Schluss mit dem Gejammer über Android-Updates! [Kommentar]

Kaan Gürayer 41

Immer wieder das gleiche Gejammer: Kaum wird eine neue Android-Version vorgestellt, heult die halbe Android-Welt, dass sie noch immer kein Update auf Android 587 Schlagmichtot erhalten hat. Dabei leben wir im Jahr 2016 – und Android-Updates sind mittlerweile so unwichtig wie das Liebesleben von Oliver Pocher. 

Schluss mit dem Gejammer über Android-Updates! [Kommentar]

Ein Blick in den Nachrichtenordner von GIGA ANDROID auf Facebook offenbart viele interessante Anschreiben: Einige Leser machen uns – vielen Dank dafür – auf interessante News aufmerksam, PR-Leute wollen uns zur Promotion ihrer Apps und Geräte einspannen und hin und wieder werden wir als Technik-Support missbraucht. Der mit Abstand größte Teil der Nachrichten sind aber Fragen, wann eine bestimmte Android-Version auf Gerät XY eintrudelt: „Wann kommt Android 6.0 Marshmallow für das Samsung Galaxy S5?“, um mal ein weit verbreitetes Beispiel zu nennen. Ich hab dann immer so eine nervige Kinderstimme im Ohr, die alle fünf Minuten fragt, wann die Autofahrt vorbei ist: „Wann sind wir endlich da?“

Natürlich können wir das Verlangen nach der neuesten Android-Version verstehen – wir sind ja selbst Android-Enthusiasten. Und wir bemühen uns auch, sofern wir es selbst wissen, die Fragen auch stets zu beantworten. Aber mal Butter bei die Fische: Wir leben im Jahr 2016 und heutzutage ist es kein Weltuntergang mehr, eine „veraltete“ Android-Version auf seinem Smartphone oder Tablet zu haben.

Denn was ändert sich denn in der alltäglichen Benutzung, wenn Google eine neue Android-Version veröffentlicht und plötzlich das eigene Mobilgerät nicht mehr auf dem neuesten Softwarestand ist? In aller Regel: Gar nichts! Funktioniert das eingangs erwähnte Samsung Galaxy S5 nur einen Deut schlechter, nur weil es auf Android 5.1 Lollipop läuft und Google bereits Marshmallow veröffentlicht hat? Nein. Ist der Nutzer nun plötzlich von irgendwelchen Apps ausgeschlossen, die er im Play Store nicht mehr herunterladen kann? Ebenfalls nein.

Es geht nur noch um Feinheiten

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Tatsache ist, dass Android im Grunde „fertig entwickelt“ ist. Es dreht sich nur noch um Feinheiten – deshalb veröffentlicht Google mittlerweile auch nur noch ein Android-Update pro Jahr. In den Anfangsjahren des mobilen Betriebssystems hat man in Mountain View eine neue Android-Version noch alle sechs Monate herausgehauen.

Schauen wir uns, um ein Beispiel zu geben, doch einmal Android 6.0 an: Die drei vielleicht größten Neuerungen von Marshmallow sind die feineren App-Berechtigungen, das Stromspar-Feature namens „Doze“ und Google Now on Tap. Für die meisten User bringt keine der Funktionen einen echten, spürbaren Nutzen. Die feineren App-Berechtigungen mögen in der Theorie zwar gut klingen, aber machen wir uns doch nichts vor: 99 Prozent der Nutzer werden Apps einfach gedankenlos jedes Recht einräumen, das sie verlangen – ganz so, wie blind auf „Zustimmen“ der Geschäftsbedingungen geklickt wird, wenn man sich etwa bei Onlineplattformen anmeldet.

Und „Doze“? Samsung, Sony und andere Hersteller integrieren bereits seit Jahren einen Energiesparmodus in ihren Android-Geräten, der teilweise sogar besser läuft als die Google-Lösung. An dieser Stelle hinkte Stock-Android TouchWiz und Co. sogar hinterher. Bliebe noch Google Now on Tap: Ein innovatives Feature, ganz ohne Zweifel. Eines aber, dass – da lehnen wir uns nicht zu weit aus dem Fenster – , wohl nur von einem Bruchteil der Nutzer wirklich aktiv verwendet wird.

System-Apps werden in den Play Store ausgelagert

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Google und die Gerätehersteller tragen im Übrigen auch ihr Scherflein dazu bei, dass Android-Updates immer unwichtiger werden. Über die Google Play Dienste, die separat über den Play Store auf dem neuesten Stand gehalten werden, kann der Internetgigant neue Funktionen auf allen aktuellen Android-Geräten verteilen – völlig unabhängig von der jeweiligen Betriebssystem-Version. Hersteller wie Samsung, HTC und andere lagern immer mehr ihrer eigenen Apps in den Play Store aus, um sie von dort aus aktuell halten zu können. Ein Trend übrigens, den Google begründet hat und dem sich glücklicherweise immer mehr Hersteller anschließen.

Sicherheit – ein fadenscheiniges Argument

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Kommen wir zu guter Letzt zum „Lieblings-Argument“ derer, die ständig über fehlende Android-Updates motzen: Sicherheit. Zugegeben, gefühlt kursieren alle zwei Wochen Meldungen über Sicherheitslücken in Android durch die Medien, die Millionen und Abermillionen von Nutzern betreffen sollen. Gegenfrage: Wie oft habt ihr bereits erlebt, dass ein Android-Smartphone aufgrund einer Sicherheitslücke von einem Trojaner oder anderer Malware befallen und dadurch unbrauchbar wurde? Huch, warum denn plötzlich so still? Das ist mir in meiner siebenjährigen Android-Geschichte noch nicht einmal untergekommen – nicht in der Familie, nicht im Freundes- und Bekanntenkreis und auch nicht bei Arbeitskollegen. Und zur Erinnerung: Ich habe beruflich mit Android zu tun.

Auf der anderen Seite habe ich bereits unzählige male erlebt, wie Windows-PCs von Viren, Malware und anderem ungesunden Zeugs der Garaus gemacht wurde. Ganz abgesehen davon, dass Security-Patches per se nicht zwingend mit einem kompletten Android-Update einhergehen müssen – spätestens seit Googles monatlichen Sicherheitsupdates sollte das klar sein.

Subjektiv empfundene Benachteiligung

Was lernen wir daraus? Wer sich über eine angeblich „veraltete“ Android-Version beschwert, der beklagt in aller Regel nicht über objektiv erkennbare Nachteile, sondern nur über eine subjektiv wahrgenommene Benachteiligung. Es gibt Leute, die haben auf ihrem Smartphone oder Tablet eine neuere Android-Version – und das findet man unfair. Das ist ungefähr so, als würde man 10 Leuten 10 Euro schenken, der 11. Person aber „nur noch“ 5 Euro. Objektiv ist Person 11 immer noch um 5 Euro reicher als vorher, fühlt sich aber dennoch ungerecht behandelt. Wir müssen lernen, mit unseren 5 Euro glücklich zu werden.

Artikelbild-Quelle: Flickr/Christian Cable/cc-Lizenz 

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