Der Heimlich Griff ist aus vielen Hollywood-Blockbustern bekannt. Es handelt sich um eine Erste-Hilfe-Maßnahme, wenn Speisereste verschluckt wurden und jemand zu ersticken droht. Wenn ein Fremdkörper die Atemwege verschließt, kann das Gehirn nur ca. 3-5 Minuten ohne Sauerstoff auskommen. Hierbei wird der Heimlich-Handgriff als lebensrettende Sofortmaßnahme angewandt. Wie und wann ihr das Heimlich-Manöver nutzen solltet, lest ihr nachfolgend in unserem Ratgeber.

Was ist der Heimlich-Griff?

  • Wurde vom Arzt Henry J. Heimlich entwickelt und 1974 erstmals beschrieben.
  • Aufgrund der möglichen Verletzungen die der Handgriff verursachen kann, war das Heimlich-Manöver umstritten. Seit 2010 wird es wieder empfohlen.
  • Er wird bei Verschlucken angewandt, wenn Husten nicht geholfen hat und der Patient zu ersticken droht. Hierbei sollten ausgebildete Notärzte oder Ersthelfer das Heimlich-Manöver ausführen.
  • Schlagt zunächst zwischen die Schulterblätter um anschließend den Bauchraum (Abdomen) zusammenzudrücken. Der hierbei angewandte Handgriff heißt Heimlich-Manöver. Prüft, ob der Fremdkörper durch den Überdruck herausgesogen wurde. Wenn nicht, wiederholt das Heimlich-Manöver bis zu fünf Mal.

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Heimlich-Manöver - so geht’s

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Ihr wendet den Heimlich-Handgriff wie folgt bei Erwachsenen an:

  1. Stellt euch hinter den Patienten und umfasst seinen Oberbauch. Eine eurer Hände liegt als Faust unter seinen Rippen. Positioniert sie zwischen Nabel und Brustbeinende direkt mittig unter dem Rippenbogen. Die andere Hand umfasst sie.
  2. Zieht die Hände nun ruckartig gerade nach hinten zu euch (Richtung Bauchdecke des Patienten). So erhöht sich der Druck in der Lunge und der Fremdkörper soll herausbefördert werden.
  3. Führt diesen Heimlich-Griff bis zu fünf Mal durch, bis sich der Fremdkörper gelöst hat.

 

Seid ihr allein und habt euch so stark verschluckt, dass ihr keine Luft mehr bekommt und das Heimlich-Manöver bei euch selbst anwenden müsst, nehmt einen Stuhl zuhilfe. Auch hier formen am besten beide Hände Fäuste, die direkt unter dem Brustbein liegen. Lasst euch auf die Stuhllehne fallen, damit genug Druck aufgebaut werden kann.

Maßnahmen bei Säuglingen

  1. Säuglinge, die älter als 1 Jahr sind, werden in Bauchlage mit dem Kopf nach unten gehalten (am besten auf dem Unterarm an den Schoß oder Oberschenkel gelehnt). Stützt den Kopf mit dem Daumen und ein bis zwei Fingern derselben Hand. Diese umfassen den Unterkiefer. Übt keinen Druck auf die Gewebe unterhalb des Kinns aus, damit eine freie Atmung ermöglicht werden kann.
  2. Jetzt klopft mit der flachen Hand fünf Mal zwischen die Schulterblätter.

Hat das nicht geholfen, könnt ihr das Heimlich-Manöver auch beim Säugling anwenden.

  1. Legt ihn in Rückenlage auf euren Schoß oder Oberschenkel.
  2. Drückt mit zwei Fingern fünf Mal auf die Brust des Säuglings unterhalb des Brustbeins. Dabei solltet ihr ca. 1/3 der Brustbeinhöhe eindrücken.

Diese beiden Methoden könnt ihr wechseln und mehrmals wiederholen, wenn es beim ersten Mal noch nicht erfolgreich war.

Der Patient muss anschließend zur Untersuchung ins Krankenhaus um eventuelle Verletzungen zu diagnostizieren und zu behandeln.

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Risiken des Heimlich-Manövers

Das lebensrettende Heimlich-Manöver birgt allerdings auch einige Gefahren und sollte daher nur bei akuter Erstickungsgefahr angewandt werden, wenn der Fremdkörper sich durch Husten partout nicht lösen möchte. Die folgenden Risiken gibt es beim Heimlich-Griff:

  • innere Verletzungen verschiedener Organe (Leberriss, Milzriss, Aufplatzen der Hauptschlagader)
  • Rippenbrüche

Wann solltet ihr den Heimlich-Griff anwenden?

Droht jemand zu ersticken, weil bei ihm beispielsweise Speisereste in der Luftröhre festhängen, wird das Heimlich-Manöver angewandt. Hierbei sollte nach Möglichkeit der Ersthelfer im Unternehmen Hand anlegen. Verzichtet auf den Heimlich-Griff bei:

  • Säuglingen unter einem Lebensjahr (hier zwei Finger nutzen, um den Brustkorb zu komprimieren).
  • Bewusstlosigkeit (hier Herz-Lungen-Wiederbelebung anwenden).
  • Wasser in der Lunge (Ertrinken).
  • Gräten. Überdruck wird sie nicht aus den Atemwegen befördern, da sie diese nicht komplett verschließen.

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Ähnliche Maßnahmen bei Erstickungsgefahr

Ähnlich wie beim Heimlich-Griff geht es beim Esmarch-Handgriff darum, die Atemwege freizumachen. Der Patient liegt dabei und eine zweite Person hebt den Unterkiefer an und zieht ihn nach vorn, sodass der Mund geöffnet wird.

Fälschlicherweise liest man häufig vom Luftröhrenschnitt in Zusammenhang mit Erstickungsgefahr. Der Luftröhrenschnitt (die sogenannte Tracheotomie) wird angewandt, wenn Patienten über längere Zeit beatmet werden müssen. Hierbei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff beispielsweise bei einem Schädel-Basis-Bruch. Diese Maßnahme ist KEINE Erste-Hilfe-Maßnahme.

Im folgeden Video wird gezeigt, wie ihr bei einem Erstickungsanfall helfen könnt.

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