Eskortmissionen: Ein Rückblick auf den frustrierendsten Trend der Videospielgeschichte

Alexander Gehlsdorf 1

Frust, Tränen und Geschrei. Kaum eine Game-Design-Entscheidung brachte so viele Spieler zur Verzweiflung wie die gute alte Eskortmission. Wir blicken zurück auf eine der größten Sünden der Videospielgeschichte.

Eine der bekanntesten Eskortmissionen: Ashley in Resident Evil 4

Resident Evil 4 - Ultimate HD Edition für PC Trailer - GIGA.

Als ich vor einigen Wochen für einen Nostalgie-Check die Klassiker Rogue Sqadron und Rogue Leader erneut in Angriff nahm, überfiel mich in einigen Missionen ein Frust, wie ich ihn zuletzt aus meiner pickeligen Teenager-Zeit kannte.

Allerdings lag das nicht daran, dass Spiele in der Vergangenheit grundsätzlich schwerer waren, viel mehr war insbesondere Rogue Leader von einem Design-Trend heimgesucht, der bereits jeden Gamer irgendwann in seinem Leben schon einmal in den Wahnsinn getrieben hat: Eskortmissionen.

Das Einmaleins der Eskortmissionen

Wie der Name schon sagt, ist es Ziel einer solchen Mission, einen NPC-Charakter durch einen Level-Abschnitt zu eskortieren, etwa wenn in Rogue Leader Rebellentransporter vor angreifenden Tie-Fighter beschützt werden müssen. Genauer betrachtet lassen sie sich jedoch auch als Missionen definieren, deren Erfolg von der (fehlenden) Kompetenz der KI abhängig ist.

Wer erinnert sich nicht an die berüchtigte Zug-Mission in GTA San Andreas, in der unser treffsicherer Kollege Big Smoke eine Handvoll Gangster vom Dach eines Zuges abschießen muss, während der Spieler das Gefährt mit einem Motorrad verfolgt. Das Fahren selbst stellt dabei keine Schwierigkeit dar, nur stellt sich Big Smoke als derart unfähiger Schütze heraus, das praktisch niemand die Mission beim ersten Versuch meistern konnte und sich stattdessen anhören musste, wie Big Smoke jede Schuld von sich weißt. „All we had to, was follow the damn train, CJ!“ hat wohl so manchen Gamer bis in die eigenen Alpträume verfolgt.

Im Laufe der Jahre haben sich eine ganze Reihe Spiele einen zweifelhaften Ruf aufgrund ihrer frustrierenden Eskortmissionen erarbeitet. Etwa die Little Sisters in BioShock, Emma Emmerich in Metal Gear Solid 2 (in dem eine Eskortmission mit einer weiteren Design-Entscheidung kombiniert wird, die bei den meisten Spielern nur blinden Hass hervorruft: Unterwasser-Level) und natürlich Ashley, die Tochter des Präsidenten, in Resident Evil 4.

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Was macht Eskortmissionen so frustrierend?

Frustrierend sind Eskortmissionen jedoch nicht immer aus dem gleichen Grund. Vielmehr gibt es mehrere Faktoren, die sich im schlimmsten Fall auch noch miteinander kombinieren. Am häufigsten sind die zu eskortierenden Personen scheinbar pure Kugel-Magneten. Mit viel zu wenig Lebenspunkten, einer Wegfindung die an Lebensmüdigkeit grenzt und keinem Mittel sich zu verteidigen, sterben die Schützlinge wie die Fliegen und der Spieler starrt bereits nach kurzer Zeit wieder auf den Ladebildschirm.

Ein zweiter Faktor ist die teils unerträgliche Laufgeschwindigkeit der NPCs. Während der Spieler flink von A nach B spurtet, kriecht die zu beschützende Figur im Schneckentempo durch die Gänge und setzt den Spieler unnötigen Wartezeiten aus. Vor allem in MMOs sind Spieler häufig einer solchen Plage ausgesetzt.

Was jedoch alle Eskortmissionen gemein haben, ist der allgemeine Kontrollverlust. Die meisten Spiele sind in ihrem Kern Macht-Fantasien. Du bist der strahlende Held, der die Welt vor dem Bösen rettet. Eskortmissionen legen dein Schicksal jedoch in die Hände einer inkompetenten und unausgereiften KI. Statt also die Welt zu retten, bist du damit beschäftigt, den Babysitter zu spielen. So sieht Motivation aus. Nicht.

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Wo sind sie hin?

Was bei der Betrachtung des Phänomens Eskortmissionen jedoch auch auffällt ist, dass ihre Blütezeit längst vorüber scheint. Wann hat dich das letzte Mal eine solche Mission in den Wahnsinn getrieben? Als Bioshock Infinite 2013 erschien, war die Sorge zuerst groß. Das ganze Spiel ist eine einzige Eskortmission! Und das nach den noch immer so frustrierenden Little Sisters. Wie soll das denn bitte funktionieren? Wie sich herausstellte, überraschend gut. Vor allem, da Elizabeth alle Tücken und Kinderkrankheiten hinter sich gelassen hat. Die junge Dame kann nicht sterben, ist geschwind unterwegs, hat eine saubere Wegfindung, mit der sie nicht an Ecken hängen bleibt und versorgt obendrein Booker mit Munition und Geld. Zudem wartet sie geduldig, bis Booker endlich das Level fertig abgesucht, Ballereien mit unzähligen Bösewichten bestritten und endlich den Weg zum Level-Ausgang gefunden hat.

Moment mal. Bedeutet das etwa … dass Elizabeth der kompetente Spieler und Booker der hilflose Tollpatsch ist?! Offenbar ist Bioshock Infinite selbst fünf Jahre nach Release noch für Überraschungen gut.

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