Onlinesucht: Testet hier, ob ihr internetabhängig seid

Selim Baykara 4

Onlinesucht ist neuesten Untersuchungen zufolge in Deutschland auf dem Vormarsch. Während immer weniger Menschen rauchen und trinken, sind scheinbar vor allem immer mehr Jugendliche vom Internet abhängig – zur Gamescom 2016 wurde jetzt sogar eine Online-Ambulanz vorgestellt, in der sich vermeintlich Internetsüchtige testen können. Aber was heißt Onlinesucht eigentlich genau? Und woran erkennt man, ob man ein „normaler“ Internet-User ist, oder sich wegen einer drohenden Abhängigkeit Gedanken machen sollte? In diesem Ratgeber findet ihr die Antworten.

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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler stellte im Juni 2016 ihren Jahresbericht vor – mit durchaus zwiespältigen Ergebnissen. Während dem aktuellem Drogen- und Suchtbericht zufolge, der Konsum von Alkohol und Tabakprodukten stetig abnimmt, diagnostizierte die Drogenbeauftragte etwa eine halbe Million onlinesüchtige Menschen. Demnach seien etwa 0,8 Prozent der Männer und 1,2 Prozent der Frauen vom Internet abhängig. Besonders bedenklich: Gerade Jugendliche sind häufiger von der Onlinesucht betroffen. In der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen würden vier Prozent Anzeichen einer Internetabhängigkeit aufweisen.

Online-Sucht: Ambulanz für Anhängige zur Gamescom 2016

Auch einige Monate später bleibt das Thema aktuell: Zum Auftakt der diesjährigen Videospiel-Messe Gamescom in Köln ist jetzt ein neues Online-Angebot für Internetsüchtige gestartet. Der Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige (OASIS) richtet sich eigenen Angaben zufolge „an Betroffene, die unter einer problematischen Internetnutzung leiden sowie an Angehörige, die hiervon betroffene Personen in ihrem näheren Umfeld haben.“

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Das Projekt geht auf eine Initiative der Uniklinik Bochum zurück und will Hilfestellung und Beratung bei süchtigem Verhalten liefern. Die Online-Ambulanz spricht Nutzer von verschiedensten Netzinhalten an und berät sowohl Betroffene selbst als auch deren Angehörige. Wer den Verdacht hat, übermäßig Computerspiele, soziale Netzwerke oder Internet-Pornografie zu nutzen, kann in einem kurzen Selbsttest sein Verhalten prüfen – im September soll dann ein weiterführendes Beratungsangebot mit Webcam und Videochat folgen.

„Unser Ziel ist es, die Betroffenen dort abzuholen, wo die Sucht ihren Ursprung hat. Denn viele finden auf herkömmlichen Wegen nicht in das Hilfesystem“, so Projektleiter Bert te Wildt von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum. Die Uni arbeitet dazu mit dem Bundesgesundheitsministerium und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zusammen, die die Online-Ambulanz unterstützen.

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Onlinesucht – Was ist das überhaupt? Definition, Ursachen, Statistiken

Viele Internet-Nutzer fragen sich dennoch: Was heißt Onlinesucht eigentlich genau? Eine verbindliche Definition des Begriffs fehlt. Im Allgemeinen wird darunter aber eine übermäßige Internetnutzung verstanden, die auch gesundheitliche, d.h. sowohl körperliche als auch seelische Schäden, verursachen kann.  Im englischen Sprachraum finden sich verwandte Begriffe wie Internet Addiction Disorder oder pathological internet use bzw. compulsive internet use, also pathologische oder zwanghafte Internetnutzung. Bei der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es derzeit keine Diagnoserichtlinien, d.h. Empfehlungen wie man die Onlinesucht bekämpfen sollte. Immerhin wurden aber verschiedene Problembereiche identifiziert, in denen die Internetabhängigkeit in der Regel auftritt.

