Wir nähern uns dem Ende unserer Reise in den Abgrund. Aber nimm dir doch noch einen Tee, wir sind noch nicht ganz dort; setz dich zu mir und meinen imaginären Freunden von …

Die geheime Zutat ist immer Liebe“, erzählte mir Frictional Games‘ Kira ganz zu Anfang unseres kleinen Ritts durch die Dunkelheit. Und ich möchte dir zur Feier dieses Kapitels eine der besten Horrorserien unserer Zeit vorstellen – The Haunting of Hill House, eine Netflix-Serie und ein filmisches Werk, das Horror nicht nur intelligent in seine Geschichte webt, sondern auch das Konzept jener Liebe, die ich hier vorstellen möchte. Liebe, die in meinen Augen unerlässlich für wahren Horror ist:

Spuk in Hill House: Offizieller Trailer zur Horror-Serie.

Falls du es aushältst, empfehle ich dir diese Serie auf welche Weise auch immer anzuschauen – hast du kein Netflix, könntest du den Probemonat hierfür nutzen; leider gibt es sie bislang nicht auf DVD oder Blu-ray. Du könntest aber auch das Buch lesen, das im Übrigen zu Stephen Kings Favoriten gehörte.

Liebe. Warum ausgerechnet Liebe?

Nicht alles in einem Spiel kann beängstigend und schrecklich sein. Wir versuchen eine Balance zwischen Dingen wie eine wunderschöne Umgebung, gelegentlichem Humor und Charakteren zu schaffen, in denen sich deine Erfahrungen spiegeln.“ – Frictional Games.

Agony hat uns gezeigt, das ein Spiel einzig bestehend aus horrenden Szenarien plötzlich langweilig und komisch werden kann. Natürlich muss es mehr geben, natürlich musst du ein Teil von alledem sein. Wie könnte ein Spiel besser an dein Innerstes herankommen, als mit Liebe?

Du musst einer Geschichte folgen können, die dich berührt und die du verstehst – du musst mitfühlen. Das mag vielleicht der essentiellste Part eines Schockers sein, denn nur indem du dich in das Spiel hineinfühlen kannst, kann das Spiel im Umkehrschluss dich etwas spüren lassen. „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“, sagte einmal Friedrich Nietzsche, und es stimmt. Der Abgrund muss es zuvor nur schaffen, dass du schauen möchtest. Tief schauen, bis in jene dunkelste Winkel, in denen du dich selbst wiedererkennst; dich und dein eigenes Leben.

Liebe existiert auch in jener Szene, die ich am Schluss des letzten Kapitels beschrieben habe: Die alte Frau mit dem Märchenbuch, die am Kaminfeuer sitzt. Eine heimelige, liebevolle Umgebung, die du kennst; die dich in einen Zustand von Ruhe und Nostalgie versetzt. In meinen Augen sind jene Schrecken die fürchterlichsten, die einen Moment der Harmonie durchbrechen; die dort auftreten, wo du dich am sichersten fühlst.

Diese Spiele haben es wohl richtig gemacht. Oder was meinst du?

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Die 26 besten Horrorspiele aller Zeiten – Aaaaaaaaaaah!

Es gibt eine Szene in The Haunting of Hill House – und nein, ich werde dich nicht spoilern – in der ein Charakter sich liebevoll und vertraut um einen anderen kümmert. Es ist eine Szene voller familiärer Liebe und Geborgenheit. Bis sie sich, und das so plötzlich und extrem, in ein Horrorszenario wandelt; eine Fratze des Bösen. Es war exakt diese Szene unter vielen fürchterlichen Augenblicken, die mich im Anschluss verfolgt hat. Ich dachte einfach nicht, dass der Horror auch hier existieren könnte.

Es traf mich tief, denn ich war völlig offene für jede Emotion, die mir in jenem Moment eingeflößt werden sollte.

Lass Stephen King mit The Shining einen Moment sprechen, „Wendy, Schätzchen, du Licht meiner Lebensfreude, ich sag‘ doch, ich werd‘ dir nicht wehtun. Ich werde dir bloß den Schädel zertrümmern, ich werde dir bloß den Kopf abhacken.

Ich tu‘ dir nicht weh, du bist völlig sicher. Nichts wird dir passieren. Nichts, außer …

Liebe muss jedoch nicht nur in der Geschichte stecken, in den Charakteren und der virtuellen Umgebung – das Spiel muss auch mit Liebe gemacht sein. Es ist wohl eine recht einfache, offensichtliche Wahrheit, aber in jedes Spiel muss Liebe fließen, damit es gut ist – ja, in jedes mediale und künstlerische Werk.

Die geheime Zutat ist immer Liebe. Wir haben ein kleines Team an Leuten, die alle miteinander über den Prozess hinweg kommunizieren. Wir testen zusammen, was sich am gruseligsten anfühlt, und die menschliche Erfahrung wird nicht unter den Rädern der Spielentwicklung zerquetscht.

Womöglich sind kleinere Horrorspiel genau aus diesem Grund manchmal sehr viel grauenerregender, als die Blockbuster der großen Entwickler. So beängstigend, dass manche Spiele nur noch ein kleines Klientel an Fans ansprechen, keine breite Masse. So fürchterlich, dass sie niemand mehr spielen möchte, oder kann? Können wir uns Videospiele vorstellen, die derart obskur und höllisch sind, dass sie … unspielbar werden?