RFID-Schloss: Infos und Empfehlungen zu den funkgesteuerten Schließzylindern

Marco Kratzenberg

Ein RFID-Schloss ist sicher und hat gegenüber herkömmlichen Schlössern einige Vorteile. Doch wie funktionieren die Dinger eigentlich, auf was muss man achten und was kosten die verschiedenen Typen? Diese Informationen haben wir für euch zusammengetragen.

Das RFID-Schloss macht den Schlüssel überflüssig, beendet die nächtliche Suche nach dem Schlüsselloch und erlaubt es, jede Menge individueller Schlüssel-Chips selbst anzufertigen. Im Notfall kommt man bei einigen sogar mit einem Zahlencode rein. Trotzdem ist nicht jedes davon uneingeschränkt zu empfehlen und ihr müsst außerdem ein paar Dinge beachten.

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Was für RFID-Schlösser gibt es?

Funk-Schlösser gibt es in verschiedenen Ausführungen. Das handelsübliche RFID-Schloss hat eine Kontaktfläche, die man mit einem RFID-Chip berührt, damit es sich öffnet. Oft verfügen sie zur Sicherheit noch über ein Tastenfeld. Andere Schlösser nutzen Bluetooth, um den Code zu empfangen und die Tür zu öffnen. In einigen Fällen werden auch Schlüsselkarten verwendet, die man vor das Schloss bewegt oder in einen Schlitz steckt. Dabei wird dann allerdings auch die RFID-Technik verwendet.

Eine Sonderform sind die RFID-Zugangskontrollen. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um ein Schloss. Man könnte sie eher als Schlüssel betrachten. Diese Geräte lassen sich mit Türöffnungsanlagen verbinden, wie sie häufig in Mehrparteienhäusern verwendet werden. Sobald der korrekte Code eingegeben oder der RFID-Chip angelegt wurde, geben die Geräte ein Schaltsignal an den Türöffner und der Eingang lässt sich öffnen.

Außerdem lassen sich die Funk-Schlösser in zwei Gruppen einteilen:

  • RFID-Schlösser mit integriertem Leser und Tastenfeld direkt am Schloss.
  • Varianten mit separaten Bedienfeldern, die in der Nähe angebracht werden und über Funksignale mit dem Schloss kommunizieren.

Beispiele der verschiedenen RFID-Schloss-Typen

In der nachfolgenden Tabelle seht ihr einige unterschiedliche Typen von RFID-Schlössern. Alle angezeigten Bilder stammen von den verlinkten Amazon-Produktseiten.

RFID-Schloss Eigenschaften

Preis bei Amazon: 103,67 Euro

·         PIN-Länge zwischen 6 und 12 Ziffern

·         Bis zu 20 Transponder

·         Integriertes Tastenfeld im Griff

·         Master-Pin

·         3 Transponder mitgeliefert

·         Nutzt gängige Transponder mit 13,56 Mhz

·         Angegebene Batterie-Standzeit: 1 Jahr

·         Mögliche Nachrüstung durch Silikon-Wetterschutz

Preis bei Amazon: 149,98 Euro

·         Zugang über Code, RFID, mit Schlüssel und übers Handy via Bluetooth möglich.

·         „Einmal-Passwort“ möglich.

·         Logbuchfunktion zur Zugangskontrolle.

·         Vorsicht: Funktioniert nicht bei allen deutschen Schloss-Typen!

Preis bei Amazon: 269,00 Euro

Zur Programmierung weiterer RFID-Transponder sind eine PC-Software und ein USB-Dongle für etwa 90 Euro notwendig!

·         Öffnung via Bluetooth und Handy-App möglich.

·         Türstärken bis zu 13 cm

·         Wetterschutzklasse IP 65

·         Nur 2 Transponder werden mitgeliefert

·         Programmierung weiterer Transponder nur am PC mit kostenpflichtiger Software und Dongle möglich.

·         Kein Tastenfeld!

Vor- und Nachteile des RFID-Schlosses

Ein RFID-Schloss nutzt dieselbe Schließtechnik wie normale Schlösser und lässt sich deswegen oft problemlos als Ersatz einsetzen. Aber anders als die herkömmlichen Schlösser, wird dabei kein Schlüsselloch benötigt, an dem ein geübter Schlossknacker ansetzen könnte.

Falls ein normaler Schlüssel verloren geht oder abbricht, so muss man sich im einfachsten Fall einen Schlüssel nachmachen lassen. Manchmal wird aber ein komplett neues Schloss mit neuen Schlüsseln für viele Leute fällig – das geht ins Geld.

