Edward Snowden: Provider liefern Daten an Regierungen – gegen Geld

Stefan Bubeck

Journalisten aus mehreren Ländern versammelten sich gestern in München in den Räumlichkeiten der Süddeutschen Zeitung, denn Edward Snowden gab ein ausführliches Video-Interview. Wir haben für euch eine kurze Zusammenfassung.

Wenn der im russischen Exil lebende Whistleblower Edward Snowden sich zu Themen wie Sicherheit und Pressefreiheit äußert, hat das Gewicht. Der ehemalige CIA-Mitarbeiter enthüllte zahlreiche Methoden der internationalen Geheimdienste, die zum großen Teil an Gesetzen und Regierungsvorgaben vorbeiagierten und wurde dafür 2014 für den Friedensnobelpreis nominiert – wenngleich die USA weiter die Auslieferung Snowdens wegen Hochverrats fordern. Das Global Editors Network hat am Mittwoch in München 14 Journalistenteams aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Rumänien und Frankreich zum „Editor’s Lab“ versammelt, Snowden wurde per Google Hangouts live zugeschaltet. Hier einige Auszüge aus dem Gespräch.

Anmerkung: Die Zitate sind von uns sinngemäß gekürzt und aus dem Englischen übersetzt worden.

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Telekommunikationsunternehmen verkaufen Vorattsdaten an die Regierung

„Ich vermute, dass das überall auf der Welt in zunehmender Häufigkeit passiert (…) Telekommunikationsunternehmen speichern unsere Daten nicht nur für ein Jahr, sondern für immer. (…) Sie fragen sich: Warum sollten wir auf eine Anordnung warten, mit der uns die Regierung dazu zwingt, Informationen herauszugeben? Was wäre, wenn wir Ihnen den Zugang als Serviceleistung verkaufen würden?“

Journalisten müssen nicht nur Gesprächsinhalte schützen, sondern auch die Quellen

„Wo immer Sie ihr Handy mit sich tragen, werden Registrierungsdaten bei den jeweils nächstgelegenen Funkmasten erzeugt. Dasselbe passiert mit den Menschen (Anm.: Informanten), mit denen Sie sich treffen. Nun, ich will nicht die Person sein, die einen Aluhut trägt und sagt, Sie können ihrem Handy nicht vertrauen und dürfen solche Geräte nicht benutzen – aber Sie müssen sich bewusst sein, wann Sie den Inhalt eines Gesprächs schützen wollen und wann Sie eine höhere Stufe der Sicherheit benötigen: Dann, wenn Sie die Anonymität der beteiligten Gesprächspartner schützen wollen. (…) Und wenn es keinen Beleg dafür geben darf, dass sich Ihre beiden Handys zur gleichen Zeit im selben Parkhaus befanden.“

„Sie können das am besten verschlüsselte Gerät der Welt besitzen – falls die Regierung eine Million US-Dollar an einen Hacker bezahlt, um ihr Handy persönlich auszuspähen, dann wird das wahrscheinlich Erfolg haben. (…) Zur Zeit ist die Wahrheit: Angriff ist leichter als Verteidigung.“

Computerbasierte Konflikte

„In einem computerbasierten Konflikt haben wir (die USA) mehr zu verlieren. Wir könnten Russland zehnmal hacken, es würde weniger Schaden anrichten als ein Hack gegen uns. Wir könnten Nordkorea tausendmal hacken und der Schaden werde geringer, als ein erfolgreicher Hack gegen uns. Das ist kein Spiel, auf das wir uns einlassen sollten – warum tun wir es dann trotzdem? (…) Die Politik ist kurzsichtig, weil das nicht öffentlich diskutiert wird.“

Das komplette Interview findet ihr auf YouTube.

Video: Edward Snowden’s Interview with Dan Gillmor — Süddeutsche Zeitung Editors Lab

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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