Deutschland sagt Sorry: Neue Kampagne der Bundesregierung - Echt oder Fake?

Selim Baykara

Die Kampagne „Deutschland sagt Sorry sorgt“ derzeit für Aufregung in den sozialen Medien. Auf der entsprechenden Webseite findet man ein professionell produziertes Video, in dem sich die Bundesregierung bei den Verlierern der Agenda 2010 entschuldigt. Angeblich kann man sogar ein handsigniertes Schreiben von Bundespräsident Joachim Gauck erhalten, wenn man sich meldet und schreibt wie man benachteiligt wurde. Was hat es damit auf sich?

Deutschland sagt Sorry Banner

Die Sozialreformen der Agenda 2010 sorgten seinerzeit für viel Aufsehen und sind wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum die SPD einen Großteil ihrer Stammwähler verprellte und seit Jahren im Umfragetief dümpelt. Experten bescheinigen den Maßnahmen der Agenda 2010 zwar letztlich einen maßgeblichen Erfolg beim Umbau des Sozialstaats - dass es dabei viele Verlierer gab, ist aber auch klar. Genau bei diesen möchte sich die Bundesregierung jetzt mit einer speziellen Webseite entschuldigen. Bitte was…?

Deutschland sagt Sorry: Das Bundesministerium für Arbeit entschuldigt sich

Der Webauftritt nennt sich Deutschland sagt Sorry und richtet sich augenscheinlich an alle Menschen, die von der Agenda 2010 benachteiligt wurden. Ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit und Soziales spricht in einem Video „den Verliererinnen und Verlierern der Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 Dank und Entschuldigung aus“ - als Schirmherr der Initiative fungiert angeblich Bundespräsident Joachim Gauck.

Schaut euch hier das Video der Kampagne an:

Die Begründung, warum man die Initiative ins Leben gerufen habe, klingt zunächst vernünftig: Politik solle auch Missstände benennen - deshalb sei es erforderlich, umstrittene Themen wie die Agenda 2010 zu diskutieren und auch die Schattenseiten der Sozialreformen aufzuzeigen. Es kommt aber noch besser: Wer sich angesprochen fühlt, soll sich beim Ministerium für Arbeit und Soziales melden und seine ganz persönliche Geschichte erzählen - als Dank bekomme man dann ein „handsigniertes Entschuldigungsschreiben von Bundespräsident Joachim Gauck“. Stimmt das wirklich?

Deutschland sagt Sorry - Fake oder echt?

Eigentlich kann man es sich ja schon denken: Bei der Kampagne Deutschland sagt Sorry, handelt es sich nicht um eine echte Initiative der Bundesregierung. Hinter der Geschichte steckt in Wirklichkeit das Medien-Kollektiv Peng! aus Berlin.

  • Peng ist ein Zusammenschluss von Künstlern und Aktivisten, die eigenen Angaben zufolge mit neuen Protestformen experimentieren und auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen wollen.
  • In der Vergangenheit sorgte Peng bereits wiederholt mit einigen Fake-Kampagnen für Aufmerksamkeit, zuletzt z.B. mit der Vattenfall Responsibility Initiative.
  • Dabei gaben sich ein Aktivist von Peng 2015 in der Zentrale des Energie-Konzerns als Pressesprecher von Vattenfall aus und sorgte für einige Verwirrung in den Medien.

In einem Gespräch mit dem Internet-Watch-Blog mimikama erläuterten die Macher von Deutschland sagt Sorry ihre Motive:

Wir denken dass die Agenda 2010 eine sozialpolitische Katastrophe ist, und dass das Thema der sozialen Ungleichheit in Deutschland unterbeleuchtet bleibt. Deutschland ist ein der reichsten Länder der Welt, dieses Reichtum basiert aber auf einer ausgeprägten gesellschaftlichen Spaltung, die unter anderem von dem Hartz IV System bewirkt und vertieft wurde. Deshalb dachten wir, es ist an der Zeit, das zu thematisieren und das Bundesministerium in die Verantwortung zu ziehen. Gleichzeitig versuchen wir mit der „Sorry“ Kampagne zu thematisieren, dass die Politik eigentlich gar kein Interesse an einer Systemveränderung im Sinne einer sozialen Gleichheit, sondern – wenn überhaupt – nur leere Floskeln und kleine Gesten von oben herab zu bieten hat.

Ob das gelingt bleibt abzuwarten - die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien hat sich Peng in jedem Fall gesichert. Wir meinen: Im Vergleich mit den üblichen Fake-Stories und Hoax-Meldungen auf Facebook und Co. ist die Deutschland-sagt-Sorry-Kampagne ein erfrischende Abwechslung - auch wenn die Geschichte nicht echt ist.

Facebook: Belohnung für Mitgliedschaft - Echt oder Fake?

Bildquellen: Deutschland sagt Sorry

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