Das Videospieljahr 2018: Battle Royale, Crunch und Shitstorms

Alexander Gehlsdorf

Auch das Jahr 2018 war wieder vollgepackt mit 365 Tagen, an denen sich die Welt der Videospiele weiterentwickelt und verändert hat. Für dich haben wir die wichtigsten Trends und Ereignisse zusammengetragen, die uns in diesem Jahr beschäftigt haben.

2018 war kein großes Jahr der Innovationen. AAA-Publisher veröffentlichten weiterhin nach den etablierten Formeln, was zu zahlreichen guten bis sehr guten, aber keinen Revolutionären Spielen geführt hat. Dennoch gab es einen Trend, der das Jahr wie 2018 wie kein anderer dominiert hat.

Das Jahr des Battle Royale

Zwar ist Battle Royale keine Erfindung des Jahres 2018, wurde aber erst in den letzten zwölf Monaten zu dem globalen Phänomen, das heute jeder kennt. Während der Platzhirsch des Spielmodus zu Beginn des Jahres noch Playerunknown’s Battleground hieß, änderte sich das bereits im Februar. Damals erreichte Fortnite erstmal höhere Spielerzahlen als die Konkurrenz von Bluehole.

Seitdem war der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten – und jeder wollte ein Stück vom Kuchen abhaben. Early-Acces-Spiele schossen wie Pilze aus dem Boden und auch AAA-Spiele konnten sich dem Trend nicht entziehen. Selbst Shooter-Dauerbrenner Call of Duty verzichtete in Black Ops 4 auf eine klassische Singleplayer-Kampagne und enthielt stattdessen den Battle-Royale-Modus Blackout.

Auch Streamer wie Ninja sind dank Fortnite und Battle Royale zu Weltstars geworden. Ein wichtiger Faktor dafür, dass insbesondere Fortnite so populär werden konnte, ist dabei ohne Frage deas Free-to-Play-Modell.

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Die Entstehung von Fortnite: Vom düsteren Zombie-Spiel zum Battle-Royale-Hit.

Die Frage ist, ob dieser Trend noch lange anhalten kann oder ob sich die Leute spätestens 2019 an Battle Royale satt gespielt haben.

Das Jahr der Shitstorms

Battle Royale beweist eindrucksvoll, wie begeisterungsfähig Gamer sein können. Allerdings kann diese emotionale Investition auch schnell in Wut umschlagen, denn 2018 war gezeichnet von einer ganzen Reihe Shitstorms. Wenn Gamer unzufrieden sind, dann lassen sie das die Welt auch wissen. Produktiv ist das jedoch nicht immer.

Positiv hat sich die Empörung der Spieler etwa auf Harry Potter: Hogwarts Mystery ausgewirkt. So stellte sich heraus, dass das lang erwarte Mobile-Spiel auf ein restriktives Energieverwaltungssystem setzt, das dich zu langen Ladezeiten zwingt – oder dich alternativ zur Kasse bittet. Der Aufregung der Fans ist es zu verdanken, dass diese Mechaniken zumindest zum Teil wieder überarbeitet wurden.

Weniger sinnig war die Wut der Spieler hingegen im Fall von Battlefield 5. So stehen im aktuellen Teil der Reihe auch weibliche Soldaten als Spielfigur zur Auswahl. Ein Skandal, schließlich sei das angeblich nicht historisch korrekt! Wie absurd dieser Protest war, liegt auf der Hand. Davon einmal abgesehen, dass tatsächlich auch Frauen im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben, war Battlefield schließlich noch nie für akkuraten Realismus bekannt. Oder hast du schon einmal in wenigen Sekunden einen Panzer repariert?

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13 Features, die beweisen, wie realistisch Battlefield wirklich ist.

Auch Bethesda Softworks hat sich in diesem Jahr keine Freunde gemacht. Das Online-Spin-Off Fallout 76 blieb weit hinter den Erwartungen der Fans zurück und war zudem von Bugs geplagt. Einen größeren Ruf-Schaden hat es in der Geschichte des Star-Entwicklers bisher wohl kaum gegeben.

Kult-Entwickler Blizzard bekam dieses Jahr den Zorn der Community ebenfalls zu spüren. Bereits seit längerem warten Fans auf Diablo 4 oder alternativ eine zweite Erweiterung für Diablo 3. Zumindest ein Remake des Klassikers Diablo 2 haben die Fans erwartet. Stattedessen bekamen sie Diablo Immortal, ein Mobile-Spiel, das sich zumindest im Westen kaum jemand gewünscht hat.

Ihrem Frust ließen die Fans vor allem auf YouTube freien Lauf. Dort wurde Diablo Immortal zum unbeliebtesten Gaming-Trailer des Jahres.

