Oracle gibt OpenOffice wieder frei - und beendet offenbar Cloud Office

Peer Göbel

openoffice-org
Nach dem Proteststurm gegen Oracle im vergangenen Jahr, aus dem die OpenOffice-Alternative LibreOffice hervorging, hat sich das Software-Unternehmen nun aus der kostenlosen Office-Suite zurückgezogen und will die Entwicklung wieder an die Open-Source-Community zurückgeben. Auch eine kommerzielle Version von OpenOffice.org wird Oracle nicht mehr anbieten.

Oracles Presseerklärung vom Freitag hatte zunächst für wenig Wind gesorgt – nur wenige Seiten nahmen die Nachricht vor der Wochenendpause auf. Erst am Montag reagierte dpa nach einem Artikel von Till Kreutzer – und die deutsche Presse- und Netzlandschaft zog mit. Dabei ist die Datenbasis überschaubar: Oracle spricht in einer kurzen Presseerklärung davon, OpenOffice.org zu einem „rein Community-getriebenen Open Source Projekt“ zu machen und „keine kommerzielle Version von Open Office anzubieten“. Weitere Hintergründe und Rückfragen blieben bisher unbeantwortet – sowohl von Oracle wie von der Open Document Foundation.

In der Pressemitteilung äußert sich Edward Screven, Oracle’s Chef-Architekt, nur vage über die Beweggründe und das weitere Vorgehen: Oracle glaube, Open Office würde am besten von einer Organisation mit nicht-kommerziellem Hintergrund gemanagt. Die Zusammenarbeit mit „Community-Mitgliedern“ würde sofort aufgenommen werden. Oracle unterstütze weiterhin die Verbreitung von offenen Dokument-Formaten wie dem ODF. Außerdem kündigte Oracle an, die Investitionen im Open-Source-Bereich weiter zu verfolgen – vor allem für Linux und MySQL.

ooo
Oracle hatte erst Anfang 2010 Sun gekauft und somit den Rahmen für die weitere OpenOffice-Entwicklung vorgegeben. Im Herbst 2010 wurde die Organisation „The Document Foundation“ gegründet, die den nicht-kommerziellen Ausbau der offenen Formate garantieren wollte. So erschien LibreOffice und spaltete die Open-Source-Office-Gemeinde. Viele Entwickler zogen von der Oracle/Sun-Seite zur Document Foundation um, nachdem Oracle der Stiftung eine Absage zur Zusammenarbeit gemacht hatte. So erscheint auch unsicher, von wem OpenOffice.org in Zukunft weiterentwickelt wird – oder ob LibreOffice als Alternative der Foundation erhalten bleiben wird. Die Unterschiede zwischen den beiden Suiten sind für den User marginal – wie wir hier in einem Vergleich dargestellt hatten.

Wie The Register am Freitag berichtete, scheint gleichzeitig auch das „Cloud Office“-Projekt von Oracle auf Eis gelegt worden zu sein. Erst im Dezember hatte der Datenbank-Spezialist ein Online-Office auf der Basis von OpenOffice gestartet, das Google Docs und Microsoft Konkurrenz machen sollte.

Download OpenOffice.org
Das aktuelle OpenOffice von Oracle

Download LibreOffice 3.30
…und hier das aktuelle LibreOffice von The Document Foundation

Bild: OOo Wallpaper by Brian Lee, winner of the OpenSourcePal Contest 2006. License: LGPL

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