Polizeifunk abhören: Frequenzen mit App, Radio und online empfangen - Darf man das?

Selim Baykara

Ihr wollt den Polizeifunk abhören und live bei den Einsätzen der Polizei dabei sein? Früher ging das, wenn man das Radio auf die entsprechenden Frequenzen einstellte – aber wie sieht es im digitalen Zeitalter mit Internet und Co. aus? Und viel wichtiger: Darf man den Polizeifunk überhaupt abhören? In unserem Ratgeber klären wir auf.

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Wenn Polizisten sich auf Einsätzen befinden, nutzen die Beamten bestimmte Frequenzen, um sich mit der Zentrale zu verständigen. Polizei-Behörden und andere Organe der öffentlichen Sicherheit nutzen diesen Frequenzbereich außerdem, um Einsätze zu koordinieren, z.B. um wichtige Nachrichten zu übermitteln oder Einsatzkräfte zu führen. Umgangssprachlich wird das als Polizeifunk bezeichnet – der amtliche Name dafür lautet: „nicht-öffentlicher mobiler UKW-Landfunkdienst der Polizei.“

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Polizeifunk abhören:  Geht das?

Auch wenn es eigentlich verboten ist, können Unbefugte den Polizeifunk abhören. Dabei gibt es verschiedene Methoden:

  • Früher verwendete die Polizei flächendeckend analoge Funktechnik – mit dem entsprechenden Umbau eines Radios konnte man so auch die Frequenzen abhören, die für den Polizeifunk reserviert waren.
  • In einigen Teilen Deutschlands ist das immer noch möglich – seit 2009 stellt die Polizei den Funk aber zunehmend auf den neuen Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOSNet) um.
  • Hierbei handelt es sich um einen digitalen Übertragungsstandard mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Daher ist es nicht mehr so einfach möglich diese Frequenzen abzuhören.
  • Mit einem kann man theoretisch aber auch den digitalen Polizeifunk abhören – wenn man denn die Frequenzen kennt.
  • Außerdem finden sich im Internet Seiten und Apps, die es (angeblich) ermöglichen sollen, den Polizeifunk online zu belauschen.

Ein Interesse daran, der Polizei bei ihren Einsätzen zuzuhören, besteht in jedem Fall weiterhin. Dabei handelt es sich aber nicht unbedingt hauptsächlich um Kriminelle, die ein „natürliches“ Interesse daran haben – in vielen Fällen steht die reine Neugier im Vordergrund: Viele Leute wollen einfach gerne wissen, was hinter den Kulissen abläuft. Aber wie es da eigentlich mit der Rechtslage aus? Darf man den Polizeifunk so ohne weiteres abhören? Und was passiert, wenn euch die Polizei dabei erwischt?

Polizei Auto

Polizeifunk abhören: Strafbar oder nicht?

Die Bezeichnung „nicht-öffentlicher mobiler UKW-Landfunkdienst der Polizei“ gibt schon einen ersten Hinweis darauf, wie es sich mit der Rechtslage verhält. Der Polizeifunk ist ein amtliches Führungs- und Einsatzmittel, das ausschließlich von staatlichen Organen verwendet wird. Unbefugte dürfen den Polizeifunk daher nicht abhören. Geregelt wird das im Paragraphen §89 des Telekommunikationsgesetzes, wo es konkret heißt:

§ 89 Abhörverbot, Geheimhaltungspflicht der Betreiber von Empfangsanlagen

Mit einer Funkanlage dürfen nur Nachrichten, die für den Betreiber der Funkanlage, Funkamateure im Sinne des Gesetzes über den Amateurfunk vom 23. Juni 1997 (BGBl. I S. 1494), die Allgemeinheit oder einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind, abgehört werden. Der Inhalt anderer als in Satz 1 genannter Nachrichten sowie die Tatsache ihres Empfangs dürfen, auch wenn der Empfang unbeabsichtigt geschieht, auch von Personen, für die eine Pflicht zur Geheimhaltung nicht schon nach § 88 besteht, anderen nicht mitgeteilt werden. § 88 Abs. 4 gilt entsprechend. Das Abhören und die Weitergabe von Nachrichten auf Grund besonderer gesetzlicher Ermächtigung bleiben unberührt.

Mit anderen Worten: Mit einer wie auch immer gearteten Funkanlage dürft ihr nur vier Dinge abhören:

  1. Aussendungen für den Betreiber der Funkanlage
  2. Aussendungen für Funkamateure
  3. Aussendungen für die Allgemeinheit
  4. Aussendungen für einen unbestimmten Personenkreis

Da der Polizeifunk eindeutig für einen bestimmten Personenkreis gedacht ist, ist es nicht gestattet den Funkverkehr der Behörden anzuzapfen. Das betrifft übrigens nicht nur den Polizeifunk, sondern auch den Funkverkehr von anderen öffentlichen Organen, z.B. der Feuerwehr, Rettungsdiensten und dem Katastrophenschutz sowie Diensten wie Fluggesellschaften oder der Bahn.

Was passiert, wenn euch die Polizei erwischt?

Wenn ihr den Polizeifunk abhört und dabei von der Polizei erwischt werdet, drohen empfindliche Strafen. Das unberechtigte Abhören des Polizeifunks wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren oder einer hohen Geldstrafe geahndet. Das gilt übrigens auch dann, wenn ihr unbeabsichtigt auf den Polizeifunk stoßt und bewusst weiterhört oder den Inhalt der mitgehörten Übertragung an Dritte weitergebt.

In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Urteile, die sich mit dem Abhören des Polizeifunks auseinandersetzen. Gerne zitiert wird dabei das „Burgdorfer Scanner-Urteil“ von 1997. Dabei legte ein Amtsgericht den Paragraphen §89 zugunsten eine Journalisten so aus, dass alles was man mit einem normalen Radioscanner empfangen könne auch legal sei. In der Folgezeit wurde dieses Urteil aber revidiert, unter anderem auch von einem Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichtes, das 1999 einen CB-Funker nach dem Abhören des Polizeifunks verurteilte und das allgemeine Abhörverbot bekräftigte.

Vom Polizeifunk solltet ihr also besser die Finger lassen – wenn man ehrlich ist, gibt es wahrscheinlich auch interessantere Sachen, die man sich anhören kann. Wir zeigen euch dafür die besten Radio-Apps für euer Smartphone oder Tablet. Außerdem lest ihr bei uns, wie ihr mit Amazon Prime Musice eigene Musik hochladen könnt.

Bildquellen: video monitoring surveillance security system und A female police officer standing next to her car about to talk on the radio via Shutterstock

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