Spiele werden Kulturgut

Praktisch seit es Videospiele gibt, war das Abbilden von Hakenkreuzen und anderen verfassungsfeindlichen Symbolen tabu – jedenfalls in Deutschland. In Filmen und Theaterstücken war es demgegenüber durchaus möglich, derartige Symbole zu verwenden. Der Grund dafür ist die sogenannte Sozialadäquanz. Findet die Verwendung der Symbole im Rahmen von Kultur oder Bildung statt, wie es in Theater und Film der Fall ist, so ist die Nutzung kein Strafbestand.

Für Videospiele galt diese Regel allerdings nicht. Bis jetzt. Den Anfang machte das Spiel Bundesfighter II Turbo. Obwohl das Spiel über den Bundestagswahlkampf ein Hakenkruez enthielt, sah die Staatsanwaltschaft Stuttgart von einer Strafanzeige ab. Auch die beiden Spiele Through The Darkest of Times und Attentat 1942 durften in Deutschland trotz der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole gezeigt werden.

Wie die Spieler auf die Änderung der Gesetzeslage reagieren, haben wir auf der gamescom 2018 herausgefunden:

Throught the Darkest of Times: Was sagen Gamer zu verfassungsfeindlichen Symbolen?

Der Grund dafür ist die zuvor genannte Sozialadäquanz, denn auch Videospiele werden in Deutschland jetzt als Kulturgut anerkannt. Allerdings begann nicht nur die deutsche Gesetzgebung damit, Videospiele ernster zu nehmen. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ging einen wichtigen Schritt und erklärte Videospielsucht unter dem Namen Gaming Disorder zu einer offiziellen Krankheit.

Betroffene können sich jederzeit an die zuständigen Beratungsstellen wenden.

Crunch-Kultur und Telltale-Insolvenz

In den meisten Spielen steht der Spaß im Vordergrund. Daher fällt es mitunter leicht zu vergessen, das Entwicklerstudios trotz allem wirtschaftlich handeln müssen und dabei nicht immer fehlerfrei arbeiten.

Die wichtigsten Themen des Jahres haben wir auch in einem Video für dich zusammengefasst - in Gedichtform!

Weekly Rewind 2018.

Gleich zwei Studios haben in diesem Jahr Anlass zur Diskussion. Zum einen musste Telltale Games Insolvenz anmelden. Während das Studio mit der ersten Staffel The Walking Dead das Adventure-Genre revolutionierte, wurde bereits im Laufe der letzten Jahre die Kritik größer, dass jedes neue Telltale-Spiel stets auf die gleiche, etablierte Formel setzt und die Umsätze dementsprechend sanken.

Allerdings ist das nicht der einzige Fehler gewesen, mit dem die Geschäftsleitung die Zukunft des Studios aufs Spiel setzte. Auch in puncto Unternehmensführung und Behandlung der Mitarbeiter hatte Telltale Games keine weiße Weste.

Erinnerst du dich noch an alle Telltale-Spiele?

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Telltale Games: Alle Spiele in der Übersicht!

Am 21. September 2018 wurde bekannt gegeben, dass ganze 240 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen. Zurück blieb lediglich ein Team von 25 Entwicklern, die unter anderem die finale Staffel The Walking Dead fertigstellen sollten. Im November wurde das Studio schließlich komplett geschlossen.

Rockstar Games wurde hingegen aus ganz anderen Gründen zum Gesprächsthema. Finanziell geht es dem Unternehmen dank der Veröffentlichung von Red Dead Redemption 2 wohl so gut wie seit langem nicht. Allerdings hatte dieser Erfolg einen hohen Preis.

Wie im Oktober 2018 bekannt wurde, war die Entwicklung von Red Dead Redemption 2 offenbar nur durch umfangreiche Überstunden möglich gewesen. Daraufhin wurden immer mehr Einzelheiten über die belastenden Arbeitsbedingungen bei Rockstar Games bekannt.

Über die Entwicklung von Red Dead Redemption 2 reden wir auch in unserem Gaming-Podcast RUSH:

RUSH - Der Gaming-Podcast: Red Dead Redemption 2 // Spiel mir das Lied vom Erfolg.

In Jason Schreiers Reportage auf Kotaku ist gar von einer Kultur des Crunch die Rede. Besonders schlimm sollen die QA-Tester von den Arbeitsbedingungen betroffen sein. Auch wir hatten die Möglichkeit, einen ehemaligen Mitarbeiter von Rockstar Games zu befragen.

Welche Themen haben dich in diesem Jahr besonders beschäftigt? Welcher Trend, welcher Skandal oder welches Spiel wird dir in den Sinn kommen, wenn du dich in der Zukunft an das Jahr 2018 zurückerinnerst? Lass es uns doch in den Kommentaren wissen!

Videospiele vorbestellen: Eure Meinung ist gefragt

Oftmals fühlt sich die Zeit von der ersten Ankündigung bis zur finalen Veröffentlichung eines Spiels wie eine Ewigkeit an. Das machen sich die Publisher natürlich längst zunutze und locken mit attraktiven Vorbestellungen. Daher fragen wir euch: Wie steht ihr zu dem Thema?

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