Datenschutz-Albtraum: New York will Gesichtserkennung im Straßenverkehr einführen

Stefan Bubeck 1

Der Gouverneur stellt das New York der Zukunft vor: Fortschrittliche Kameras und Sensoren werden die Stadt per Gesichts- und Kennzeichenerkennung überwachen. Brücken und Gebäude bekommen spektakuläre LED-Beleuchtungen.

Andrew Cuomo, Gouverneur des US-Bundesstaats New York, zeigte umfassende Pläne zur Modernisierung der Infrastruktur, mit dem Fokus auf Brücken und Tunnel: Das „Crossings Project.“ Der Verkehrsfluss soll beschleunigt werden, die Bauten zukünftigen Naturkatastrophen besser standhalten und Kunst am Bau überall erblühen. Ein Punkt im Plan ist allerdings pikant: Die Überwachung mit modernster Technik findet flächendeckenden Einzug.

Aus Flaschenhälsen sollen Checkpoints werden

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Im Visier der Überwachung sind Verbrecher und Terroristen, die Sicherheit der Bürger stehe im Vordergrund. Brücken, Tunnel, Kreuzungen und andere sensible Knotenpunkte seien nicht nur verkehrstechnische Flaschenhälse, sondern zugleich auch Sicherheits-Schwachstellen und potenzielle Angriffspunkte. „New York ist ein Ziel – und das zu verneinen, ist keine Überlebensstrategie“, so Cuomo während seiner 35-minütigen Rede.

Die Übergangspunkte im Stadtgebiet seien eine Chance für mehr Sicherheit, indem man aus ihnen Checkpoints mache. Über alle MTA- (Metropolitan Transportation Authority) Einrichtungen hinweg sollen Kameras und Sensoren sowohl Autokennzeichen als auch Gesichter erkennen. Zwar ist bei Letzterem nur von einem Test die Rede, die Pläne reichen aber offenbar schon einige Schritte weiter. Hunderte Mitarbeiter sollen beim Projekt mitwirken und „neue Protokolle“ zwischen den Behörden die Zusammenarbeit verbessern.

Die Datenschutzdiskussion wird umgangen, dafür gibt’s LED-Beleuchtung an Brücken

Was bei der Vorstellung fehlte, waren die Details: Die genaue Anzahl der Kameras, wie und wo die Daten gespeichert werden, wer darauf Zugriff hat und gegen welche Datenbanken die erfassten Informationen geprüft werden. Die Juristin Mariko Hirose äußerte gegenüber vocativ bereits ihre Bedenken: „Ich glaube die Erweiterung um Gesichtserkennung, wie sie es jetzt testen wollen, ist zutiefst beunruhigend. Es gibt einem das Gefühl einer schleichend aufkommenden Überwachungsvorrichtung. Das alles beginnt mit einer oder zwei Kameras oder Nummernschild-Erkennungs-Systemen und wächst fortan weiter.“

Erleuchtete Stadt: New York Crossings Project.

Wie gut, dass der Gouverneur auch etwas zur Ablenkung im Präsentationskoffer dabei hatte: In einem eigens angefertigten Teaser-Video sieht man die Tunnel, Brücken und Gebäude der Stadt mittels imposanter LED-Beleuchtung dynamisch erstrahlen. Je nach Anlass können die Farben angepasst werden und beispielsweise den Nationalfeiertag oder den Sieg des heimischen Baseballteams zelebrieren.

Untermalt wird die Vorführung passenderweise mit Alicia Keys Hymne „Empire State of Mind.“ Eigentlich eine gute Idee – denn in San Francisco (Bay Bridge), London (Tower Bridge) und anderen Städten auf der Welt hat sich das als wahrer Touristenmagnet bewiesen. Wenn da nur der seltsame Umstand nicht wäre, dass hier zukünftig die Brücke den Besucher fotografiert.

Quellen: vocativ, Bundesstaat New York

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