Hier hat das RFID-Schloss klare Vorteile: Gehen ein Schlüssel-Chip oder eine Schlüssel-Karte verloren oder kaputt, so kauft man für ein paar Euro eine neue und verpasst dem Schloss einen neuen Code. Der Finder oder Dieb des RFID-Transponders kann das Schloss nicht öffnen. Ebenso unkompliziert ist es, wenn man einem Freund, Familienmitglied oder neuen Angestellten einen Zugang geben möchte.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, in der Regel zwei Öffnungsmethoden nutzen zu können – entweder mit dem RFID-Transponder oder dem Tastenfeld. Wenn die Tür zufällt und der Chip in der Wohnung liegt, kommt ihr immer noch problemlos rein – wenn ihr euch an den Zahlencode erinnert.

Außerdem können oft auch „Gäste-Codes“ vergeben werden, ohne den Hauptcode preiszugeben. Damit braucht dann zum Beispiel die in den Ferien Blumen gießende Freundin keinen eigenen Chip und man löscht nach dem Urlaub nur den Extra-Code.

Worauf muss man achten?

Bei einem regulären Schloss steckt man den Schlüssel ins Schloss, um den Schließ-Zylinder zu drehen. Ein RFID-Schloss braucht keinen Schlüssel, aber der Zylinder muss trotzdem irgendwie gedreht werden. In der Regel erfolgt das durch einen Drehgriff und da liegt ein Problem:

Wenn der Abstand zwischen Türrahmen und Türschloss nur gering ist, kann dieser Drehgriff zu lang sein und das Öffnen der Tür verhindern. Man öffnet die Tür und der Griff kommt nicht am Türrahmen vorbei.

Die Schwierigkeit beginnt hier bereits beim Kauf. Meist wird nicht klar angegeben, wie weit der Griff aus der Tür ragt beziehungsweise, wie weit die Mitte des Schließzylinders vom Türrahmen entfernt sein muss, damit sich die Tür öffnen lässt.

Um das abschätzen zu können, geht ihr am besten folgendermaßen vor:

  • Versucht beim Händler zu erfahren, wie weit der Griff herausragt.
  • Dann setzt ihr beispielsweise Legosteine übereinander, haltet sie bei eurem alten Schloss an das Schlüsselloch und öffnet die Tür. Wiederholt das, bis das Hindernis gegen den Türrahmen stößt. Jetzt habt ihr ein Maß, bis zu dem das mit einem RFID-Schloss funktionieren würde.

Ein weiteres Handicap stellt die Elektronik dar. Rein technisch gesehen funktioniert sie in der Regel störungsfrei. Allerdings ist sie eben wetteranfällig. Wenn das Tastenfeld nass wird, gibt es in der Regel irgendwann den Geist auf. Einige Anbieter haben dafür spezielle Wetterschutz-Überzüge aus Silikon im Programm, die man sich dann anschaffen sollte, wenn es sich um ein Außen-Schloss an einer Wetterseite handelt. Schöner werden die Geräte dadurch allerdings nicht. Diese „Überzieher“ neigen dazu, durch Griffkontakt und UV-Strahlung einen unästhetischen gelben Farbton zu bekommen.

Es kann zudem wichtig sein, sich genau anzusehen, wie groß der alte Schließzylinder ist und ob die Abmessungen mit dem neuen übereinstimmen. Manche dieser Zylinder sind asymmetrisch, das bedeutet, die Befestigungsschraube befindet sich nicht in der Mitte. Das ist bei der Auswahl des neuen Schlosses wichtig.

Fazit zu den RFID-Schlössern

Wer ein anständiges RFID-Schloss sucht, muss auf jeden Fall mehr Geld dafür zahlen, als für ein reguläres Schloss. Allerdings zeigen gerade die „großen Namen“ der Branche hier, was man alles falsch machen kann. Man mag bei der Konkurrenz von „Chinaware“ reden und auf deutsche Wertarbeit hinweisen… Aus China kommt zum Beispiel aber auch das iPhone. Also muss ein Schloss mit seltsamen Namen nicht unbedingt schlecht sein, bloß weil es nicht auf eine 200-jährige Firmentradition zurückblicken kann.

Wenn man sich dann noch anguckt, dass das „Billig-RFID-Schloss“ nur einen Teil des deutschen Produkts kostet, zudem über ein eingebautes Tastenfeld verfügt und zum freien Programmieren der Chips keine kostenpflichtige Software und Zusatzgeräte benötigt, dann wurde da offenbar etwas richtig gemacht.

Wie clever oder unclever es ist, die deutsche Wertarbeit noch über eine Handy-App zu öffnen, ohne dass man beim Verlust des Smartphones eine schnelle Möglichkeit der Code-Änderung hätte, ist sowieso eine Frage.

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Ist es für euch in Ordnung, wenn das Smartphone-Display ein wenig verkratzt ist oder schon ein paar Gebrauchsspuren auf der Rückseite hat? Oder muss ein Artikel beim Kauf wirklich komplett neu sein?

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