Organisierter Klickbetrug: Wohnung mit 474 iPhones und 350.000 SIM-Karten entdeckt

Johann Philipp 3

In Thailand wurde am Sonntag eine Click-Farm entdeckt, drei Männer sind nun in Haft. Die Polizei fand in der Wohnung fast 500 aktive Smartphones und rund 350.000 SIM-Karten.

Organisierter Klickbetrug: Wohnung mit 474 iPhones und 350.000 SIM-Karten entdeckt
Bildquelle: Pixabay, CC0.

„Click fraud“, zu deutsch: Klickbetrug, macht einen signifikanten Teil des Internetverkehrs aus. Das hat einen einfachen Grund: In allen Bereichen des Online-Marketings kommt es vor allem auf die Klickzahlen an. Wie oft wird meine Seite aufgerufen? Wie häufig klickt ein Kunde auf einen Werbebanner? Wie viele Likes hat mein Unternehmen bei Facebook? Je mehr Klicks und Likes desto besser. Die Facebook-Nutzerin Jiggie Jaa hat Fotos von der Click-Farm-Wohnung gepostet:

500 Smartphones und 350.000 SIM-Karten

Die drei festgenommenen Chinesen hatten in einer Wohnung in der Stadt Aranyaprathet mehrere Gestelle für die insgesamt 500 Smartphones gebaut. Jedes dieser Rigs war über Monitore verbunden. In Kisten und auf dem Boden lagerten 350.000 SIM-Karten, die die Männer über die nahe Grenze zu Kambodscha geschmuggelt hatten. Zudem hatten sie keine Erlaubnis in Thailand arbeiten zu dürfen. Auf dem Twitter Account English Russia wurde ein Video von einer anderen Click-Farm gepostet:

Bilderstrecke starten
16 Bilder
Datenschutz-Thementag bei GIGA: Das sind die Tipps der Redaktion.

SIM-Karten in Thailand nur mit Ausweis

Die Behörden in Thailand gehen scharf gegen die Click-Farmen vor. Prepaid-Karten kann man dort nur nach Vorlage des Ausweises kaufen. Auch in China ist das ähnlich: Sobald mehrere Karten gekauft werden, muss der Ausweis gezeigt werden. In Deutschland kann man aktuell ohne Ausweis eine Prepaid-Karte kaufen. Doch es gibt schon einen Beschluss, der das ändern wird. Ab dem 1. Juli muss ein Ausweis beim Kauf vorgelegt werden.

Woher die Männer die extreme Menge an Karten hatten, ist unklar. Wir erkennen auf den Bildern überwiegend iPhones. Warum haben die Betrüger keine Smartphones mit Dual-Sim Funktion verwendet – sie hätten sie die Hälfte der Geräte sparen können:

WeChat Werbung manipuliert

Das Ziel der Männer war es, Chinas größte Chat-App WeChat zu manipulieren. Der Dienst funktioniert ähnlich wie WhatsApp und hat eigentlich wenig Probleme mit Klickbetrug, weil es auf privaten Unterhaltungen basiert. Doch 2015 wurde eine neue Newsfeed-Funktion vorgestellt, die auch bezahlte Werbung in den Feed der Nutzer bringt. Diesen Feed haben die drei Männer mit ihren Klicks manipuliert, sodass die Werbung eines Unternehmens möglichst weit oben erschien.

Was sind Click-Farmen?

Einige Unternehmen erhöhen ihre Klicks und Likes durch sogenannte Click-Farmen. Dabei handelt es sich um meist einfache Wohnungen, in denen Hunderte Smartphones bereit liegen. Die „Mitarbeiter“ schreiben entweder ein Programm, dass automatisch die Facebook Seite liked – das sind dann die sogenannten Bots, oder sie kümmern sich selbst darum und klicken die Seite an. Facebook weiß über diese Methode natürlich auch längst Bescheid und macht es vor allem den Bots schwieriger, auf diese Weise Klickzahlen zu generieren. Wir kennen das durch die lästige Captcha-Abfrage, bei der wir Zahlen und Wörter auf einem Bild erkennen müssen, um zu bestätigen, dass wir kein Roboter sind.

Google und Facebook können es nicht unterbinden

Vor allem in Thailand, Bangladesch und Indonesien sind die Click-Farmen vorhanden. Die Arbeiter werden dafür bezahlt, manuell die Facebook-Seite zu liken oder auf Werbebanner zu klicken. Für Facebook und Google ist es schwer, das zu unterbinden, weil es sich um echte Profile handelt und eben nicht um automatisch generierte Bots.

Von den 1,18 Milliarden aktiven Facebook-Nutzern sind Schätzungen zufolge 14 Millionen gefälscht. Bei Twitter sind die Zahlen noch höher, fast jedes zehnte der 232 Millionen Profile ist gefälscht, berichtet Zero Hedge.

Kosten sind gering – 12 US-Dollar für 1.000 Fans

Die Kosten der Click-Farmen sind oft so niedrig, dass der Handel mit Likes ein lukratives Geschäft ist. 1.000 Instagram Fans kosten rund 12 US-Dollar, 1.000 Klicks bei Soundcloud 9 US-Dollar. Für eine Million Fans werden 600 US-Dollar fällig.

Auf die die drei Chinesen wartet jetzt nicht der Kontrabass, sondern das Gefängnis mit bis zu 5 Jahren Haft.

Quelle: Motherboard, Bangkokpost

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* gesponsorter Link