Dreamhack 2017: Warum es ok ist, einmal im Jahr zum Klischee zu werden

Lisa Fleischer

Die Dreamhack: Mini-gamescom im Winter, Reaktivierung der Leipziger Messe als Treffpunkt für Gamer jeden Alters und natürlich größte LAN-Party Deutschlands. Wie es dort zugeht, das kann so manchen abschrecken. Dennoch ist es völlig ok, einmal im Jahr zum laufenden Gamer-Klischee zu werden, findet unsere Autorin.

Dreamhack 2017: Warum es ok ist, einmal im Jahr zum Klischee zu werden
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit Deinen eigenen Vorstellungen.

Ich gebe zu, vor der Dreamhack 2017 war ich noch nie auf einer richtigen LAN-Party. Vielleicht, weil es in meinem kleinen Heimat-Dorf einfach viel zu wenige Gamer gab, vielleicht, weil die wenigen Gamer aus meinem Dorf einfach keine Mädchen zu ihrer LAN einluden. Umso gespannter war ich auf die größte LAN-Party Deutschlands. Wird das Klischee des ungepflegten LAN-Besuchers, wie ich es aus Erzählungen von solchen Partys kenne, an das ich bislang aber nicht glauben wollte, bestätigt? Und viel wichtiger: Was sagt das über die Teilnehmer aus?

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Die Dreamhack 2017: Das sind unsere ersten Eindrücke von der größten LAN Deutschlands.

Dreamhack – Ein einziges Klischee?

Die Dreamhack ist in zwei voneinander getrennte Bereiche gegliedert: Der Expo-Bereich und die eigentliche LAN. Auf der Expo geht es prinzipiell zu wie auf einer sehr kleinen Version der gamescom in Köln. Wer wie ich aus dem lauten, bunten, geschäftigen Treiben der Expo-Halle direkt in die stockfinstere und doch recht muffige LAN-Halle kommt, wird unwillkürlich an die Zeit des ersten Festivals erinnert. Damals stellte ich mir dieselbe Frage wie jetzt auf der Dreamhack: „Verdammt, wie können andere Menschen bloß so leben?“

Was bei mir im ersten Moment noch einen Fluchtreflex auslöste, kam mir als inzwischen eingefleischter Festival-Fan auf den zweiten Blick dann aber doch sehr vertraut vor. Natürlich: Statt Bierstiegen standen da unendlich viele Energy-Drinks, statt Dosenfutter McDonalds-Tüten und statt der Zelte schlichte Luftmatratzen oder Feldbetten. Keine Musik war zu hören, stattdessen das sirren dauerlaufender PCs. Dennoch war die Stimmung dieselbe. Die deutlichsten Parallelen zwischen Dreamhack und Musik-Festival sind die Folgenden:

1. Wenigstens einmal im Jahr die Sau rauslassen

Ständig unter Strom stehen, arbeiten gehen, abends noch schnell etwas kochen, dann duschen und ab ins Bett. Das Zocken ist im Alltag eher Nebensache. Natürlich hast Du immer noch das Wochenende, aber auch hier drängen sich meist andere Dinge in den Vordergrund, hast Du keinen anderen Termin vorzuweisen, der Dich verhindert. Genau dafür hast Du jetzt aber die Dreamhack. Du bezahlst quasi dafür, dass Du Dich einmal nicht dafür rechtfertigen musst, das ganze Wochenende in Jogginghose vor dem PC verbringen zu wollen.

Dazu kommt, dass Du all die verrückten Ideen, die sich das Jahr über bei Dir angestaut haben, endlich herauslassen kannst. Während die einen leere Energy-Drink-Dosen und Chipstüten als ausreichend Deko ansehen, haben andere ihren PC aufwendig mit Lichterketten geschmückt oder sogar ganze Pavillons mitgenommen. Obwohl Indoor kommt dabei richtig Festival-Stimmung auf. Das liegt nicht zuletzt auch an den regelmäßigen Rufen nach „Helga“, die Dir von dem einen oder anderen Musik-Festival sicherlich bekannt sein dürfte.

