Brothers in Arms: Diese LGBTQI-Gilde macht Azeroth bunter

Alexander Gehlsdorf

World of Warcraft ist eines dieser Spiele mit unbegrenzten Möglichkeiten. Unzählige Kombinationen aus Rassen, Klassen, Skills und Ausrüstung, dazu zahlreiche frei begehbare Gebiete und unendlich viele Monster. Eine Gilde sorgt seit 2012 dafür, dass Azeroth sogar noch bunter wird.

Zunächst etwas Wichtiges: Dieser Artikel ist ein Teil einer ganzen Reihe von Artikeln, die sich mit dem Thema LGBTQI (Lesbian, Gay, Bi, Transgender, Queer, Intersex) auseinandersetzt. Für ein tolerantes und offenes Miteinander und gegen Diskriminierung. 

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Als ich mit der Recherche der Gilde Brothers in Arms begann, stellte sich dieses Unterfangen gleich als etwas schwieriger heraus, als erwartet. Ich kontaktierte den Gildenleiter Solerion per Mail-Adresse, die ich auf der offiziellen Webseite fand, nur um festzustellen, dass diese nicht in Betrieb war. Also begab ich mich selbst auf ein kleines Abenteuer in der World of Warcraft. Ich erstellte einen Charakter auf dem Server der Gilde und hatte Glück: Solerion war online. Schnell entstand ein lockeres Gespräch und ich stellte sofort fest, wie locker und unkompliziert der Umgangston bei den Brothers of Arms offenbar ist. Wie es zur Gründung der Gilde kam, konnte mir Solerion schließlich im Detail erzählen:

„Die Gründung der Gilde war eher unspektakulär: auf verschiedenen Portalen, unter anderem Planetromeo, suchten einige schwule Gamer Gleichgesinnte, um die eine Gilde zu gründen. Über einen Aufruf in entsprechenden Gruppen zum Thema Gaming und World of Warcraft fand sich eine bereits zu Beginn recht große Gruppe zusammen, die die Gilde schlussendlich gründete. Ich selbst kam erst einige Wochen nach der Gründung hinzu, die Gilde hatte mittlerweile bereits rund 20 Mitglieder. Die Intention war einfach, unter Gleichgesinnten ein entspanntes Umfeld zum Spielen zu finden, entspannt und offen im Teamspeak miteinander sprechen zu können und gemeinsam den Content von WoW zu erforschen.“

Seitdem questet und levelt sich die Gilde erfolgreich durch die Erweiterungen Mists of Pandaria, Warlords of Draenor und zuletzt Legion. Dabei bietet die Gilde nicht nur Raid-orientierten Vielspielern ein Zuhause, sondern heißt auch Gelegenheitsspieler willkommen. Wichtig ist das soziale Miteinander; der offene und humorvolle Austausch im Teamspeak, wo niemand Hemmungen haben muss, auch private Details auszutauschen. Dementsprechend entspannt ist die Stimmung in der Gilde.

„Im Kern geht es darum, sich nicht einschränken zu müssen. Viele unserer Mitglieder hatten in früheren Gilden Hemmungen, offen über ihr Privatleben zu sprechen. Und das beginnt schon bei der Unterhaltung über das letzte Wochenende: bei uns kann jeder offen darüber sprechen, was er mit seinem Partner oder seiner Partnerin erlebt hat, auch Sorgen und Probleme werden mal zum Thema. Denn am Ende wollen wir alle nur ein entspanntes Umfeld und dabei haben wir schon viel gewonnen - besonders viele von uns auch schon echte Freunde, wenn aus virtuellen Bekannten auch reale Freundschaften entstehen.“

Eben diesen offenen Austausch haben einige der Mitglieder in ihren vorherigen Gilden vermisst, da sie nicht offen über ihr Privatleben oder auch nur das letzte Wochenende sprechen konnten, ohne sich outen zu müssen. Auch wenn es sich nicht immer zwingend um persönliche Beleidigungen handelt, sind Begriffe wie „schwul“ oder „gay“ noch immer weit verbreitete Schimpfworte unter Gamern.

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Dennoch sind in Brothers in Arms nicht nur homosexuelle Spieler unter sich. Vor etwa einem Jahr öffnete sich die Gilde zudem für Angehörige, Freunde, Verwandte und allgemein tolerante und weltoffene Spieler. Mit der Öffnung haben die Spieler laut Solerion sehr gute Erfahrungen gemacht, allerdings sind diverse Aspekte der LGBTQI-Community, etwa lesbische Frauen, in der Gilde nach wie vor unterrepräsentiert.

„Im Gildenverbund hatten wir bisher nie Probleme mit intoleranten Spielern, wobei die Ausrichtung unserer Gilde im Spiel ja für andere Mitspieler nicht ersichtlich ist. Dazu trägt sicherlich auch der recht neutrale Gildenname bei. Die Erfahrung ist eher gegenteilig: Randoms, die wir im Raid ab und zu mitnehmen, sind oft von unserer entspannten Stimmung und dem Durchhaltevermögen im Raid begeistert. Bis vor ca. 12 Monaten war unsere Gilde auch eine reine LGBTQ* Gilde und nicht offen für „Friends“, wir haben jedoch sehr gute Erfahrung mit der Öffnung der Gilde gemacht.“

Die Brothers in Arms verbringen ihre Zeit jedoch nicht nur gemeinsam in Azeroth, sondern treffen sich auch oft im echten Leben. So findet unter anderem jedes Jahr ein Gildentreffen statt, bei dem die Mitglieder zusammen am Lagerfeuer sitzen, Bier trinken und über Gott und die Welt reden; also genauso entspannt wie im Teamspeak.

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Auf der offiziellen Gilden-Webseite findet du noch weiter Informationen über Brothers in Arms. Die Gilde spielt auf dem Server Alleria auf Seiten der Allianz. Von den über 80 Mitgliedern sind derzeit zwischen 25 und 30 Spielern regelmäßig aktiv.

Schade, dass es insbesondere im deutschen Raum kaum ähnliche Gilden gibt. Die Webseite Gay Guilds etwa ist zwar ein potentieller Anlaufpunkt für interessierte Spieler auf der Suche nach einer weltoffenen Gilde, genutzt wird die Plattform allerdings nur sporadisch. Gut also, dass wenigstens die Brothers of Arms dabei helfen, Azeroth ein Stück bunter zu machen.

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