Freier Video-Codec AV1 soll alles besser machen

Marco Kratzenberg

Die „Alliance for Open Media“ (AOMedia) hat nun den gespannt erwarteten neuen, quelloffenen Codec AV1 fertiggestellt, der speziell für das Videostreaming entwickelt wurde. Bei Facebook wurde er schon getestet und als effektiv aber langsam bezeichnet. Hier die Infos…

Wenn ein Codec wie AV1 (AOMedia Video 1) als Verbesserung präsentiert wird, dann stellen sich in der Regel zwei Fragen:

  1. Besser im Vergleich zu wem?
  2. Worin liegen die Verbesserungen?

Wir wollen versuchen, diese beiden Fragen verständlich zu beantworten.

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Was kann AV1 besser – oder auch nicht?

In erster Linie bietet AV1 bei gleicher Qualität eine  rund 50-prozentig bessere Kompression als H.264. Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung:

  • Ein Film ist bei gleicher Qualität nur noch halb so groß und kann schneller geladen werden, oder
  • bei gleicher Dateigröße lässt sich die Bildqualität deutlich steigern.

Das kann für uns alle also ein Ende des Bufferings bei YouTube und auf Webseiten, schnellere Filmdownloads und bessere Auflösungen bedeuten. Aber da das ja auch in beiden Richtungen funktioniert, könntet ihr mit AV1 bald auch eure eigenen Videos bei Facebook, YouTube und Instagram in besserer Qualität und vor allem schneller hochladen.

Da gibt es derzeit nur ein Problem – den Encoder.

Es wird wieder Jahre dauern, bis Smartphones und Kameras den neuen Standard einbauen und ohne spezielle Konvertierungssoftware unterstützen. Bis dahin werdet ihr Videos in den bestehenden Standardformaten aufnehmen und müsst sie dann durch einen speziellen Encoder schicken, der sie ins AV1-Format umwandelt. Und hier liegt – laut den Tests der Facebook-Entwickler – noch ein Problem.

Die bislang vorliegenden Komprimierungstools- und Routinen sind deutlich langsamer als die Konkurrenz. Allerdings ist das in erster Linie ein Flaschenhals bei der Videoproduktion, der durch bessere Videos bei geringerem Speicher- und Bandbreitenbedarf wettgemacht wird. Facebook hat am 25. April angekündigt, AV1 zu unterstützen. Das bezieht sich augenblicklich aber auf eine frühere Entwicklungsversion von AV1 und das auch nur auf Chrome Canary, einer Spezialversion von Google Chrome. Sobald allerdings Chrome und Firefox den Standard implementiert haben, wird Facebook die Endversion von AV1 allen zur Verfügung stellen. Angesichts der Vorteile dieses Videoformats wird es aber sicher nicht lange dauern, bis wir bei Netflix und anderen Streaming-Diensten davon profitieren werden.

AV1 ist besser… als wer?

Der derzeitige Standard für Videokompression ist der Codec H.264, den sogar Steve Jobs als Codec für HTML5 wählte. Er wird in Browsern und Mediaplayern verwendet und ist weltweit verbreitet, auch wenn der Normalbürger das nicht weiß. Er wird zur Videokompression bei Blu-ray-Discs verwendet und auch für HD-TV-Filme – beispielsweise bei YouTube, Sky HD, ProSieben und RTL HD.

An dieser Messlatte müssen sich andere Codecs messen lassen, vor allem, wenn sie Verbesserungen versprechen. Als Nachfolger galten die Standards beziehungsweise Codecs H.265, VP9 und Daala. Sie lieferten bessere Kompressionsraten, aber das teilweise auf Kosten der Qualität.  Um besser zu sein, muss AV1 also noch stärker komprimieren, ohne die Bildqualität zu verschlechtern.

Nachdem du bei uns deinen Serien-Geschmack testen und herausfinden konntest, zu welchem "Game of Thrones"-Haus du gehörst, zeigen wir mit 13 einfachen Fragen, welcher Streaming-Anbieter zu dir passt. Lohnt sich ein Netflix-Abo? Oder soll der Service umfassend wie bei Amazon Prime sein? Am Ende gibt es eine kleine Auswertung.

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