Studie behauptet: Es gibt keine Videospiele-Sucht

Kamila Zych

Während die WHO im letzten Jahr angekündigt hat, Spielesucht offiziell als psychische Krankheit anzuerkennen, will eine Studie nun genau das Gegenteil beweisen. Demnach soll es so etwas wie Gaming-Sucht gar nicht geben.

Studie: Shooter machen angeblich dumm.

Leute, die exzessiv Videospiele zocken, tun das nicht, weil sie am Spiel selbst hängen, sondern weil sie über andere Bereiche in ihrem Leben unglücklich sind. Das hat nun eine britische Studie der Cardiff University (via New Scientist) festgestellt. Hierbei wurden über sechs Monate hinweg ca. 2316 Personen über 18 Jahre mittels einer national repräsentativen Stichprobe befragt, die regelmäßig Online-Games spielen.

Laut dem Handbuch „Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen“ der American Psychiatric Association sollten Personen, die an einer mutmaßlichen Videospiele-Sucht leiden, mindestens fünf von insgesamt neun Kriterien erfüllen, darunter z. B.  das Lügen über die Zeit, die mit Spielen verbracht wurde, die Gefährdung des Arbeitsplatzes, der Karriere oder Bildung durch Teilnahme am Spiel und das Spielen zur Linderung von Angstzuständen. Außerdem sollten sie über eine bestimmte Zeitspanne Kummer in Bezug auf ihre Spielgewohnheiten verspühren.

In diesem Zusammenhang wurden die Teilnehmer bezüglich ihrer Gesundheit, körperlichen Aktivität und ihres Lebensstils befragt. Zu Beginn der Studie erfüllten nur neun Teilnehmer fünf oder mehr Kriterien und erlebten als Folge ihres Spielens Kummer. Sechs Monate später erfüllte jedoch keiner der Betroffenen mehr die besagten Kriterien. Drei Personen stimmten wiederum zu Beginn und am Ende der Studie mit vier oder mehr Kriterien überein. Niemand empfand allerdings anhaltende Sorgen über seine Spielgewohnheiten.

Eine anschließende Analyse der Ergebnisse zeigte auf, dass Personen, die einige der vorgeschlagenen Symptome der Spielsucht aufzeigten, eine „geringere Bedürfniserfüllung“ hatten, was bedeutete, dass sie in anderen Lebensbereichen wie Beziehungen oder ihrer Karriere unglücklich waren. Die Leiterin der Studie, Netta Weinstein, schlussfolgert daraus, dass das Zocken von Videospielen lediglich dazu diene, um unglücklche Situationen zu verdrängen.

Diejenigen Personen, die nach sechs Monaten keine weiteren Symptome aufzeigten, seien ihrer Meinung nach der erste Beweise dafür, dass wenn mehr Bedürfnisse eines Menschen erfüllt werden, sie gleichzeitig eine positivere Einstellung gegenüber ihren Videospielen entwickeln.

Auch wenn die Studie einen weiteren Beitrag dazu leisten, um Spielesucht besser verstehen zu können, sieht Cyber-Psychologie-Forscherin Daria Kuss ein grundlegendes Problem einer solchen Form von Umfragen. Die Verwendung von Fragebögen zur Untersuchung von Sucht könne irreführend sein, da Menschen dazu neigen würden, schlechtes Verhalten unterzubewerten. In einem ist sich Kuss jedoch sicher: „Wenn jemand Spiele nutzt, um grundlegende psychologische Bedürfnisse zu befriedigen, könnte dies zu einem Problem werden, wenn die Person nicht in der Lage ist, diese Bedürfnisse im wirklichen Leben zu befriedigen.“

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Die Weltgesundheitsorganisation hat in Bezug auf dieses Thema zumindest schon ein klares Zeichen gesetzt. Mittlerweile wurde Spielesucht in ihren Krankheitskatalog aufgenommen und gilt somit offiziell als psychische Krankheit.

Doch wie stehst du zu der Sache, angesichts der neuen Erkenntnisse der Studie? Ist es richtig, Videospielsucht als Krankheit einzustufen oder steckt deiner Meinung nach ein anderes Problem dahinter?

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