Welche Partei passt zu mir? Diese Smartphone-App hilft bei der Europawahl 2019

Stefan Bubeck 2

„WahlSwiper“ funktioniert fast wie Tinder und vergleicht deine Antworten mit denen aus der Politik, um das perfekte Match in Form einer Partei zu finden, die du bei der Europawahl am 26. Mai 2019 wählen könntest. GIGA hat die Smartphone-App ausprobiert.

Europawahl 2019: Wen soll ich wählen und um welche Themen geht es überhaupt?

Die Europawahl 2019 steht vor der Tür: Abschaffung des Euro, verbindliche Klimaziele, eigene Europa-Armee – Ja oder Nein? „Beantworte per Swipe Fragen zu aktuellen Themen und wir sagen dir, welche Parteien zu deinen Positionen passen“ – so beschreibt Movact aus Berlin seine Wahl-O-Mat-Alternative fürs Smartphone. Die App ist für iOS und Android erhältlich, der Dienst kann aber auch einfach im Browser genutzt werden, indem man die WahlSwiper-Webseite öffnet.

WahlSwiper
Entwickler: MOVACT
Preis: Kostenlos

WahlSwiper - Finde deine Partei bei Wahlen
Entwickler:
Preis: Kostenlos

Welche Partei passt am besten zu mir? Welche Argumente bieten die politischen Lager in den verschiedenen Themengebieten? Die eigenen Antworten gibt man per Wisch („Swipe“) nach links oder rechts ab – das kennen wir von der Dating-App Tinder. Auf 35 aktuelle Fragen zur Politik muss man antworten, dann bekommt man eine Wahlempfehlung für die Europawahl 2019 in Form einer Liste. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt dieses Video zur Bundestagswahl 2017 :

WahlSwiper zur Bundestagswahl 2017 - tinderleicht deine Partei finden - Trailer.

WahlSwiper für die Europawahl 2019: Schnelle politische Entscheidungsfindung

Wir haben uns innerhalb von drei Minuten durch die Fragen zur Europawahl 2019 geswipt und ein nachvollziehbares Ergebnis erhalten. Fragen können optional doppelt gewichtet werden, um ihnen einen größeren Einfluss auf die Partei-Vorschläge am Ende zu geben. Wenn man sich unsicher ist, kann man Fragen auch einfach überspringen, indem man oben auf den Pfeil nach rechts tippt.

Die Menschen hinter der App WahlSwiper sind nach eigenen Angaben „ein Team aus Journalisten, Politik-Studenten, App-Entwicklern, Grafikern, Freiwilligen und Videoproduzenten, das gemeinsam in seiner Freizeit an dem Projekt gearbeitet hat. Die Inhalte erarbeiten wir gemeinsam mit unabhängigen Partnern, beispielsweise Universitäten.“

WahlSwiper ist aktuell für 7 Länder verfügbar (deshalb auch bekannt als „VoteSwiper“), das sind derzeit Deutschland, Italien, Frankreich, Schweden, Finnland, Tschechien und Österreich. Weitere Länder sollen folgen.

Für Amazon-Echo-Besitzer interessant: Der WahlSwiper lässt sich auch per Alexa aufrufen. Dazu muss der kostenlose Alexa-Skill „WahlSwiper“ von MOVACT installiert sein.

Fazit: WahlSwiper ist gut und einfach, aber nicht ausreichend für eine solide Wahlentscheidung

Politische Fragestellungen auf eine Ja-oder-Nein-Antwort zu verkürzen, ist ein sehr pragmatischer Ansatz. Movacts Projektmanager Matthias Bannert hat dafür eine simple Begründung: Auf dem Wahlzettel kann man auch nur ein Kreuz machen. Da hat er recht und im Rahmen der App und für das, was sie leisten soll, ist das absolut in Ordnung.

Das einfache Prinzip und die App an sich haben natürlich auch ihre Grenzen und kleinere Schwächen. So vermissten wir beim Ausprobieren weitergehende Infos zu den Fragen. Nicht jeder Nutzer weiß bei Frage 26 „Soll Deutschland CETA in Kraft setzen?“ auf Anhieb, dass es um das Wirtschafts- und Handelsabkommen EU-Kanada geht. Zum Bereich IT (z.B. Urheberrecht im Internet) war keine Frage zu finden, obwohl es dazu sicherlich unterschiedliche Ansätze gäbe, die man abfragen könnte. Positiv: Das Team von Movact versucht, den WahlSwiper stetig zu verbessern.

Einen jahrelangen Prozess der politischen Meinungsbildung durch Lesen, Diskutieren und Nachdenken kann WahlSwiper aber beim besten Willen nicht ersetzen. Manchmal findet man seine eigenen Antworten eben nur, wenn man alle Argumente betrachtet hat und dann noch einmal darüber schläft. Ein schnelles Wischen nach links oder rechts könnte so gesehen sogar zu falschen Entschlüssen führen, die man eines Tages bereut. Immigration, Volkswirtschaft oder Umweltpolitik sind nur drei Beispiele für komplexe Themen, bei denen man sich – nicht nur als junger Wähler – etwas mehr Zeit nehmen sollte.

Uns hat der WahlSwiper gefallen, er dürfte vor allem politisch unerfahrenen Wählern dabei helfen, sich zurechtzufinden. Denn mal ganz ehrlich: Wer liest sich schon alle Parteiprogramme durch? So bekommt man wenigstens für diese 35 Fragen sehr zügig die dazugehörigen Antworten und zudem einen guten Überblick über die vielen Facetten der aktuellen Politik. Das alleinige Entscheidungskriterium bei der Europawahl 2019 sollte die App aber nicht sein.

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