Brutale Spiele: Deshalb kommen sie inzwischen auch nach Deutschland – wir haben die USK gefragt

Daniel Kirschey 4

Das Remake von Resident Evil 2 kommt ungeschnitten nach Deutschland. Und es ist ganz schön brutal. Wie kommt das? Warum entscheidet die USK seit einigen Jahre nicht so hart wie früher und warum indiziert die BPjM diese Spiele nicht mehr. Wir haben nachgefragt.

Resident Evil 2 - E3 2018 Gameplay Video.

Der Blick erstarrt, der Magen gluckert, die Lippen verziehen sich: Wo eben noch der Unterleib war, klafft eine schmierige Öffnung. Und der Typ schreit und schreit. Stücke des Dick- und Dünndarms schmatzen über den Boden. Blut mischt sich mit Verdautem. Seine Augen sind plötzlich blass. Fleisch von der Hüfte klatscht auf den Boden. Dann ist es kurz still.

Vor einigen Jahren wäre wohl das Remake von Resident Evil 2 noch geschnitten in Deutschland erschienen. Das Spiel geizt nicht mit Brutalität. Zombies können Körperteile abgeschossen werden. Menschen werden durchtrennt und die Schrotflinte reißt Fleischfetzen aus Körpern heraus. Doch wie Capcom verkündet: Das Spiel erscheint in Deutschland vollkommen ungeschnitten ab 18 Jahren.

Es macht den Eindruck, als würden seit einiger Zeit immer mehr brutale Spiele in Deutschland erscheinen, die eine 18-Kennzeichnung bekommen. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) und die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) scheint also in Bewegung zu sein, da verändert sich einiges. Wir haben Marek Brunner, Leiter des Testbereichs der USK, nach dem Wandel befragt.

Alles verändert sich

Ein Merkmal des Wandels ist Mortal Kombat X. Denn schließlich erschien mit dem Spiel 2015 das erste Mal ein Mortal Kombat-Spiel ungeschnitten in Deutschland. Der Vorgänger von Mortal Kombat X schafft es gar nicht nach Deutschland.

Inzwischen gibt es eine Complete Edition:

Mortal Kombat XL: Offizieller Launch Trailer 2016.

Publisher Warner Bros. hatte sich damals bei Mortal Kombat (2011) entschieden, es gar nicht in Deutschland zu veröffentlichen. Sie sind davon ausgegangen, dass es indiziert wird und keine Kennzeichnung von der USK bekommt. Genau so kam es dann auch: Mortal Kombat wurde indiziert. Mit Mortal Kombat X ging der Publisher ebenfalls so vor. Doch die BPjM indizierte das Spiel nicht – zur Überraschung von Warner Bros., Presse und Spielern. Auch die USK war überrascht:

Es ist einfach im Jugendschutz sehr viel im Fluss, wir sehen sehr viel Wandel, wir sehen sehr viel Veränderung, die kommt bei der USK in erster Linie dadurch, dass die USK einfach jetzt nach fast 25 Jahren ein gewisses Selbstverständnis hat, auch im Hinblick auf andere weltweite Rating-Systeme, die wir eben sehen.

Der andere Punkt ist, dass auch unsere Freunde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien einfach ein paar Titel nicht mehr indizieren oder Listen gestrichen haben, wo wir es eigentlich noch erwartet hätten, wo wir am Anfang sehr verwundert waren. Entscheidungen wie Mortal Kombat X sind absolut wegweisend für uns gewesen.

Einer der Hauptgründe für die vermutete Indizierung sind die Fatalities:

Predator: Fatality - Ghostin Us.

Wichtig dabei ist: Nicht die USK entscheidet, ob ein Spiel in Deutschland indiziert wird. Die USK ist lediglich dafür zuständig, ein Spiel vor der Veröffentlichung mit einer Alterskennzeichnung zu versehen. Die BPjM tritt nach der Veröffentlichung eines Spieles auf und indiziert womöglich eines. Sobald die USK eine Kennzeichnung „ab 18“ vergeben hat, kann die BPjM ein Spiel nicht mehr indizieren.

„Die oberste Grenze ist eigentlich immer die Bundesprüfstelle. Titel, die die Bundesprüfstelle indizieren würde, dürfen bei der USK nicht gekennzeichnet werden, sonst ist eine Indizierung nicht mehr möglich. Dadurch, dass aber eine Indizierung aufgrund des Zensurverdachtes erst nach der Markteintritt stattfinden kann, die USK aber vor Markteintritt arbeitet, müssen wir also versuchen zu ahnen, wie die BPjM in einem halben Jahr entscheiden würde. Wir müssen uns sehr stark an ihrer Spruchpraxis orientieren.“

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Mortal Kombat X: Roster und Charaktere im Überblick - Jason Vorhees, Predator, Liu Kang, Sub-Zero und mehr.

Deshalb schaut sich die USK die Entscheidungen der BPjM so genau an. Doch warum entscheidet die BPjM auf einmal so anders:

Wir haben mit der Bundesprüfstelle geredet und sie haben halt gesagt: ‚Wir haben nicht mehr 1994. Es ist einfach nicht mehr so, dass man sagen kann, wir nehmen an, dass diese Gewalt sich eins zu eins auf den Jugendlichen oder auf den Erwachsenen überträgt.‘

Natürlich seien die Finisher in Mortal Kombat X hart, doch sie wiederholen sich, sind übertrieben und nutzen sich ab. Außerdem seien die fiktiven und unrealistischen Elemente in Mortal Kombat X so zahlreich gesät, dass genügend Entfernung zum Hier und Jetzt, zum Ich des Spielers geschaffen sei.

Es existieren zwei Elemente bei der Entfernung, erklärt Marek Brunner ausführlicher: Die Gewalt überträgt sich nicht so sehr auf den Spieler, wenn das Spiel zeitlich und örtlich eine große Entfernung aufbaut. Das bedeutet, dass die Brutalität eines Titels, der beispielsweise in der Vergangenheit, der Zukunft, auf fremden Planeten oder in fiktiven Welten spielt, anders auf den Spieler wirkt. Die interaktive Rolle deckt sich weniger mit der eigenen Person.

Doch Zombies sind doch auch fiktiv – und trotzdem werden noch einige Zombie-Spiele indiziert.

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