RUSH - Der Gaming-Podcast: Red Dead Redemption 2 / Spiel mir das Lied vom Erfolg

Stephan Otto

Red Dead Redemption 2 ist definitiv das Spiel der Stunde, klar, dass wir auch in RUSH – Der Gaming-Podcast genau darüber sprechen. Wir versuchen den Hype zu klären, das Spiel in die Geschichte des Western einzuordnen und sprachen mit einem ehemaligen Rockstar-Mitarbeiter über die heftige Kritik, die dem Unternehmen wegen schlechter Arbeitsbedingungen entgegenschlägt.

RUSH - Der Gaming-Podcast: Red Dead Redemption 2 // Spiel mir das Lied vom Erfolg.
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Red Dead Redemption 2: Spiel ohne Wiederkehr?

In wenigen Tagen hat Red Dead Redemption 2 Rekorde aufgestellt. Derzeit gilt das Western-Spiel aus dem Hause Rockstar als das erfolgreichste Entertainment Produkt. Hat der Vorgänger in seinem gesamten Lebenszyklus noch knapp 15 Millionen Exemplare an die Spieler gebracht, übertrumpfte der aktuelle Teil diese Zahl bereits nach acht Tagen um zwei Millionen. In der aktuellen Folge von RUSH versuchen wir dem Erfolg des Spiels auf den Grund zu gehen und zu klären, was die Geschichte um Arthur Morgan nun so besonders macht und wo das Spiel vielleicht doch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Rockstar Games: Das finstere Tal?

Seit Wochen steht das Unternehmen hinter Red Dead Redemption 2 in der Kritik. In einem Interview sprach der Mitbegründer von Rockstar Games, Dan Houser, über Arbeitszeiten von mehr als 100 Stunden pro Woche. Diese heftige Crunchtime führte seither zu vielen Diskussionen unter Fans und harte Kritik aus den Gamingmedien. Vor allem der Artikel des Kotaku-Autors Jason Schreier sorgte für Gesprächsstoff. Hier kamen Rockstar-Mitarbeiter zu Wort und sprachen von unbezahlten Überstunden und einer Kultur der Angst, die im Unternehmen herrsche. Doch was ist dran an den Vorwürfen? Über Game Workers Unite – eine Gewerkschaft für Arbeitnehmer in der Spielebranche – konnten wir Kontakt zu einer/einem ehemaligen Mitarbeiter/in von Rockstar herstellen. Im anonymen Interview schilderte uns die Person ihre Eindrücke – das Interview zum Nachlesen gibt es hier.

Der neue wilde Western?

Außerdem haben wir uns mit Dr. Martin Ganguly über Western unterhalten und wie Red Dead Redemption 2 da eigentlich reinpasst? Er ist Filmpädagoge bei der Berlinale und reitet mit uns durch den Wilden Westen.

Hinweis:
RUSH ist eine gemeinsame Produktion von detektor.fm und GIGA GAMES. Wir freuen uns, wenn du den Podcast bei , Spotify, Deezer und Google Podcasts hörst oder hier abonnierst. Pro Monat erscheinen zwei Folgen von RUSH. Wir nehmen Spiele ernst.

Durch diese Episode von RUSH – Der Gaming-Podcast führen Christian Eichler von detektor.fm, Marina Hänsel, Alexander Gehlsdorf und Stephan Otto (Instagram) von GIGA GAMES. Im Interview kamen Dr. Martin Ganguly und Declan Peach von Game Workers Unite zu Wort.

Du spielst Red Dead Redemption 2 schon und weißt nicht, was du machen sollst? Schau mal hier rein:

Game Workers Unite: Das Interview mit Declan Peach auf Deutsch (gekürzt)

Erzähl doch mal von deinem Werdegang?