  • Computerspiele, vor allem kompetitive Online-Spiele und MMOs
  • Sexuelle Inhalte, also die übermäßige Nutzung von entsprechenden Webseiten und Angeboten
  • Schriftliche Kommunikation mit Messengern wie Snapchat und WhatsApp und die Nutzung von sozialen Medien wie Facebook

Untersuchungen zufolge, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden, nutzen in Deutschland etwa 4,6% aller Personen täglich 4 Stunden Online-Inhalte- dies sei problematisch und würde etwa dem Anteil der regelmäßigen Cannabis-Konsumenten an der deutschen Gesamtbevölkerung entsprechen. Insgesamt seien Männer etwas stärker von der Onlinesucht betroffen – Frauen würden demnach hauptsächlich soziale Netzwerke nutzen, Männern hingegen zu Online-Spielen tendieren. Bleibt die Frage: Woran erkennt man, ob man onlinesüchtig ist. Hat das nur etwas mit der online verbrachten Zeit zu tun, oder spielen da noch andere Faktoren eine Rolle?

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Onlinesucht erkennen und behandeln: Wer ist gefährdet?

Alle die oben genannten Bereiche werden natürlich auch von „normalen“ Leuten genutzt: So gut wie jeder hat heute ein Smartphone mit WhatsApp, bei Facebook muss man sich eher rechtfertigen, wenn man keinen Account hat und Videospiele – gerade auch immersive Open-World-Spiele in denen man sich leicht verlieren kann – sind schon seit langem absoluter Mainstream. Was unterscheidet also den onlinesüchtigen Nutzer vom Otto-Normal-Verbraucher? Aufgrund der fehlenden verbindlichen Definitionen fällt es der Wissenschaft teilweise etwas schwer hier Kriterien festzulegen – im Allgemeinen werden aber die folgenden gestörten Verhaltensweisen als Anzeichen von Onlinesucht gesehen:

  • Vernachlässigung üblicher Lebensgewohnheiten und bisher gepflegter sozialer Kontakte
  • Vernachlässigung der körperlichen Hygiene oder der persönlichen Nahrungsaufnahme
  • Verheimlichen der exzessiven Internetnutzung
  • Verlagerung aller Kontakte in die virtuelle Ersatz-Realität
  • Entzugserscheinungen, Nervosität und Stimmungsschwankungen, wenn das Verlangen nach dem Internet nicht befriedigt werden kann

Als besonders gefährdet gelten nach heutigem Wissensstand vor allem sensible, einzelgängerische oder auch depressive Menschen. Wenn Bedürfnisse nicht zufriedenstellend in der echten Welt ausgelebt werden können, findet eine Realitätsflucht statt. Tägliche Aufgaben, andere Menschen und gesellschaftliche Anforderungen und Herausforderungen werden zunehmend vernachlässigt –  stattdessen zieht sich der Onlinesüchtige in virtuelle Welten zurück. In MMOs kann er dabei z.B. Ersatzerfolge feiern, die ihm in der Realität verwehrt bleiben, vor allem wenn er sich dabei in einer großen Gruppe befindet, die ihn bestätigt.

Onlinesucht Jugendliche

Fraglich bleibt, wie der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung genau aussieht. Ist das Internet für diese Suchterscheinungen verantwortlich, oder ist die Onlinesucht bloß ein Symptom? Nach dieser zweiten Lesart wäre die Veranlagung zum gestörten Verhalten bereits vorher vorhanden – das Internet würde das dann nur noch sichtbar machen. Ohne Internet würde sich die Sucht einfach in einem anderen zwanghaften Verhalten äußern, z.B. Glücksspiel-Sucht oder Drogen-Sucht.

Dazu kommt, dass man das Experimentieren mit virtuellen Welten nicht zwangsweise negativ interpretieren muss. Einige Beobachter weisen darauf hin, dass Jugendliche damit neue Möglichkeiten haben, ihre eigenen Grenzen auszuloten. Virtuelle Erfolge ließen sich teilweise in die „echte“ Welt herüberretten, außerdem gibt es inzwischen zahlreiche Wissenschaftler, die Realitätsflucht (im richtigen Maß) nicht für schädlich, sondern hilfreich halten.

Bildquellen: OASIS, Positive couple burring with tablets in bedroom interior. Focus on man und Happy teenage males and girls relaxing with mobile phones outdoor via Shutterstock

Ursprünglicher Artikel vom 09.06. 2016, zuletzt aktualisiert am 18.08. 2016

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