Handyverbot an Schulen: Was ist rechtlich möglich?

Kristina Kielblock

Kaum etwas führt die Interessen von Schülern, Lehrern und Eltern derart zur Kollision, wie es die Debatte über schulisch sanktionierte Handynutzung vermag. Die Rechtsgrundlage ist vieldiskutiert, aber eigentlich nicht umstritten: Ein allgemeines Handyverbot an Schulen kann mit den Schulgesetzen der Länder nicht durchgesetzt werden.   

Handyverbot an Schulen: Was ist rechtlich möglich?

Handyverbot an Schulen: Die allgemeine Grundlage

Grundlegend für ein Handyverbot an Schulen ist die Schulgesetzgebung, die in Deutschland Sache der Länder ist, weshalb für die verschiedenen Bundesländer jeweils eigene Schulgesetze existieren. In diesen Gesetzen findet ihr immer einen Abschnitt zum Thema Maßnahmen bei Erziehungskonflikten. Das Gesetz findet ihr im Internet, indem ihr den Namen eures Bundeslands und den Terminus „Schulgesetz“ sucht.

Das Schulgesetz von Berlin enthält die betreffenden Regelungen beispielsweise im Abschnitt IV unter §62 „Erziehungsmaßnahmen“. Die Schule wird darin aufgefordert zur Erreichung ihrer Ziele, im Falle von Konflikten oder Störungen im Unterricht, vorrangig erzieherische Mittel einzusetzen. Insbesondere sechs dieser erzieherischen Mittel werden konkret benannt und darunter finden wir auch: „Die vorübergehende Einziehung von Gegenständen“.

handyverbot an Schulen

Handyverbot an Schulen: Das ist rechtlich machbar

Aus der bisherigen Diskussion ergeben sich zur Zeit folgende Richtlinien:

  • Nach Aussage der Juristen lässt sich ein generelles Handyverbot aus den Aufgaben der Schule heraus nicht begründen und ist daher unmöglich.
  • Das Mitbringen eines Handys zur Schule kann ebenfalls nicht untersagt werden, denn diese Einschränkung der Erreichbarkeit vor und nach der Schule bzw. auf dem Schulweg ist ebenfalls nicht legitim.
  • Das Ausschalten des Handys während des Unterrichts kann von der Lehrkraft eingefordert werden.
  • Durch die Schulordnung kann die eingeschränkte Handynutzung in den Pausen geregelt werden.
  • Wenn solchen einschränkenden Nutzungsregeln zuwider gehandelt wird, kann dies auch mit dem Einzug des Handys sanktioniert werden. In diesen Fällen muss das Handy aber zeitnah entweder den Eltern oder der betroffenen Person ausgehändigt werden. Das Einbehalten des Geräts über Nacht ist somit rechtlich sehr fragwürdig.
  • Ein angeschaltetes Handy während einer Prüfung kann als Täuschungsversuch gewertet und entsprechend bestraft werden.
  • Datenschutz: Die Inhalte eures Handys darf der Lehrer nicht anschauen! Wenn ein berechtigter Verdacht vorliegt, dass ihr strafbare Inhalte auf eurem Handy habt bzw. diese weitergebt, können die Polizei oder eure Eltern benachrichtigt werden, damit diese dann die Inhalte prüfen können.

handyverbot an schulen

Bilderstrecke starten
66 Bilder
Wenn’s funktioniert, ist es nicht dumm!

Pro & Contra Handyverbot an Schulen: Pädagogisch sinnvoll oder einfach nur unzeitgemäß?

Erziehungsmittel sind pädagogische Einwirkungen und dann zulässig, wenn Schüler den Unterricht beeinträchtigen bzw. stören. Dass eine individuelle Handynutzung der Schüler mit einem erfolgreichen Unterricht auf Dauer nicht zu vereinbaren ist, wird den meisten umgehend einleuchten.

Gleichzeitig gibt es aber auch Lehrer, die die Mobilgeräte absichtlich in ihren Unterricht einbauen und die Schüler dazu auffordern, im Netz zu recherchieren. Und auch das erscheint sinnvoll und pädagogisch nachvollziehbar. Zumal der bewusste, verantwortungsvolle und sichere Umgang mit dem Smartphone auch Teil des Medien-pädagogischen Lehrauftrags sein sollte.

handyverbot an schulen

Blickt man auf die unterschiedlichen Regelungen an den verschiedenen Schulen in Deutschland kann man prinzipiell jede Art des Umgangs finden, selbst innerhalb einer Stadt können sich die Regeln extrem unterscheiden: Vom Versuch des totalen Handyverbots an Schulen und der Langzeit-Konfiszierung des Mobilgeräts bei Zuwiderhandlung bis zu freundlichen Agreements und „Smartphone-Inseln“ im Schulgebäude.

Entscheidend ist, welche Lösung Schulkonferenz, Eltern und Schüler auf Grundlage der rechtlichen Bestimmungen miteinander aushandeln.

Ein generelles Handyverbot an Schulen ist rechtlich nicht möglich, aber pädagogisch auch nicht sinnvoll. Das Handy wird in den nächsten Jahrzehnten nicht verschwinden, sondern sich wahrscheinlich immer tiefer in unser alltägliches Leben integrieren und das wird Konsequenzen haben, beispielsweise wirkt sich auch die Smartphone-Nutzung vor dem Schlaf negativ auf uns aus. Wir alle müssen lernen, die Technik diszipliniert und ohne Schäden für die Konzentration oder die Gesundheit einzusetzen.

Mehr zum Thema:

 

 

 

Umfrage: Refurbished oder Neuware?

Ist es für euch in Ordnung, wenn das Smartphone-Display ein wenig verkratzt ist oder schon ein paar Gebrauchsspuren auf der Rückseite hat? Oder muss ein Artikel beim Kauf wirklich komplett neu sein?

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

* Werbung