Hass im Internet: Twitter wird von Nutzern missbraucht, um weibliche Entwickler loszuwerden

Daniel Nawrat

Durch einen fragwürdigen Tweet, haben zwei Personen ihren Job als Entwickler verloren. Nun sieht es so aus, als würden zahlreiche Leute dieses Ereignis als Präzedenzfall missbrauchen, um unliebsame Entwickler loszuwerden.

Vor ziemlich genau zwei Wochen hat sich die ehemalige ArenaNet-Mitarbeiterin Jessica Price äußerst kritisch auf ihrem Twitter-Account geäußert, was ihr letztlich den Job kostete. Was ist passiert? Auf Twitter dachte sie öffentlich über die Handlung von Guild Wars 2 nach. Ein Nutzer nahm diese Gedanken auf und antwortete, in der Hoffnung so eine rege Diskussion zu dem Thema zu starten. Sie nahm seine Antwort allerdings als persönlichen Angriff auf. Sie war der Meinung, dass es sich dabei um unterschwelligen Sexismus handelt. Dies teilte sie auch unmittelbar via Twitter mit, den du dir hier anschauen kannst:

Jessica Price: „Das heißt es, heutztage eine weibliche Spiele-Entwicklerin zu sein: ‚Erlaube mir – eine Person, die nicht mit dir arbeitet – deinen Job zu erklären.‘

Deroir: „Wirklich interessanter Thread! Aber, erlaube mir ein ‚bisschen‘ zu widersprechen. Ich glaube nicht, dass das eigentliche Problem im Genre MMORPG selbst liegt (wie dein Satz es vermuten lässt). Ich glaube, dass das eigentliche Problem, die Beschränkungen im narrativen Design der Lebendingen Welt ist“

Dieser Vorfall machte sehr schnell die Runde und wurde auch fließig auf reddit diskutiert. Schließlich endete alles damit, dass sie und einer ihrer männlichen Kollegen, der sie in der Sache verteidigt hat, gefeuert wurden. Dadurch entsteht nach außen hin natürlich schnell der Eindruck, als müsste der wütende Internet-Mob nur laut genug schreien, um unliebsame Personen loszuwerden.

Genau diese Befürchtung äußerten auch zahlreiche Entwickler und nun hat es den Anschein als würde sie sich tatsächlich bewahrheiten. Inzwischen häufen sich derartige Zwischenfälle, wie eurogamer berichtet. Dabei fällt auf, dass es in den meisten Fällen weibliche Entwickler sind, die in derartige Situationen gebracht werden. Das ging letztens sogar so weit, dass einige Nutzer eine Petition ins Leben riefen in der Hoffnung, dass die Entwicklerin Hazel Monforton gefeuert wird.

Hazel Monforton: „Endlich eine Sache, hinter der wir uns alle stellen können.“

Ein weiterer Zwischenfall erwischte die deutsche Opaque-Entwicklerin Jennifer Scheurle. Sie teile auf ihrem Twitter Account eine Nachricht, die ein Nutzer an Opaque weiterleitete. Dort wird ihr unter anderem vorgeworfen, sie würde ihre Social Media-Präsenz dazu nutzen, um dort den Hass auf das männliche Geschlecht zu verbreiten. Im selben Atemzug fordert besagter Nutzer das Unternehmen dazu auf, sich von dieser Mitarbeiterin zu trennen.

Jennifer Scheurle: „Ich teile normalerwiese solche Sachen nicht, aber ich will, dass ihr das alle seht.  Solche Geschichten, wie die um Jessica Price und ihr Entlassung bei ArenNet, haben ernsthafte Konsequenzen, die außerhalb dieser Firma wirken. Sie verbeiten sich wie ein Gift durch unsere ganze Industrie. Wir haben folgende Nachricht bei Opaque zu mir bekommen.

(Ausschnitt): ‚Sie informiert stetig falsch über Chancengleichheit von Frauen im Vergleich zu Männern innerhalb der Spieleindustrie, um ihre eigenen persönliche Agenda und Karriere zu verbessern.’“

Eine derartige Entwicklung wirft natürlich viele Fragen auf. Gerade in Bezug auf den Umgang mit sozialen Medien, zumal die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf auch immer mehr zu verschwimmen scheinen. Die International Game Developer Association (IGDA) befasst sich mit genau diesen Fragen und hat erst kürzlich einen Blogpost dazu verfasst. Sie möchte Vorfälle wie die Entlassung zweier ArenaNet-Mitarbeiter zukünftig verhindern, indem sie mit besagten Entwicklern zusammenarbeitet, um gemeinsam Richtlinien zu erarbeiten.

Solltest du wirklich mal Dampf ablassen wollen, haben wir hier einen Guide für dich. So geht garantiert nichts schief.

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Wie siehst du die Sache? Wie hättest du reagiert, wenn du in so einer Situation gewesen wärst? Sollten Unternehmen zukünftig mehr darauf achten, was sich in den sozialen Medien abspielt und ihre Mitarbeiter besser schützen? Schreib uns doch gerne in die Kommentare.

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