Crossplay: Alle schimpfen auf Sony, doch so einfach ist es nicht

Daniel Kirschey

Sony ist daran schuld, dass es kein Crossplay gibt. Darin scheinen sich alle sicher zu sein. Doch schaust du genauer hin, zeichnet sich ein etwas anderes Bild. Zuerst waren eigentlich alle dagegen, dann nur Sony und schlussendlich ist die japanische Firma auch noch der Sündenbock.

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Auf die Frage im Gamestar-Interview, warum es kein Crossplay in Bethesdas neuem Fallout 76 geben würde, antwortete Game Director Todd Howard, dass „Sony nicht so hilfsbereit ist, wie das alle gerne hätten“. Nachdem Gamestar die News gebracht hat, greift die internationale Presse die Information auf. Wie schon zuvor in etlichen anderen News, scheint der Umstand klar zu sein: Mal wieder liegt es an Sony, dass in einem Spiel kein Crossplay möglich ist.

Zugegeben, in den meisten Fällen stimmt das wohl auch. Fortnite, Rocket League oder Gears of War 4 bieten Crossplay für PC, Xbox oder auch Nintendo an. Nur Sony stellt sich quer, will nicht mitmachen. Nach Einschätzung eines Ex-Chefs liegt es vor allem – Überraschung – an Geld. Sony will natürlich, dass sich Spieler für eine PlayStation 4 entscheiden und Spiele für diese Konsole kaufen.

Die Rolle der Opfer

Im Grunde völlig verständlich, will Sony ja Geld verdienen, auf der anderen Seite ist das als Spieler, ebenfalls verständlich, ärgerlich. Jeder würde gerne mit einem Kumpel zusammenspielen, obwohl andere Konsolen im jeweiligen Zimmer stehen. Nicht jeder kann sich zwei oder drei Konsolen leisten. Doch noch ärgerlicher wird es, wenn sich Publisher und Entwickler auf die Seite der Opfer oder der Guten stellen wollen, nur um Sony den Schwarzen Peter zuzuschieben. So beispielsweise geschehen im oben genannten Gamestar-Interview mit Todd Howard.

Darauf folgt jedoch keine Nachfrage, warum Bethesda dann nicht wenigstens Crossplay zwischen PC und Xbox anbieten würde. Auch Todd Howard geht auf das Thema nicht weiter ein. Sony ist der Sündenbock. Niemand scheint darüber nachzudenken, dass wenn Bethesda wirklich Crossplay wollen würde, gäbe es Crossplay zwischen PC und Xbox One.

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Die Rolle der Guten

Dabei haben sich neben Sony auch andere Entwickler und Publisher schon bewusst gegen Crossplay ausgesprochen. Ihre Stimmen scheinen in der Diskussion ebenfalls nicht von Bedeutung zu sein. Schon 2016 entschied sich Blizzard gegen Crossplay in Overwatch für PC- und Xbox One-Spieler. Denn Konsolen-Spieler hätten es gegen PC-Spieler zu schwer. Das liege an der präziseren Steuerung mit Maus und Tastatur.

Im Jahr 2010 war Microsoft für eine Zeit der Sündenbock, da sie sich gegen Crossplay aus selbigem Grund gestellt hätten. Cliff Bleszinski nannte noch 2017 Crossplay zwischen PC und Konsole schlichtweg dumm. Dass jetzt Microsoft doch total für Crossplay eintritt, hat wohl hauptsächlich einen entscheidenden Grund, wie schon ebenfalls Ende des Jahres 2017 Max Doll auf ComputerBase feststellt: Mircosoft würde bei einer Öffnung der Konsolengrenzen am meisten gewinnen. Denn Sony hat im Gegensatz zu Microsoft eine viel größere Spielerzahl. Die ist gerade für Online-Spiele wichtig. Leere Lobbys und Online-Spiele funktionieren schlichtweg nicht. Microsoft würde von der Öffnung deutlich profitieren. Und Microsoft weiß auch genau, wie sie sich auf der Seite der Spieler positionieren, um auf der Seite der „Guten“ zu stehen.

Doch so einfach ist es wohl nicht. Weder für Todd Howard, der Sony den Sündenbock zuschiebt, aber keinen Grund für fehlendes Crossplay zwischen PC und Xbox One liefert. Noch für Sony, die ihrem Denken nach wohl am meisten durch Crossplay verlieren. Trotzdem, eine Lösung sollte irgendwie kommen. Für die Spieler. Einfach Sony ständig den Sündenbock zuzuschieben ändert jedoch erst einmal auch nichts an der Situation.

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