Ich bin ungefähr seit zwei Jahren in der Industrie. Ich hab meinen Master in England gemacht und in einem kleinen Indie-Studio als Designer gearbeitet. Ich hab mich immer schon für die Politik rund ums Arbeitsrecht interessiert. Meine Eltern waren Gewerkschaftler. Und in der Uni wurde uns immer erzählt, dass es Crunch-Kultur und viele intrinsische Probleme in der Games-Industrie gibt. Und als ich von Game Workers Unite gehört habe, habe ich ihnen direkt eine E-Mail geschrieben. Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich derjenige sein würde der den britischen Ableger von Game Workers Unite gründen und koordinieren würde. Aber kein anderer wollte es machen, also hab ich es gemacht. Und jetzt gründen wir eine Gewerkschaft im Vereinigten Königreich.

Wie habt ihr den Launch von Red Dead Redemption 2 erlebt?

Das war interessant. Rockstar ist historisch nicht so großartig zu seinen Mitarbeitern. Es ist einfach so eine riesige Organisation. Und die Dinge, die sie produzieren, sind so riesig. Ich habe von Leuten gehört, die dort in der Qualitätssicherung arbeiten, dass ihre Arbeitsstunden schlecht sind und dass Überstunden verpflichtend sind und erwartet werden. Aber es war interessant als Dan Houser stolz getwittert hat, dass manche von ihnen vor Release 100-Stunden-Wochen gearbeitet haben. Und dann gab es diesen Backlash, vor allem wegen Bewegungen wie unserer, die diese Zustände kritisieren. Und deswegen kam dieses Thema in die Öffentlichkeit. Das ist natürlich toll für uns. Aber es ist schrecklich, dass so etwas heute noch passiert. Er hat es dann zurück genommen und gesagt, dass es nur er und ein paar Writer waren. Aber ich hab mit vielen Rockstar-Mitarbeitern gesprochen und ich weiß, dass sie sehr viele Überstunden machen. Aber das sind normale Probleme in der Triple-A-Industrie. Diesmal sind sie halt aufgrund der Größe des Unternehmens an die Öffentlichkeit geraten.

Also würdest du sagen, dass das normale Probleme in der Games-Industrie sind?

Die gab es schon immer. Aber immer mehr Leute in der Industrie kritisieren diese Verhältnisse. Beim Dan Houser-Tweet war so interessant, dass dann Josh Sawyer, Designer von „Fallout: New Vegas“ gesagt hat, dass so etwas nicht okay ist.

Welche anderen Probleme gibt es noch in der Games-Industrie?

Das was bei Rockstar passiert, ist bei anderen Firmen nicht wirklich anders. Es gibt da Crunch-Time, kurze instabile Verträge – nicht nur für Qualitätssicherer sondern auch für Entwickler. Es gibt schlimme Arbeitskulturen nicht nur gegen Frauen und People of Color. Ja, das gibt es alles häufig. Man hört von Crunch, schlimmen Verträgen und Gehältern bei Rockstar, bei Ubisoft, bei Sega, bei jeder großen Firma. Rockstar ist überhaupt nicht besonders.

Aber es hat sich etwas geändert, weil jetzt die Öffentlichkeit drüber redet.

Ja klar, dass wir jetzt drüber reden und dass Dan Housers Kommentare so einen Backlash hatten, ist ein richtig gutes Zeichen. Ich glaube vor anderthalb Jahren hätte das niemanden interessiert.

Was können die Konsumentinnen und Konsumenten denn tun, um die Entwickler zu unterstützen?

Wenn sie nicht boykottieren, dann sollten sie Entwicklern sagen, was sie von diesen Dingen halten. Sagt den Entwicklern: Ich will euer Spiel nicht spielen, weil ich weiß, wie ihr eure Entwickler behandelt. Als Entwickler, weiß ich, dass wir sehr genau hinhören, wenn die Spieler mit uns reden. Wenn Entwickler merken, dass die Spiele sich für diese Dinge interessieren, dann würden sie vielleicht umdenken. Ich glaube ein Boykott würde nicht funktionieren, aber man kann immer andere über die Gewerkschaftsbewegung informieren.

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