Edward Snowden: „Geheimdienste haben Vollzugriff auf eure Smartphones“

Tuan Le 26

Ex-Geheimdienstmitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden wird nicht müde, die Methoden der US-amerikanischen Geheimdienste zu enthüllen. In einem neuen Interview mit BBC Panorama spricht Snowden vor allem über Smartphones: Seinen Angaben zufolge können sich die Nutzer kaum gegen Zugriffe durch die NSA und die britische GCHQ wehren und bemerken häufig nicht einmal, dass sie ausspioniert werden. Ausgerechnet „Schlümpfe“ werden von den Geheimdiensten als Bezeichnung für die Handy-Spionage-Tools verwendet.

Edward Snowden: „Geheimdienste haben Vollzugriff auf eure Smartphones“
Bildquelle: Laura Poitras, Praxis Films / Wikimedia Commons.

Edward Snowden sorgt mit seinen Erzählungen über die Macht der internationalen Geheimdienste bei so manchem Smartphone-Nutzer für graue Haare. Wie der Whistleblower unlängst verriet, nützt es nicht einmal, das Smartphone auszuschalten oder auf verdächtiges Verhalten hin zu untersuchen: Laut Snowden verfügen sowohl der US-Geheimdienst NSA als auch die britische Regierungsbehörde GHCQ über eine Reihe von Tools, die nach Schlümpfen (englisch: „Smurfs“) benannt sind und eine nahezu allumfassende Kontrolle über das Handy ermöglichen.

Mit dem „Dreamy Smurf“ können die Agenten etwa Smartphones nach Belieben Ein- oder Ausschalten, um beispielsweise während der Nachtruhe des Besitzers unbemerkt auf das Gerät zugreifen zu können. Der „Nosey Smurf“ diene dagegen dazu, um das Mikrofon unbemerkt zu aktivieren und Sprachaufnahmen von der Umgebung anzufertigen. Auch der Standort der Nutzer sei für Geheimdienste leicht zu ermitteln mit dem „Tracker Smurf“, der eine präzisere Lokalisierung ermögliche als die typische Lokalisierung über Mobilfunk-Sendemasten es erlaubt. Mit weiteren Tools, so Snowden, können die Geheimdienste auch Anrufe und Nachrichten einsehen, Browserverläufe und Kontakte sichten, die mit dem Smartphone genutzten WLAN-Netzwerke ermitteln und sogar unbemerkt Fotos vom Nutzer machen.

Zugriff auf das Smartphone per SMS

Laut Snowden ist es für den Zugriff lediglich notwendig, eine verschlüsselte SMS an den jeweiligen Nutzer zu versenden. Diese wird dem Nutzer nicht einmal angezeigt, sodass man im Prinzip keine Chance hat, etwas von dem Zugriff zu bemerken. Selbst wenn der Besitzer Verdacht schöpfen sollte, gibt es mit dem „Paranoid Smurf“ ein entsprechendes Tool, dass es selbst Fachkräften schwer macht, einen unbefugten Zugriff auf das Gerät festzustellen. Snowden gesteht selbst ein, dass die Geheimdienste diese Methoden nicht im großen Stil zur Massenüberwachung einsetzen. Zumindest ist aber offenkundig, dass eine Menge Ressourcen in die Erforschung solcher Technologien investiert werden und die eigene Privatsphäre ziemlich schlechte Karten hat, sobald man ins Visier der Agenten gerät. Dass Snowden keine Märchen erzählt, sieht man an ähnlich funktionierenden Android-Sicherheits-Tools, etwa Avast Mobile Security. Diese kann unter Normalbedingungen ebenfalls nicht entdeckt werden. Im Falle eines Diebstahls kann man ein mit dieser Software ausgestattetes Smartphone ebenfalls per unentdeckbaren SMS fernsteuern und beispielsweise Fotos vom Dieb aufnehmen.

Offiziell heißt es, dass die Erhebung der Daten lediglich zur Bekämpfung schwerwiegender Straftaten dient, etwa Terrorismus und pädophile Kriminalität und im Zuge dessen eine umfassende Überwachung des Datenverkehrs notwendig ist. Dementsprechend sehen die Regierungen Snowdens Enthüllungen als eine Gefahr für die nationale Sicherheit, während dieser das Fehlen einer demokratischen Legitimierung solcher Methoden sowie die ausbleibende Transparenz über deren Einsatz kritisiert.

Quelle: BBC

Abhörsicher(er) telefonieren:

Nokia 3310 bei Amazon kaufen *

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* gesponsorter Link