Keine Gnade für ISIS im Internet – Zahl des Tages

Stefan Bubeck

Die britische Regierung hat ein neues Software-Tool vorgestellt, das Internet-Videos analysiert und Terror-Propaganda anhand typischer Merkmale selbstständig erkennt. Die Trefferquote der künstlichen Intelligenz ist beeindruckend hoch und könnte die Kommunikation der Terror-Netzwerke entscheidend schwächen.

Keine Gnade für ISIS im Internet – Zahl des Tages
Bildquelle: Getty Images / Malchev.

Tausende Videos auf über 400 Plattformen dienen Terrororganisationen wie dem sogenannten „Islamischen Staat“ (auch „IS“ oder „Daesh“) dazu, neue Rekruten zu gewinnen. Sie deuten eine friedfertige Religion für ihre Zwecke um und rufen gezielt westlich sozialisierte Muslime auf, sich einem Krieg für einen „Kalifatstaat“ anzuschließen. Videos mit Untertiteln in verschiedenen Sprachen tauchen überall im Netz auf – bis die Video-Plattformen reagieren können, haben sich längst tausende Menschen die Gehirnwäsche angeschaut. Besonders bei kleinen Plattformen wie Vimeo oder pCloud fehlt es zudem an Technologie und finanziellen Mitteln, effektiv und breitflächig gegen Terror-Propaganda vorzugehen.

Mit maschineller Intelligenz gegen ISIS-Videos

Im Auftrag der britischen Regierung hat das Start Up ASI Data Science nun ein Tool entwickelt, das mittels künstlicher Intelligenz 94 Prozent aller IS-Video-Uploads eigenständig erkennt. Alles, was die Software als potenzielles IS-Material identifiziert, wird markiert und kann dann einem Menschen zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Genauigkeit beim Aufspüren beträgt 99,995 Prozent, sodass nur ein winziger Anteil des gefundenen Materials fälschlicherweise markiert wird. Das Tool wurde tausende Stunden lang darauf trainiert, die Videos des IS zu finden – andere extremistische Inhalte, etwa von Neonazis, werden noch nicht erkannt.

Die Entwicklung der Software hat rund 675.000 Euro gekostet. Die Details des Algorithmus sind geheim, das soll verhindern, dass Terroristen ihre Propaganda daran anpassen können, um doch nicht entdeckt zu werden.

Große Konzerne wie Facebook oder Google (YouTube) arbeiten an eigenen Lösungen, um Terror-Propaganda zu erkennen, die von ASI Data Science vorgestellte Software soll vor allem kleineren Plattformen zur Verfügung gestellt werden. Diese werden „zunehmend von Daesh und seinen Unterstützern ins Visier genommen, und sie verfügen oft nicht über die gleichen Ressourcen, um Technologien zu entwickeln“, so die Pressemitteilung des britischen Innenministeriums. Erste Gespräche mit Vertretern des Silicon Valley sind bereits angekündigt. Allein im zweiten Halbjahr 2017 sind neue extremistische Videos bei 145 kleineren Plattformen aufgetaucht, die nie zuvor für diese Zwecke missbraucht wurden.

Quellen: BBC, Gizmodo, ASI Data Science, UK Home Office

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