Venezuela steckt mitten in einer Hyperinflation. Und weil die eigene Währung, der Bolivar, keinen Wert mehr hat, steigen immer mehr Einwohner nun auf digitale Währung um. Unter anderem auch aus dem deutschen Browser-Spiel Tibia.

 

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Die Situation in dem südamerikanischen Staat könnte nicht schlimmer sein, denn durch den niedrigen Ölpreis leidet die Wirtschaft des Landes. Dadurch sind zahlreiche Einwohner von Hunger und zunehmender Kriminalität bedroht. Um dem entgegen zu wirken will Regierungschef Nicolás Maduro sogar eine eigene Krypto-Währung einführen, wie unter anderem Spiegel Online berichtete. Doch die Bevölkerung des sozialistischen Landes ist laut einem Bloomberg Bericht schon weiter. Demnach habe sich bereits eine Ersatz-Währung gebildet, in Form von Ingame-Gold oder hochgelevelten Charakteren.

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Das Ingame-Gold und die Charaktere werden dann via Online-Marktplatz an andere Spieler verkauft und gegen US-Dollar oder Bitcoins eingetauscht. Wie Bloomberg berichtet, sei das aber kein allzu lohnendes Geschäft mehr, pro Tag erhalten die Farmer nur wenige Dollar. Den Grund dafür schaffen die Venezolaner wiederum selbst, durch immer mehr Spieler, also Waren-Anbieter, fallen auch die digitalen Preise, es kommt virtuell ebenfalls zur Inflation.

Im Video: So spielt sich Tibia

Beliebteste Spiele sind Runescape und Tibia

Beliebt seien vor allem Fantasy-Rollenspiele und PC-Browsergames. So ist vor allem das vom Regensburger CipSoft-Studio geschaffene Tibia weit verbreitet. Für die Venezolaner liegt der Vorteil auf der Hand. Durch das hohe Alter von knapp 20 Jahren läuft das Spiel auf älteren Rechnern, es gibt zahlreiche Spieler und die schwach ausgebaute Netz-Infrastruktur vor Ort tut ihr Übriges.

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Große Publisher wie etwa Blizzard gehen konsequent gegen solche Schwarzmarkt-Gepflogenheiten vor, der Weiterverkauf von Charakteren, Währung oder Ausrüstung ist dort in den Geschäftsbedingungen untersagt. Auch bei anderen Entwicklern werden regelmäßig Farm- und Fake-Accounts gelöscht. So haben die Macher von PlayerUnknown's Battlegrounds allein in diesem Jahr über 300.000 Accounts gebannt. Zum Vergleich: Die Entwickler von Runescape sperren etwa 10.000 Konten täglich.