Der deutsche „Generalschlüssel fürs Internet“ kommt

Stefan Bubeck 4

Daimler, Deutsche Bank und Allianz arbeiten zusammen, um die Vormacht von Google und Facebook zu brechen. Es geht um den Zugang zu verschiedenen Diensten mit einem einzelnen Schlüssel – auch bekannt als „Single-Sign-On“.

Single-Sign-On (SSO) verwenden die meisten von bereits ganz selbstverständlich. Beispiele: Per Facebook-Login kann man Dienste wie Instagram, Tumblr oder Soundcloud nutzen, mit dem Google-Account ist man automatisch auch bei YouTube eingeloggt. Dadurch wird ein einzelner Login zu einer Art Universalschlüssel, der auch Zugang zu anderen Diensten ermöglicht, ohne sich dort erst umständlich anmelden zu müssen. Diese Art der Dienstleistung wird derzeit klar von Facebook und Google dominiert, ein deutsches Pendant dazu gibt es bisher noch nicht. Das soll sich nun ändern.

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„Kern des geplanten neuen, einheitlichen Zugangs für Online-Angebote wird ein sogenannter Generalschlüssel sein. Diesen könnten Kunden dann branchenübergreifend verwenden, um sich im Internet zu registrieren und zu identifizieren“, so die Erklärung der Beteiligten gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Liste der Unternehmen, die „schon länger“ am Projekt arbeiten, liest sich wie ein Who’s who der deutschen Wirtschaft: Die Deutsche Bank, der Axel-Springer-Verlag, der Kartendienst Here (mittlerweile in Hand deutscher Automobilkonzerne), der Versicherungskonzern Allianz und der Technologie-Thinktank Core sind an Bord.

Gmail Passwort zurücksetzen.

Wozu soll die „wettbewerbsfähige, europäische Antwort auf internationale Plattformwirtschaft“ denn gut sein und wie genau funktioniert das technisch überhaupt? Die verfügbaren Antworten auf diese Fragen sind etwas dürftig – denn noch befinden wir uns erst beim Startschuss, die entsprechende Absichtserklärung wurde kürzlich von den Beteiligten unterschrieben. Neben dem Zugang zu Online-Angeboten werden auch die Dienste der Behörden in Aussicht gestellt, später könnten sogar Bezahlfunktionen hinzu kommen.

Die Server stehen in Deutschland

Ob man also mit einem einzigen Zugang Onlinebanking bei der Postbank, Carsharing bei Daimler und den Online-Bereich der Allianz nutzen können wird, das bleibt abzuwarten. Begrüßenswert ist der Verstoß, zumal er das reformierte EU-Datenschutzrecht als auch die eIDAS-Verordnung berücksichtigen soll. Zusätzlich wird die neue Plattform „kompatibel zu laufenden Vorhaben des Bundes, der Länder und der Kommunen, wie etwa den Bürgerportalen“ sein.

Gegenüber dem Branchendienst Meedia erklärte ein Sprecher der Deutschen Bank: „Die Server der neuen Plattform sollen in Deutschland stehen.“ Wer sich ein wenig mit Datenschutz beschäftigt hat, weiß: Das ist weder bei Facebook, Google, Apple oder Amazon der Fall und könnte ein gewichtiges Pro-Argument für den „deutschen Generalschlüssel“ sein.

Quellen: Daimler, FAZ, heise, Meedia

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