GaymerX – Die queere Games Convention

Michael Hoh 1

Was macht ein homosexueller Mittzwanziger, wenn er merkt, dass er zwar gerne auf Games Conventions abhängt, sich aber irgendwie unterrepräsentiert fühlst? Und was macht ein queerer Gamer, wenn das Lieblingshobby den übrigen Freunden aus der Community nur ein müdes Schulterzucken entlockt? Einfach eine eigene Convention gründen!

Zunächst etwas Wichtiges: Dieser Artikel ist ein Teil einer ganzen Reihe von Artikeln, die sich mit dem Thema LGBTQI (Lesbian, Gay, Bi, Transgender, Queer, Intersex) auseinandersetzt. Für ein tolerantes und offenes Miteinander und gegen Diskriminierung. 

Und so erschien GaymerX auf dem Radar, die erste Games Convention mit Fokus auf LGBTQI-relevante Themen. Gegründet wurde sie 2012 von Matt Conn, besagtem Mittzwanziger aus San Francisco, Kalifornien. Dass er mit seinem Wunsch nach einer auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Games Convention nicht alleine war, wurde sehr schnell bei der Kickstarter-Kampagne deutlich, mit der die Convention finanziert werden sollte. Ganze 90.000 Dollar kamen dabei zusammen, fast vier Mal so viel, wie ursprünglich als Kampagnenziel festgesetzt.

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Mittlerweile hat GaymerX mit San Francisco nicht nur ein Zuhause an der nordamerikanischen Westküste gefunden. Seit 2016 findet die Convention auch in Australien und an der East Coast in New York statt. Dabei bietet GaymerX alles, was das Gamer*innen-Herz höher schlagen lässt. Gaming Rooms mit den neuesten AAA- und Indie-Games sowie altbewährte Fan-Favourites, aber auch eine feine Auswahl an analogen Brett- und Strategiespielen. Obendrein decken Vorträge und Panels, von denen viele nachträglich auf dem YouTube-Kanal der Convention zu finden sind, eine große Bandbreite an Themen ab. Dazu kommen Konzerte und Partys. Doch was genau unterscheidet GaymerX von anderen Games Conventions? Und an wen richtet sich GaymerX eigentlich?

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GaymerX richtet sich an alle!

Um mit der letzten Frage zuerst aufzuräumen: GaymerX richtet sich an alle! Niemand soll ausgegrenzt werden. Der Grundgedanke der Convention ist nicht etwa eine Nische in der Welt der Gamer*innen zu schaffen, sondern einen Ort – Stichwort ‚Diversität‘ – der allen eine Plattform bietet. „So bin ich überhaupt erst dazugestoßen“, berichtet Toni Rocca, Vorsitzende der GaymerX und seit der ersten Ausgabe dabei.

„Zuerst habe ich gezögert mitzumachen, denn die Marketingkampagnen für Spiele haben mich fälschlicherweise immer glauben lassen, ‚Gaming‘ sei nur etwas für 25-jährige Kerls mit einer seltsamen Vorliebe für Waffen. Doch Matts Logik, ich solle teilnehmen, weil ich anders war als er und deshalb eine andere Sicht auf die Dinge mitbringen würde, hatte mich überzeugt. Auf die Art haben wir dann nicht nur unser Organisationsteam ausgesucht, sondern zum Beispiel auch unsere Vortragsredner*innen und Panel-Teilnehmer*innen. Oder auch unsere Werbefotos, die Personen zeigen sonst nicht im Mittelpunkt einer Games Convention stehen. Damit signalisieren wir: ‚Ihr seid bei uns willkommen!‘ Du glaubst gar nicht, wie einfach alles wird, wenn man mit einem vielfältigen Team zusammenarbeitet.“

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„Die Leute fühlen sich einfach freier“

Grundsätzlich soll mit der Convention jedoch erst einmal gewährleistet werden, dass queeren Gamer*innen ein sogenannter „Safe Space“ geschaffen wird, ein Ort, an dem sie vor Pöbeleien und ähnlichem sicher sind und sich wohlfühlen können, egal ob als Trans-Frau, schwuler Mann, Person of Colour, intersexuelle oder heterosexuelle Person. Das erreichen die Macher*innen der Convention durch viele Diskussionen vorab, harte Arbeit und ein bei der Öffnung vorgelesenes Manifest. „Bei der Eröffnungszeremonie stelle ich mich vorne hin und lese unsere Inklusionsgrundsätze vor“, erklärt Rocca. Dazu zählen auch so elementare und simple Regeln wie nicht über andere Besucher*innen herzuziehen, aber auch die Einführung von „Prounoun Ribbons“, sogenannte Bänder, auf denen die bevorzugten Anredepronomen (z.B. ‚er‘ oder ’sie‘) der Besucher*innen stehen. „Damit wollen wir verdeutlichen, wie ernst uns die Sache ist. Wenn die Organisator*innen vorleben, wie man sich angemessen verhält, ziehen die Besucher*innen gewöhnlich mit, im Gegensatz zu Eventorganisatoren, die vielleicht anmaßendes Verhalten gegenüber Frauen tolerieren oder sogar vorleben. Sowas ermutigt andere nur, es ihnen gleichzutun.“

The Last of Us und Life is Strange kennst du? Hier haben wir dir noch weitere Videospiele herausgesucht, die LGBTQI-Themen behandeln.

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„Summer of Pride“ feiert Vielfalt in Videospielen – queere Games zum Mitfeiern.

Die harte Arbeit im Voraus macht sich jedoch bezahlt. „Alle sind so freundlich“, ist ein Feedback, das Rocca dankenswerterweise oft zu hören bekommt. „Die Leute fühlen sich einfach freier hier.“

Auf der nächsten Seite liest du, wie die Zukunft der Convention aussieht.

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