, da auch seriöse Webseiten Anzeigen schalten, um Reichweite in Google zu bekommen.

Für die potentiellen Kunden vermutlich spannender: Warum sind die Produkte bei Boxschaden eigentlich so günstig? Die Begründung des Shops fanden wir nicht ganz schlüssig. Alle Produkte seien voll funktionsfähige Neuware. Der gute Preis komme zustande, weil das Unternehmen Artikel einkaufe, „deren Außenverpackung bei der Produktion oder Transport beschädigt wurde.“ Die originale Verpackung würde dann von Boxschaden mit einer neutralen Verpackung ausgetauscht.

Das klingt erst einmal nachvollziehbar, erklärt allerdings den massiven Preisunterschied nicht ausreichend. Eine Nintendo-Switch-Konsole für 239 statt 319 Euro – also fast 100 Euro billiger, nur weil die Verpackung beschädigt ist? Das finden wir nicht sehr glaubwürdig. Bei anderen Produkten sieht es ähnlich aus. Die Preise sind deutlich niedriger als bei der Konkurrenz, allerdings auch nicht so niedrig, dass man sofort misstrauisch wird.

Wie sieht es mit dem Kundenservice von Boxschaden aus?

Boxschaden bietet auf der Webseite eine Servicenummer an, unter der man den Shop anrufen kann. Leider erreichten wir trotz wiederholter Versuche niemanden in der Hotline. Egal ob man vormittags um halb Elf oder spätabends anruft: Außer einer automatischen Bandansage, dass alle Leitungen überlastet sind und man das Online-Formular nutzen soll, bekommt man nichts zu hören. Man könnte das natürlich als Zeichen dafür ansehen, dass das Geschäft extrem gut läuft. Wir vermuten allerdings eher, dass Methode dahintersteckt und man die Kunden gezielt hinhält.

Lest zum Vergleich unsere Erfahrungsberichte zu anderen Online-Shops:

Wer steckt hinter Boxschaden.de?

Immerhin hat der Webshop von Boxschaden ein Impressum. Dort wird behauptet, dass die Firma all IR: Modules & more GmbH hinter der Webseite steht. Dieses Unternehmen gibt es wirklich, es hat auch einen offiziellen Eintrag im Handelsregister. Die Firma ist demnach auf den „Handel mit mechanischen und elektrischen Komponenten und Waren, Zubehör im Bereich industrieller Anlagen und Maschinen, weltweit, über elektronische Plattformen, insbesondere das Internet“ spezialisiert.

Problem an der Sache: Die all IR: Modules & More GmbH ist selbst einem Betrug aufgesessen. Wie uns der Geschäftsführer Günter Laukhardt mitteilte, wurden die Daten einfach geklaut und fälschlicherweise ins Impressum von Boxschaden eingefügt. Der angebliche Online-Shop hat damit also Identitätsdiebstahl begangen und sich dafür ein Unternehmen herausgesucht, das selbst erst relativ neu am Markt ist.  Die IR: Modules & more GmbH wurde erst im November 2017 registriert. Laut der Internet-Registrierungsstelle Denic wurde auch die Domain Boxschaden.de ungefähr zu diesem Zeitpunkt das letzte Mal aktualisiert.

Bei der Denic lässt sich auch nachvollziehen, dass der tatsächlich existierende Händler nichts mit Boxschaden zu tun hat. Von der IR: Modules & more GmbH ist hier überhaupt nicht die Rede. Stattdessen wird ein Herr Marco Weiss als Ansprechpartner genannt, der angeblich in der Sonnenallee 46 in Augsburg sitzt. Diese Adresse existiert aber gar nicht. Es gibt nur eine Sonnenstraße und die hat auch eine andere Postleitzahl als bei der Denic angegeben.

Bezahlungsarten im Online-Shop

Boxschaden bietet eine Bezahlung per Kreditkarte, SEPA-Einzug oder Vorkasse an. PayPal steht nicht zur Verfügung – ihr könnt im Zweifelsfall also nicht den sehr verlässlichen Käuferschutz von PayPal nutzen. Der eigentliche Haken ist aber, dass Neukunden nicht per SEPA-Einzug zahlen können. Diese Methode steht erst ab dem zweiten Einkauf zur Verfügung. Neukunden werden also gezielt dazu animiert per Vorkasse zu bezahlen, sprich: Das Geld zu überweisen und dann darauf zu vertrauen, dass der Shop liefert.

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Boxschaden: Bewertung und Fazit – Nicht in diesem Shop bestellen

Unser Fazit zu Boxschaden ist relativ eindeutig: Lasst die Finger von diesem Fake-Shop und sucht euch einen vertrauenswürdigen Online-Händler. Konkret bemängeln wir die folgenden Punkte:

  • Die Erklärung für die niedrigen Preise ist nicht wirklich einleuchtend.
  • Das Impressum ist von einem anderen Unternehmen  gestohlen.
  • Potentiellen Kunden werden keinerlei Sicherheiten geboten.
  • Eine Zertifizierung von externen Dienstleistern wie Trustedshops ist nicht vorhanden.

Selbst ohne den Identitätsdiebstahl würde Boxschaden nicht gerade vertrauenswürdig wirken. Der offensichtliche Gesetzesverstoß lässt allerdings nur wenig Zweifel zu, dass hier tatsächlich kriminelle Energie im Spiel ist. Die Masche ist genau die gleiche, die man auch von anderen Fake-Shops kennt: Kunden werden zunächst durch die niedrigen Preise angelockt und durch den professionell wirkenden Webauftritt in Sicherheit gewiegt. Da man die Artikel per Vorkasse bezahlt, hat man nach der Überweisung aber keinerlei Sicherheit. Eine Lieferung findet also nie statt.

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Ist es für euch in Ordnung, wenn das Smartphone-Display ein wenig verkratzt ist oder schon ein paar Gebrauchsspuren auf der Rückseite hat? Oder muss ein Artikel beim Kauf wirklich komplett neu sein?

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