Darum müssen wir zum Zeichen der Gleichberechtigung über Brüste lachen

Marcel-André Wuttig 3

Der Penis-Slider in Conan Exiles wurde zum viralen Hit im Internet. Noch Tage später waren jegliche Social-Media-Kanäle überrannt von GIFs mit nackten Barbaren. Weniger oft zu sehen war der Brüste-Slider der weiblichen Charaktererstellung – ein Zeichen für größere Gleichberechtigung in der Branche oder doch wieder ein Fall von Sexismus?

Conan Exiles - Announcement Trailer.

Als Conan Exiles Ende Januar sein Early Access begann, sprach das Internet vor allem von einem Feature: dem Penis-Slider. Dabei handelt es sich um eine Anpassungsmöglichkeit bei der Erstellung der männlichen Charaktere, mit dem Du tatsächlich die Länge des Penisses ändern kannst. Es ist nicht verwunderlich, dass nackte Barbaren zum viralen Hit wurden. So sorgte vor allem die völlig übertriebene Physik-Engine für absurde Penis-GIFs, die ohne Frage unterhaltsam waren. Viel bedeutsamer ist jedoch, dass es deutlich weniger lustiges Material von weiblichen Barbaren zu sehen gab. So sind doch auch ein Brüste-Slider und karikativ herumhüpfende Brüste albern, oder? Leider nicht, was an der ungleichen Wahrnehmung von weiblichen und männlichen Geschlechtsorganen in unserer Gesellschaft liegt.

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Conan Exiles ist nicht das erste Spiel, in dem es Penisse zu sehen gab. Kotaku stellte zu diesem Thema schon vor einiger Zeit eine Übersicht von Spielen zusammen, in denen das männliche Geschlechtsorgan einen Gastauftritt hatte. Doch erreichte bisher kein Spiel eine solche Bekanntheit für seine Darstellung von Penissen wie Conan Exiles. Der große Unterschied liegt wohl vor allem in der individuellen Anpassungsmöglichkeit bei der Charaktererstellung in Funcoms RPG, die es so noch nicht gab.

Auf einem AMA auf Reddit äußerten sich die Entwickler zu dem Entschluss, den Penis-Slider ins Spiel zu bringen. Da Nacktheit aufgrund des Settings eine so wichtige Rolle spielen würde, solltest Du nicht nur das Gesicht Deines Charakters anpassen können, sondern auch den restlichen Körper. Bei den weiblichen Barbaren war sofort klar, dass Du ihren Brustumfang bestimmen können sollst. Und um eine Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zu gewährleisten, gab es folglich auch den Penis-Slider.

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An und für sich ist das eine logische Schlussfolgerung: Brüste-Slider + Penis-Slider = Gleichberechtigung. Leider spiegelte die Reaktion der Öffentlichkeit die relativ gleichwertige Darstellung von weiblicher und männlicher Nacktheit im Spiel nicht wider. Das liegt vor allem an dem ungleichen Stellenwert der Genitalien in unserer Gesellschaft. Die Penisse, die in Conan Exiles bei jeder Bewegung karikativ hin- und herbaumeln, sind lustig, weil das männliche Geschlechtsorgan nicht als grundsätzlich sexualisiert angesehen wird. Einem Penis werden folglich mehrere Bedeutungen zugeschrieben. Er kann als lustig empfunden werden, dekorativ oder schlicht als sexualisiertes Objekt.

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Ganz anders ist es bei der Wahrnehmung von Brüsten und Vaginas. Auch diese bewegen sich auf völlig unnatürliche und entsprechend komische Art in dem RPG. Doch werden weibliche Geschlechtsorgane – und vor allem Brüste – grundsätzlich sexualisiert, was ihre Darstellung oftmals einschränkt und ihre Wahrnehmung beeinflusst. Der Brüste-Slider hat also gar keine Chance, so viral zu gehen wie das männliche Gegenstück, da unsere Gesellschaft es oft nicht zulässt, dass Brüste sich von ihrer sexualisierten Bedeutung lösen und einfach nur harmlos lustig sind.

Das wird in der Videospielbranche immer wieder deutlich, wie wir auch in der Vergangenheit angesprochen haben. In diesem Zusammenhang empfehlt sich auch dieser Artikel, der verdeutlicht, welche bedeutende Rolle eine ungleiche Machtverteilung zwischen den Geschlechtern beim Sexismus hat. Auch empfehlenswert ist das obere Video von Jim Sterling, der sich über die ungleiche Darstellung von weiblichen und männlichen Genitalien in Videospielen äußert.

Dennoch, oder gerade deswegen, ist es lobenswert, dass die Entwickler bei Funcom anstrebten, männliche und weibliche Körper gleichwertig darzustellen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Videospielbranche weiter diversifiziert, damit wir in Zukunft gleichwertig über Penisse und Brüste lachen können. Und Hintern. Und Kniekehlen. Und Füße. Rote Haare…

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