Unsere Google-Suchanfragen und Klicks verraten unsere persönliche Interessen – wer das verschleiern will, bekommt mit „Internet Noise“ ein neues Tool, das statt für Tarnung für Ablenkung sorgt.

 

Sicherheit

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Wir haben es in zahlreichen Action-Filmen gesehen: Eine wärmesuchende Rakete ist einem Flugzeug auf den Fersen und droht, es zu zerstören. Der Pilot rettet sich, indem er „Decoy Flares“ nutzt – eine Ladung Täuschkörper gegen Lenkwaffen. Die Rakete erkennt die Wärmequelle des Ziels nicht mehr und verfehlt es. Eine gute Ablenkung ist manchmal effektiver, als sich zu verstecken. Das funktioniert auch im Browser – einigermaßen zumindest.

Internet Noise: Der Browserverlauf ergibt keinen Sinn mehr

Der Programmierer Dan Schultz (Twitter-Profil) hat mit Internet Noise einen Dienst gebastelt, der mit einem Klick einen neuen Browsertab öffnet, in dem alle paar Sekunden eine zufällige Suchanfrage nach der anderen an Google gerichtet wird. Um zu starten, genügt das Auslösen des Button „Make some noise“, danach geht die Irrfahrt des Tabs durch eine schier endlose Reihe scheinbar beliebiger Suchbegriffe los. Ein Klick auf „STOP THE NOISE“ beendet den Ablenkungsservice. Die aktuelle Version des Dienstes nutzt eine Liste der 4000 häufigsten Substantive und wählt daraus aus, Schultz arbeitet aber offenbar schon an einer verbesserten Variante, die plausiblere Begriffe verwendet.

Was das soll und wieso das für mehr Privatsphäre sorgt, ist ganz leicht nachzuvollziehen: Wer „Internet Noise“ während dem Surfen im Netz eine halbe Stunde lang im Hintergrund laufen lässt und dann mal in den eigenen Browserverlauf schaut, sieht eine weitestgehend sinnfreie Abfolge von besuchten Seiten. Ob „Tote Hühner“ oder „Schnitzel Bürgersteig“ – es ist alles dabei und irgendwo in diesem Haufen Unsinn sind die eigentlichen Absichten des Benutzers versteckt.

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Es geht um Aufmerksamkeit für das Thema Privatsphäre

Schultz‘ Dienst soll keine absolute Anonymität oder Rundumsicherheit für Internetnutzer bieten, dafür ist die grundlegende Idee technisch zu simpel ausgeführt. Darum geht es ihm aber auch nicht, der Programmierer möchte Aufmerksamkeit schaffen – für die Themen Tracking und Privatsphäre. Aktueller Hintergrund ist, dass amerikanische Internetanbieter (ISP) zukünftig die Browserverläufe ihrer Kunden für Marketing- und Werbezwecke nutzen dürfen. Das Abgeordnetenhaus hat dies gestern beschlossen, die Entscheidung benötigt nur noch die Unterschrift von US-Präsident Trump, um in Kraft zu treten.

Derzeit feuert Internet Noise nur englische Begriffe raus, im Browserverlauf eines deutschsprachigen Nutzer also relativ leicht zu erkennen was Ablenkung und was „echt“ ist.

Quellen: Internet Noise, Wired, Süddeutsche Zeitung