Tattoo-Steuer ab 2018 in Deutschland? Fake-News eskaliert bei Facebook

Martin Maciej

Steuern sind wichtig und für den Erhalt einer Gesellschaft essentiell. Ob die eine oder anderen Steuer in Form und Höhe gerechtfertigt ist, darüber kann man streiten. Aktuell sorgt eine Meldung für Aufsehen, in denen der Bundestag eine „Tattoo-Steuer“ beschlossen haben soll.

Tätowierte sollen nach der Meldung demnach zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Wie und in welcher Form, dass soll nach der entsprechenden Nachricht derzeit von den einzelnen Bundesländern geprüft werden. Nicht nur die Community von Tattoofrei würde sich vermutlich die Hände reiben. Die entsprechende Meldung wurde in den sozialen Netzwerken binnen weniger Stunden zehntausendfach geteilt. Ein Skandal?

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Meldung zur Tattoo Steuer ist natürlich ein Fake

Nein, natürlich nicht. Vielmehr handelt es sich bei der Meldung um die Tattoo-Steuer um eine erneute Bestätigung, wie schnell und einfach ungeprüfte Fake-News ihren Weg wie ein Lauffeuer durch das Internet finden können.

  • Die Quelle der Meldung zur Tattoo-Steuer ist die Seite 24aktuelles.com.
  • Auf der Seite können alle Internetnutzer auf einfachem Wege ihre eigenen „News“ und Beiträge verfassen.
  • Die Betreiber selbst geben an, eine Plattform für spaßige Inhalte zu bieten.
  • Im „Über uns“-Teil der Seite wird erwähnt, dass die „Internetseite zur Unterhaltung dient“. Alle „News“ sind frei erfunden, keine der Meldungen „sollte ernst genommen werden“. Die Betreiber geben zudem selbst an, dass 24aktuelles nicht als „seriöse Informationsquelle“ genutzt werden soll.

Dennoch regen sich in den sozialen Netzwerken bereits tausende Nutzer über die angebliche Einführung einer Tattoo-Steuer auf. Der Disclaimer lässt sich schließlich nicht aus dem Vorschaubild bei Facebook oder Twitter ablesen und auch zur Beschreibung im unteren Teil der Seite scrollen nur die wenigsten tätowierten und nicht-tätowierten Nutzer.

Auch in den englischsprachigen Raum ist die Fake-News zur Tattoo-Steuer in Deutschland bereits durchgedrungen:

Tattoo-Steuer, Katzensteuer, Horror-Clowns: Augen auf beim Lesen

In der Meldung heißt es, dass „heute“, also am Donnerstag, den 26. Juli, 393 der insgesamt 630 Parlamentsangehörigen für die Einführung der Tattoo-Steuer gestimmt haben sollen. Die Mehrheit der Politiker soll ihre Freude über die Mehreinnahmen ausgedrückt haben.

Schaut man jedoch auf die offiziellen Termine der Sitzungswochen auf der Webseite des Deutschen Bundestags, erfährt man, dass im Juli keinerlei Sitzungen und demnach auch keine Abstimmungen stattfinden. Wie auch bereits bei der angeblichen Katzensteuer, der nicht vorhandenen Bedrohung durch Killer-Clowns und der Fake-News zur Legalisierung von Cannabis in Deutschland hat also eine kurze, falsche Meldung binnen weniger Stunden für viele aufgeregte Gemüter in den sozialen Netzwerken gesorgt. Wir geben euch Tipps, woran man Fake-News im Netz schnell und einfach erkennen kann.

Auch ab 2018 müssen Tätowierte also nicht mit Abgaben für ihre Kunstwerke auf der Haut rechnen. Bevor man sich bei Facebook und Co, voreilig über angebliche Skandal-Nachrichten aufregt, sollte man immer weitere Quellen prüfen und vor allem ungeprüfte Meldungen nicht gedankenlos mit anderen teilen.

Warnung auf WhatsApp und Co. erhalten: Wie reagiert ihr?

Was macht ihr, wenn ihr solche Kettenbriefe oder Warnungen bekommt? Löschen oder doch lieber mit anderen Leuten teilen? Nehmt an unserer Umfrage mit und erfahrt, wie sich die anderen Leser verhalten.

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