Smartphone-Sucht: Angeblich 280 Millionen Menschen betroffen

Kaan Gürayer 10

Der Übergang vom Genuss zur Sucht kann oftmals fließend sein: Ein Glas Rotwein zum Abendessen hier, ein Bierchen nach Feierabend dort – und Schritt für Schritt wird aus dem „Gesellschaftstrinker“ ein Alkoholiker. Ob sich diese düstere Beschreibung aber auch auf Smartphone-Nutzer übertragen lässt? Flurry zufolge, einem aufs mobile Marketing spezialisierten Werbeunternehmen, sollen weltweit 280 Millionen Menschen süchtig nach ihrem Smartphone sein. 

Smartphone-Sucht: Angeblich 280 Millionen Menschen betroffen

Laut dem Lexikon der Psychologie bezeichnet Sucht das „unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums“. Das lässt natürlich großen Interpretationsspielraum zu. Ab wann wird zum Beispiel der ständige Blick auf Smartphone zum „unabweisbaren Verlangen“? Geht es nach Flurry, öffne ein ein durchschnittlicher Nutzer zehn Mal am Tag eine App und benutzt sie. Ein „Addict“ hingegen, also ein Süchtiger, täte dies sechsmal häufiger – also täglich 60 Mal. Nach dieser Definition seien im zweiten Quartal 2015 weltweit ganze 280 Millionen Menschen süchtig nach ihrem Smartphone gewesen. Ein Plus von mehr als 100 Millionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hätten die „Süchtigen“ ein eigenes Land, so Flurry, wäre es nach China, Indien und den USA die viertgrößte Nation der Welt. Am häufigsten würden dabei Apps von Messaging- und Social-Apps à la WhatsApp und Facebook genutzt.

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In die selbe Kerbe schlägt auch der „Trends In Consumer Mobility Report“ der Bank of America. Das Bankhaus hat ein Marktforschungsunternehmen damit beauftragt, die Smartphone-Nutzung in den USA unter die Lupe zu nehmen. Dabei kam die repräsentative Studie mit 1.000 Teilnehmern zu einigen interessanten Ergebnissen. Auf die Frage, wo das Smartphone in der Nacht während des Schlafens sei, antworteten ganze 55 Prozent, dass es auf der Nachtkommode liegen würde. Der mobile Begleiter ist also in direkter Griffweite. Das überrascht nicht – denn immerhin wird das Smartphone ja oft als Wecker verwendet. Etwas erschreckender waren da schon die Antworten, woran die Befragten nach dem wach werden als erstes denken? Auf Platz 1 landete doch tatsächlich das Smartphone. Erst mit weitem Abstand folgten dann der morgendliche Kaffee und das Zähneputzen. An die bessere Hälfte, auf Platz 4, würden nach Aussagen der Befragten gerade einmal 10 Prozent denken.

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Keine sozialwissenschaftliche Studie ist neutral

Beeindruckende Zahlen, die Flurry und der „Trends In Consumer Mobility Report“ hier vorlegen. Jedoch ist vor allem bei den Ergebnissen von Flurry etwas Skepsis angebracht, da die Grenzziehung zwischen „normalem Verhalten“ und „Sucht“ dann doch recht willkürlich erscheint. Zudem ist grundsätzlich keine sozialwissenschaftliche Studie neutral, da die Ergebnisse einerseits von den Forschern interpretiert werden, andererseits allein die Art und Weise der Fragestellung Teilnehmer in die ein oder andere Richtung lenken kann.

Aber wie ist denn eure ganz persönliche Beobachtung: Hat die Zahl der „Smartphone-Süchtigen“ zugenommen? Gehört ihr vielleicht selbst zu den „Addicts“? Sagt es uns in den Kommentaren.

Quelle: FLURRY, Bank of America, Lexikon der Psychologie via: Mobile Zeitgeist

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