Selbstverteidigung: Strategien & Tipps - einfach zu erlernen & legal

Kristina Kielblock

Nach den Ereignissen in Köln wächst das Interesse an Strategien zur Selbstverteidigung vor allem für Frauen. Was könnt ihr schnell erlernen, was ist legal? Dieser Ratgeber bietet euch ein Einsteiger-Programm, das ihr schnell verinnerlichen und einüben könnt, damit sich euer Sicherheitsgefühl verbessert.

Selbstverteidigung: Strategien & Tipps - einfach zu erlernen & legal

Ein wesentliches Element zur guten Verteidigung ist eure innere Haltung. Wer sich bereits vor einem Angriff wie ein Opfer fühlt, Angst zeigt, wird dies entsprechenden Menschen auch über die Ausstrahlung mitteilen. Prävention ist immer die beste Verteidigung und gerade Frauen haben aufgrund ihrer Sozialisation oftmals nicht gelernt, entschlossen und abweisend aufzutreten. Gerade aber bei sexualisierten Gewalt-Übergriffen ist es entscheidend, gleich zu Beginn des Kontakts klare Grenzen aufzuzeigen und deutlich zu machen, dass ihr bereit seid, diese zu verteidigen. Eine feste Stimme, eine aufrechte Haltung und ein entschlossener Blick können in vielen Fällen schon reichen, weitere Übergriffe abzuwehren. Hier nun einige Anregungen, die euch helfen, in Notsituationen einen kühlen Kopf zu bewahren und eure Haut zu retten.

Flucht verspricht IMMER die größte Sicherheit. Jede der hier gelisteten Möglichkeiten euch zu verteidigen, könnt ihr euch nicht ausschließlich anlesen, sondern ihr müsst sie einüben – regelmäßig. Wenn ihr keinen Kampfsport erlernen möchtet, könnt ihr auch kurze Einführungen in die Selbstverteidigung besuchen. Ohne Übung nützt euch das Wissen um die Techniken nichts.

Krav Maga: Das umfassende Handbuch mit über 230 Selbstverteidigungs- und Kampftechniken *

1. Mögliche Wege zur Selbstverteidigung

  • Selbstverteidigungskurse: Ihr findet sie bei Fitness-Centern, Sportvereinen, der Polizei, Frauengruppen und vielen anderen Institutionen. Dort lernt ihr auch, das Flucht die beste und erste Reaktion sein sollte, aber auch, was ihr machen müsst, wenn es keine Gelegenheit dazu gibt. Ihr lernt wenige, aber wirkungsvolle Strategien, die ihr im äußersten Notfall einsetzen könnt und wie ihr Alltagsgegenstände wie Kugelschreiber oder Regenschirme notfalls zu Waffen umfunktionieren könnt.
  • Krach: Großen Lärm zu erzeugen ist oft ein adäquates Mittel um potenzielle Angreifer abzuhalten. Ganz simpel: Tragt eine bei euch! Es gibt auch sogenannte  in verschiedenen Formen als Schlüsselanhänger (Nachteil: Läuft mit Batterien). Diese Geräte sind klein, können aber einen ohrenbetäubenden und schrillen Lärm erzeugen. Ist der Angreifer verwirrt – schnell flüchten!
  • Pfefferspray: Momentan sehr beliebt, weil es das subjektive Sicherheitsgefühl verbessert. Dieses Gefühl kann aber täuschen. Kleine Flaschen halten nur ein paar Sekunden, dann sind sie leer. Der Gegner ist dann nicht außer Gefecht, sondern nur noch gereizter. Ihr müsst es griffbereit haben, wenn ihr in eurer Handtasche danach kramen müsst, verliert ihr Zeit, die ihr im Notfall gar nicht habt. Der Angriff mit gilt als gefährliche Körperverletzung, weil er gesundheitsschädigend wirken kann. In Notwehr ist der Einsatz des Sprays nicht strafbar.

der einsatz von cs gas und pfefferspray kann bei der selbstverteidigung auch nach hinten losgehen

  • CS-Gas: Ähnlich zu beurteilen wie Pfefferspray. Falsch eingesetzt hat für euch eher kontraproduktive Wirkung.
  • Gaspistole: Dürft ihr besitzen, wenn ihr einen kleinen Waffenschein habt, den ihr bei Polizeidienststellen bekommt. ABER: Mit Waffen muss man umgehen können, diesen Umgang muss man trainieren. Ihr könnt sonst schnell das Opfer eurer eigenen Waffe werden. Hat auch der Angreifer eine Waffe kann die gesamte Situation schnell eskalieren. Wer auf den Schutz einer setzen will, sollte unbedingt in einem Schützenverein oder ähnlichen Clubs den Umgang damit üben und sich über die rechtlichen Bestimmungen informieren.  

