Hellblade_03

Eine neue Möglichkeit der Veröffentlichung

Seit Jahren versuchen Entwickler dank Crowdfunding wie Kickstarter Spiele ohne Fremdeinwirkung von Publishern zu veröffentlichen. So konnten in diesem Jahr unter anderem Torment: Tides of Numenera, Divinity: Original Sin 2, Yooka-Laylee und Thimbleweed Park erfolgreich veröffentlicht werden, ohne kreative Einbußungen zu machen. 2017 fand das britische Studio Ninja Theory einen weiteren Weg, ein Spiel ohne großen Publisher zu veröffentlichen.

Auch in Deutschland nutzen Entwickler die Crowdfunding-Plattform Kickstarter:

Nach DMC: Devil May Cry, das unter Capcom veröffentlicht wurde, entschied sich Ninja Theory, Hellblade: Senua's Sacrifice ohne finanzielle Unterstützung so zu entwickeln, wie sie es von Anfang an geplant hatten. Für nur 30 Euro ist das unkonventionelle Action-Adventure nun mit 8-10 Stunden Spielzeit auf dem Markt – mutig.

Nicht nur diese Entscheidung ist mutig, auch die Geschichte selbst ist es. Im Zentrum steht Senua, eine keltische Kriegerin, die in einem unwirklichen und vor allem unwirtlichen Konstrukt aus Mythos und Psyche gefangen ist und dort ums Überleben kämpft. Stellen muss sie sich dabei ihren eigenen Ängsten, die sie jagen, wobei sie sich mit einem Schwert zur Wehr setzt. Sie hört Stimmen, leidet unter Halluzinationen, Panikattacken und Zweifelt an sich selbst. Um diese schwerwiegende Thematik gerecht in ein Spiel einbauen zu können, kollaborierten die Entwickler mit Neurowissenschaftlern und mit Menschen, die unter einer Psychose leiden.

Klar, auch Triple-A-Titel wie The Last of Us oder Metal Gear Solid 5 erzählen wunderbare Geschichten, allerdings findet das Storytelling dort größtenteils in Zwischensequenzen statt. Hellblade hingegen verbindet die Geschichte Senuas mit dem Gameplay. Nicht nur Senua hört die Stimmen. Per Kopfhörer bist du dem Leiden Senuas sehr nah und bekommst zumindest annähernd den Eindruck wie es ist, permanent Stimmen zu hören. Ins Gameplay wird das beispielsweise integriert, wenn dich Stimmen vor einem Gegner warnen, der Senua außerhalb des Blickfeldes angreift. In einer anderen Situation warnt dich eine Stimme (umgeben von weiteren) davor, dass Senuas Fackel jeden Moment ausgehen könnte, wenn sie sich nicht im Dunklen sputet.

Hellblade: Senua's Sacrifice wirkt in seiner Präsentation wie ein Triple-A-Titel. Dank der hervorragenden Motion-Capturing-Arbeit von Melina Juergens wirkt jegliche Aktion Senuas glaubwürdig. Mit einem Triple-A-Publisher im Rücken wäre all das wohl nur bedingt möglich gewesen. Das Studio fokussierte sich auf Qualität, statt Quantität. Es ist also zu hoffen, dass Ninja Theory mit dieser Art, Spiele zu veröffentlichen, nicht alleine bleibt.