CHANGE: Darf Obdachlosigkeit ein Spiel sein?

Victor Redman

Das Indie-Spiel CHANGE soll das Leben eines Obdachlosen simulieren. Ist das jetzt innovativ oder geschmacklos? Ich habe jemanden gefragt, der selbst mal obdachlos war.

Was kann ein Videospiel leisten? Und was darf es überhaupt versuchen? Diese Fragen drängten sich mir förmlich auf, als ich die Kickstarter-Kampagne für CHANGE entdeckte. CHANGE ist ein Rogue-like Survival Adventure. Heißt: Für den Spieler gilt es, in einer zufällig generierten Spielwelt zu überleben.

Vor allem in fantastischen Settings wird dieses Verfahren gern genutzt. Spiele wie der Indie-Hit The Binding of Isaac oder auch Has-Been Heroes funktionieren nach diesem Prinzip. CHANGE präsentiert dem Spieler eine gänzlich andere Art von Survival-Erfahrung: Hier bist du kein Schwert schwingender Held – sondern ein Obdachloser. Statt Monster klein zu hacken und deine Rüstung aufzuleveln, bettelst du um Geld und bewirbst dich Tag für Tag auf mies bezahlte Aushilfsjobs. Meist bleibst du dabei erfolglos.

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Dumm gelaufen – Spieler, die beim Cheaten erwischt wurden.

Was würdest du tun, wenn du obdachlos wärst?

Sie wollen Gamer auf eine emotionale Reise schicken, erklären Danny Hayes und Jack Odell, die kreativen Köpfe hinter der britischen Entwicklerschmiede Delve Interactive. Sie hoffen, dass CHANGE einen kleinen Eindruck davon vermitteln kann, was es bedeutet, obdachlos zu sein und auf der Straße zu leben. „An dieses Spiel werden Leute sich erinnern“, glaubt Hayes.

Die Spielidee faszinierte und irritierte mich gleichermaßen. Die Absichten der Entwickler klingen ehrenwert – aber ist es nicht ziemlich daneben, sich abends mit einem Bierchen vor den Rechner zu pflanzen und gepflegt eine Runde obdachlos zu spielen, während das für echte Menschen ganz in meiner Nähe bitterer Alltag ist? Ich entschied mich, Walter nach seiner Meinung zu fragen. Was CHANGE simuliert hat Walter, der nicht wirklich Walter heißt, am eigenen Leib erfahren: Als junger Mann landete er durch eine Verkettung unglücklicher Umstände auf der Straße. Mehrere Jahre lang schlug er sich als Obdachloser in verschiedenen europäischen Ländern durch.

Zusammen mit Walter lade ich erstmal die kostenlose Alpha-Demo von CHANGE runter. Grundsätzlich steht er dem Spielkonzept offen gegenüber. „Ich find’s ja auch nicht schlimm, wenn in anderen Spielen auf irgendwelche Leute geballert wird“, sagt er. „Ich meine, das ist ja im Film dasselbe. Bei Indiana Jones hast du auch standardmäßig die Nazis dabei, die platt gemacht werden. Solange das nicht verherrlichend oder komplett verfremdend ist, hab‘ ich da kein Problem mit. Problematisch wird’s immer erst, wenn der Spieler völlig unreflektiert damit umgeht und das nicht richtig einordnen kann.“

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