2. Richtige Haltung für die Abwehr einnehmen

  • Gesicht schützen: Werdet ihr von vorne attackiert, lasst die Arme eng am Körper und nehmt eure Hände vors Gesicht. Damit schützt ihr eure Rippen und das Gesicht.

hände gehören vor das gesicht zum schutz

  • Der feste Stand: Bei jedem Kampfsport lernt ihr einen stabilen Stand. Probiert es mit einer Freundin aus – ein Mensch ist einfach umzuwerfen, wenn er nicht richtig steht. Steht breitbeinig und stellt die Füße in eine diagonale Position.

der feste stand ist sehr wichtig bei der selbstverteidigung

  • Gegner beobachten: Wichtig ist, dass du deinen Angreifer im Auge behältst und gut einschätzt. Trägt er eine Waffe bei sich? Sind seine Finger beringt? Macht er sich zum Schlag bereit?
  • Gelegenheit zur Flucht nutzen: Auch geübte Kampfsportler ziehen in Straßenkampf-Situationen die Flucht der Konfrontation vor. Das ist generell auch euer Hauptziel – wer sich der Situation entziehen kann, hat damit das Höchstmaß an Sicherheit erlangt.

3. Richtig eine Faust ballen

  1. Haltet eure Hand geöffnet und streckt die Finger.
  2. Schließt die Finger und lasst sie ganz eng anliegen.
  3. Drückt die Fingerspitzen leicht in die Handfläche.
  4. Legt den Daumen auf den Zeige- und Mittelfinger.
  5. Der Schlag wird mit den Knöcheln der oberen Fausthälfte ausgeführt.

bei der selbstverteidigung mit fäusten muss die faust richtig geballt sein sonst verletzt man sich selbst

Umfrage: Wovor habt ihr am meisten Angst?

4. Verteidigung bei frontalen Angriffen

Sollte es keine Möglichkeit geben, um zu fliehen und ihr müsst euch gegen einen frontalen Angriff zu Wehr setzen, bedenkt, dass jeder Schlag den Gegner aggressiver machen wird. Ihr müsst also gezielt auf Schwachstellen treffen und möglichst mit einem Schlag den Angreifer außer Gefecht setzen. Frauen, aber auch Männer haben eine gewisse Hemmung wirklich mit voller Wucht zuzuschlagen. Daher könnt ihr  die folgenden Techniken nur einsetzen, wenn ihr sie regelmäßig übt. Karate-Kämpfer üben ihren Faustschlag auch mithilfe einer Kerze: Stellt eine angezündete Kerze auf und führt einen Faustschlag in deren Richtung aus. Wenn ihr es schafft mit dem Luftstoß eures Faustschlags die Kerze zu löschen, zieht ihr richtig durch. Knie, Ellenbogen und Stirn sind weitere Teile eures Körpers mit denen ihr viel Schaden anrichten könnt, ohne euch selbst zu verletzen. Ziel muss immer sein, nach dem Schlag die Flucht antreten zu können. Außerdem müsst ihr beachten, dass ihr selbst eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung riskiert, wenn eure Verteidigung unangemessen ist. Beispielsweise ist ein Stechen in die Augen nur erlaubt, wenn der Angriff lebensgefährlich ist. Für Nase, Augen und Ohren gibt es Schläge, die lebensgefährlich bzw. tödlich für das Gegenüber sind – ihr Einsatz ist legitim, wenn euer Leben bedroht ist.

selbstverteidigung bei angriffen von vorne

  • Schläge auf die Nase: Ihr könnt mit einer Kopfnuss die Nase des Angreifers brechen. Spannt eure Halsmuskeln an und schlagt euren Kopf mit voller Wucht in die Mitte des Gesichts.
  • Augen attackieren: Ihr könnt eurem Gegenüber mit zwei ausgestreckten Fingern in die Augen stechen.
  • Die Ohren angreifen: Die geöffnete Handflächen auf beide Ohren schlagen. Das kann betäuben oder sogar die Ohrtrommeln brechen.
  • Die Kniescheiben: Tritt gezielt mit voller Kraft gegen die Kniescheiben.
  • Luftröhre / Adamsapfel eindrücken: Bei Männern leicht zu finden. Links und rechts vom Adamsapfel Finger und Daumen in die Senkung drücken.

5. Watch your Back – Angriffe von hinten

Eine Umklammerung von hinten ist eine fiese Situation. Ihr müsst möglichst versuchen, beim Angreifer einen starken Schmerz auszulösen, so dass er aus Reflex loslässt.

angreifer von hinten abzuwehren braucht spezielle selbstverteidigung

  • Hinsetzen: Bei einer Umklammerung von hinten lasst die Hüften fallen, als würdet ihr euch in einen Sessel werfen. Damit erschwert ihr dem Gegner euch hoch zu heben und gewinnt Zeit, um ihn womöglich treten zu können.
  • Druckpunkt: Zwischen Daumen und Zeigefinger gibt es einen Druckpunkt, der sehr schmerzhaft ist und den angreifenden zum Loslassen bringt.
  • Treten: Die Schienbeine sind gut zu erreichen und gezielte Tritte erzeugen großen Schmerz. Beim Mann ist auch die Leistengegend sehr empfindlich, sofern ihr diese erreichen könnt.

Um es nochmal zu wiederholen: Ohne Übung nützt euch dieses Wissens nicht. Um im Gefahrenfall richtig zu reagieren, braucht ihr eine gewisse Routine und Erfahrungen im Umgang mit eurem Körper. Viele Selbstverteidigungskurse finden an einem Wochenenden statt – diese Zeit sollte euch eure Sicherheit wert sein.

Dieses Video zeigt Jim Carrey, wie er als Karatelehrer einen Selbstverteidigungskurs für Frauen gibt – es zeigt sehr anschaulich, wie wichtig realitätsnahes Training ist. 

Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen - DVD *

Bilder via Shutterstock.com

* gesponsorter Link