Hier ist dein Schild: Gibt es doofe Menschen?

Kristina Kielblock

Ein uralter Spaß vergangener Foren-Tage kursiert nach wie vor im Netz herum. Die Theorie dahinter: Mitmenschen, die zu ausgeprägten intellektuellen Blockaden neigen, könnten dies - zu ihrem eigenem Schutz - auf einem Schild kundtun. Aufschrift: „Ich bin doof“. Inzwischen hat sich auch eine kleine Facebook-Community zusammengetan, denen es gefällt, diese Theorie mit weiteren Anekdoten anzureichern. Habt ihr euer Schild schon bekommen?

Hier ist dein Schild: Gibt es doofe Menschen?
Bildquelle: Hier ist dein Schild.

Hier ist dein Schild: Intellektuelle Netzkultur

So fängt es eigentlich immer an: „Hier ist dein Schild, das Original: Doofe Leute sollten Schilder tragen müssen, auf denen ‚ich bin doof‘ steht. Auf diese Weise würde man sich nicht auf sie verlassen, oder? Du würdest sie nix fragen. Es wäre wie „Tschuldigung, ich… äh, vergiss es. Hab das Schild nicht gesehen. ‚Hier ist dein Schild.‘“ Und dann geht es weiter mit: „Das ist wie, …“ und im Anschluss folgt eine Anekdote, in der sich jemand durch ausgeprägtes intellektuelles Unvermögen ausgezeichnet hat.

Begonnen hat das alles irgendwann in irgendeinem Forum oder wurde im alten Griechenland von Kynikern wie Diogenes erfunden. Der lief ja zumindest bekanntlich am helllichten Tag mit einer Laterne über den gut gefüllten Marktplatz und suchte nach einem Menschen. Dahinter verbarg sich eventuell eine den heutigen Anhängern der „Hier-ist-dein-Schild-Theorie“ sehr ähnliche Geisteshaltung. Der Wunsch nach mehr kognitiver Beteiligung unter den Mitmenschen.

Anders formuliert könnte man auch sagen, „Hier ist Dein Schild“ ist das Prädikat, dass vor dem „Darwin Award“ vergeben wird, also noch zu Lebzeiten.

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Denen wiederum wird ja von klein auf suggeriert, es gäbe keine doofen Fragen. Einige Beispiele machen die Angelegenheit konkreter:

  • „Als ich das letzte Mal nen Plattfuß hatte, fuhr ich zu ner Tankstelle. Der Wärter kommt raus, wirft nen Blick auf meine Karre und fragt ‚Reifen platt?‘ Ich konnte nicht widerstehen. Ich sagte ‚Nö. Ich fuhr so rum, als die anderen drei sich plötzlich aufpumpten. Hier ist dein Schild.'“
  • „Ich musste den einen Abend lange arbeiten, als ein Kollege reinschaute und sagte ‚Du bist immer noch hier?‘ Ich antwortete ‚Nö. Ich bin vor 10 Minuten abgehauen. Hier ist dein Schild.'“
  • „Wir versuchten letztes Jahr, unser Auto zu verkaufen. Ein Typ kam rüber zum Haus und fuhr die Karre ne dreiviertel Stunde. Wir kommen zurück zu Haus, er steigt aus, bückt sich, greift an den Auspuff und sagt ’scheiße, ist das heiß!‘ Siehst du? Hätte er sein Schild getragen, hätte ich ihn abhalten können.“

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„Wir kommen zurück zu Haus“ ist nicht unbedingt eine grammatikalische Konstruktion, die als ein Indiz für intellektuelle Höchstleistung zu betrachten wäre. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Es geht um die wirklich schwarzen Schatten, die unsere Klugheit in tiefe Paralyse zu zwingen vermögen. Diese neurologischen Aussetzer, die jeder kennt und jeder hat: Wenn die Synapsen sich blitzartig nur noch äußerst unbefriedigend vernetzen. Das ist peinlich, und wenn es anderen passiert sehr lustig oder mitunter auch tragisch. Aber wem „Hier ist dein Schild“ gut gefällt, kann das mit einem Klick auf Facebook kund- und sich mit anderen zusammentun.

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