2. Du hast alles, was Du brauchst

Beim stundenlangen Zocken kann es schon einmal vorkommen, dass Maus oder Tastatur den Geist aufgeben. Zu Hause müsstest Du jetzt Deine Zockersession unterbrechen. Nicht aber auf der Dreamhack, hat es doch im DreamStore in der nächsten Halle alles, was Du zum Weiterzocken brauchst. Natürlich gibt es auch Verpflegungsstätten, reicht Dein eigener Vorrat nicht aus. Deine Matratze liegt sowieso direkt hinter Dir, es gibt also, ähnlich wie auf Festivals, absolut keinen Grund, das Gelände zu verlassen. Dadurch fühlst Du Dich so, als befändest Du Dich in einem Paralleluniversum, in dem Du so sein darfst wie Du bist – unabhängig und unbemerkt von Deinem eigentlichen Leben.

3. Du bist nicht alleine

Kein Wunder, dass Tinder und Co. so erfolgreich sind, kommst Du im Alltag doch kaum mehr in die Situation, andere ansprechen zu müssen – eher fragst Du Google. Auf der Dreamhack wie auch auf Festivals scheint diese Regel, wie so viele andere, außer Kraft zu treten. Liegt die Hemmschwelle durch die Ausnahmesituation sowieso schon weit unter dem Normalmaß, lässt sich durch die garantiert ähnlichen Interessen viel leichter ein Gesprächsthema finden. Und so entstehen auf der Dreamhack wie auch Festivals schon mal Freundschaften zwischen Sitz- / Zeltpartnern, die im Alltag vielleicht niemals zu Stande gekommen wären.

4. Jedes Jahr aufs Neue

Der feste Termin der Dreamhack ist wie ein Lichtblick im sonst so grauen Alltag. Ist sie vorbei, kannst Du eigentlich schon wieder damit anfangen, den Trip zur nächsten zu planen und versuchen, Dir das Wochenende und die Tage davor und danach so frei wie möglich zu halten. Und ist Dein Alltag noch so trist, weißt Du, dass Du dem schon bald wieder entfliehen und völlig ausrasten darfst – auch, wenn sich das auf LANs wohl eher in Stille als in lautem Gebrüll ausdrückt.

Dreamhack – Das Festival für Gamer

Vielleicht war ich noch nie auf einer LAN-Party und ja, anfangs war ich davon überrascht, dass das Klischee des ungepflegten, unordentlichen Gamers tatsächlich gerechtfertigt zu sein scheint, wenn (in der Regel) auch nicht als Dauerzustand, dann zumindest einmal im Jahr auf LAN-Partys. Aber auch wenn der Gestank und der Müll für Tagesticket-Besucher, die am Ende des Wochenendes anreisen, abschreckend wirken mögen, ist das chaotische Treiben für Involvierte doch ein Highlight, können sie so wenigstens einmal im Jahr ungestört genau so sein, wie sie sein wollen.

Die besten Bilder von der gamescom 2016

Dass das absolut nichts über das sonstige Leben der Dreamhack-Besucher aussagt, versteht sich von selbst. Wer dennoch über sie urteilt, nur weil sie in Chips-verschmierter Jogginghose LAN-Partys feiern und nicht unter freiem Himmel zu lauter Musik abgehen, der hat nicht verstanden, dass beides im Prinzip aufs Gleiche rausläuft: Zumindest einmal im Leben genau das zu machen, auf das man Lust hat, ohne Gedanken an morgen zu verschwenden. Auch, wenn das heißt, einmal im Jahr zum laufenden Klischee zu werden.

Warst Du auch auf der Dreamhack 2017? Wie hast Du die größte LAN-Party Deutschlands erlebt?

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