„eSport ist so wenig Sport wie Blockflöte spielen“ – Nein, das stimmt nicht [Kolumne]

Daniel Kirschey 4

eSport sei kein Sport, ertönt es immer wieder von Politikern. Und das vor allem wegen zwei Punkten: es fehlen die Werte des Sports und körperliche Betätigung. Doch was spricht dagegen?

Verwunderlich sind die Aussagen einiger Politiker, wenn sie ihre Meinung über eSport kundtun. Die einen behaupten, es existiere nicht, die anderen faseln davon, dass nun mal Stricken und Blockflöte ebenfalls keine Sportarten seien oder wollen gar den Begriff eSport komplett ausradieren. In einem sind sich die meisten Politiker einig: Angeblich ließen sich die Werte wie Fair Play und die Achtung vor den Menschen nicht mit denen vereinen, die in Videospielen ihrer Meinung nach zu Schau gestellt werden.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unseres Redakteurs widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

Counter-Strike ist wohl eines der wichtigsten eSport-Spiele.

Die Geschichte von Counter-Strike.

So ließ der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Alfons Hörmann, den Satz „E-Sport existiert nicht. Und es wird auch nicht ins olympische Programm aufgenommen“ vom Stapel. CDU-Politiker Peter Beuth, Innenminister von Hessen, setzt da noch einen drauf wie die FAZ berichtet: „E-Sport ist so wenig Sport wie Stricken und Blockflöte spielen.“ Beuth war davor schon für folgenden Ausruf verantwortlich:

„E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren. Auf diesem Kongress geht es um Bildung und Gesundheit. Wir wollen die Kinder in die Turnhalle und auf den Sportplatz kriegen. Gaming hat seinen Wert. Aber es gehört nicht in eine Sportorganisation als solche hinein. Weil es sich mit einem Titel schmückt, dessen Werte ich dort vermisse.“

Dabei ist eSport kein kleines Phänomen mehr. Über die Hälfte aller 16- bis 34-Jährigen Internetnutzer haben schon einmal von eSport gehört und kennen die Bedeutung des Begriffes, wie Statista verrät:

Statistik: Anteil der deutschen Internetnutzer, die bereits von eSports gehört haben und die Bedeutung kennen, nach Altersgruppe im Jahr 2017 | Statista

In einer Prognose von 2017, wie viele Zuschauer weltweit eSport schauen, beläuft sich die Zahl für 2017 auf 235 Millionen und prognostiziert bis 2021 eine Zahl von 557 Millionen. eSport gehört schon längst zur gesellschaftlichen Realität. Doch einige Politiker wollen das wohl nicht wahrhaben. Was bei ihren Aussagen immer wieder besonders auffällt, ist der Umstand, dass eSport angeblich nicht dieselben Werte wie andere Sportarten vertritt. Wahrscheinlich beziehen sich Politiker dabei vor allem auf Spiele wie CS:GO und andere Shooter, die lange in Deutschland als Killerspiele verrufen waren.

Wir schreiben das Jahr 2019 – und trotzdem scheint es so, als könnten einige Politiker immer noch nicht zwischen Realität und Virtualität unterscheiden. Blut in Spielen ist digital – nicht echt. Wir sprechen im Netz von Avataren, die symbolisch für die Menschen stehen, die diese benutzen. Wir sprechen von Spielfiguren – ebenso wie im Schachspiel. Aber sobald einige Politiker beginnen über Videospiele zu reden, verschwindet plötzlich dieser Abstraktionschritt.

Falls du dich jemals gefragt hast, wie Erangel ausgesprochen wird: Brenden Greene packt aus.

PUBG: Aussprache Map „Erangel“.

Und selbst wenn wir Shooter nun als eine Referenz auf kriegerische Handlungen ansehen, so gilt das auch für eine Reihe anderer Sportarten. Speerwerfen, Schießen deutlicher noch bei den Kampfsportarten Fechten, Ringen oder Boxen sind ebenfalls Wettkämpfe, die kriegerische Auseinandersetzungen von Menschen abstrahieren. Warum ist es vollkommen normal, wenn sich zwei erwachsene Männer für einen gewissen Zeitraum gegenseitig ins Gesicht schlagen aber ein virtuelles Kriegsspiel wie etwa ein Shooter angeblich keine Achtung vor den Menschen habe? Warum fällt es einigen Politikern so schwer hier ebenfalls zu erkennen, dass es sich bei sSport ebenfalls um einen Wettkampf mit klaren Regeln handelt, die von kriegerischen Handlungen abgeleitet sind? Mehr aber auch nicht.

Wenn dann noch das Argument kommt, dass Videospiele professionell zu spielen, wegen mangelnder Bewegung oder anderen ähnlichen Aspekten kein Sport sei, kann wiederum auf andere Sportarten verwiesen werden, in denen dies auch zutrifft. Formel 1-Fahrer sitzen während des Rennens ebenfalls im Autositz, ohne sich größer zu bewegen. Auch Schachspieler sitzen „nur herum“. Doch existiert hier der Begriff Denksport.

Beweise dich!

Und genau das ist auch eSport: nämlich eine Form des Denksports. Der Sportler braucht schnelle Reflexe sowie eine schnelle Auffassungsgabe. Ebenso ist eine gewisse Intelligenz, Konzentration und ein Kombinationsvermögen, um bestimmte Probleme zu lösen, notwendig. Unterm Strich spricht einfach nichts dagegen, eSport den Begriff „Sport“ zu verweigern.

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